Combots "Akuter Verbrennung ausgesetzt"

Sie wollte die Kommunikation revolutionieren. Nun musste die Internetfirma Combots, die aus dem Portalanbieter Web.de hervorgegangen ist, einräumen: Ihr Angebot hat kaum Nutzer erreicht. Eine Auflösung des Unternehmens, wie ein prominenter Aktionär es fordert, soll es aber nicht geben. Der erwägt nun rechtliche Schritte.

Hamburg - Michael Greve hat bei der Combots-Hauptversammlung eine ernüchternde Bilanz gezogen. Trotz großer Anstrengungen, referierte der Chef der Internetfirma, könne man mit den erreichten Ergebnissen nicht zufrieden sein: Zu wenige User hätten sich beim Kommunikationsdienstleister registriert. Ebenfalls schmerzhaft: Nutzer von Combots  haben das Angebot viel zu selten weiterempfohlen. Das Produkt verbreitete sich im Netz also keinesfalls wie ein ansteckender Virus. Ein Großteil der Internetnutzer war offenbar immun.

"Wir sind deutlich hinter unseren eigenen Erwartungen zurückgeblieben", räumte auch Combots-Sprecher Oliver Schwartz gegenüber manager-magazin.de ein. Drastische Worte für eine Firma, die sich auf ihrer Internetseite als "Unternehmen mit einer klaren Vision" preist - und "ein faszinierendes Produkt" anbietet.

Die Anwesenden waren überrascht angesichts so viel Offenheit. Mancher sprach gar von einem "Canossagang" Greves, der noch bis vor kurzem nichts von schwerwiegenden Problemen wissen wollte.

Eine Revolution in der digitalen Kommunikation hatte das Unternehmen in der Vergangenheit versprochen. So sieht das Produkt heute aus: Nutzer können per Internet-Messenger kommunizieren, telefonieren und Dateien austauschen. Aufgepeppt wird die Unterhaltung dadurch, dass die User eigene Figuren - so genannte Avatare - auswählen können. Alles längst da gewesen, sagen Kritiker. Sie verweisen auf Plattformen wie Skype, die funktionalere und wesentlich erfolgreichere Dienste anböten.

Nun werden Änderungen vorgenommen, bei denen vor allem die "Kompatibilität nach außen" im Mittelpunkt stehe; so Schwartz. Beispiel: Seit kurzem können Combots-Nutzer nicht nur mit ihren internen Kontakten, sondern auch mit Kunden anderer Messenger-Netzwerke wie ICQ, Windows Live Messenger, AIM oder GoogleTalk kommunizieren. "Wir haben Brücken in die Außenwelt geschlagen", jubiliert Schwartz. Weitere Features sollen "noch in den kommenden Tagen" folgen.

Änderung des Geschäftsmodells?

Änderung des Geschäftsmodells?

Von einer Änderung des Geschäftsmodells will er jedoch nicht sprechen: "Wir haben einige Weichen früher und anders gestellt, als das vorgesehen war." Die Bewertung dieser Änderungen allerdings sorgte für Streit auf der Hauptversammlung, bis weit in die Nacht.

Ohnehin war die Aktionärskritik harsch ausgefallen. "Die vormals lautstark so angekündigte 'Killerapplikation' hat sich bisher als Schlafmittel entpuppt", beanstandete Christian Strenger, ehemaliger DWS-Geschäftsführer. "Sie löst nicht Begeisterung, sondern in Fachkreisen weiterhin Achselzucken aus". Insgesamt erscheine das Geschäftsmodell, alle Kommunikationstools in einem Produkt zu bündeln, "zu kurz gedacht".

So mancher Aktionär runzelt die Stirn, wenn er auf die Quartalszahlen blickt. Beim Umsatz steht dort 0,0. In Worten: Null Komma Null. Insgesamt ergab sich im ersten Quartal 2007 ein Verlust in Höhe von 7,2 Millionen Euro. Dennoch sitzt das Unternehmen auf einem beachtlichen Berg liquider Mittel: insgesamt 496,2 Millionen Euro. Combots profitiert vor allem von seiner 9,3-prozentigen Beteiligung an United Internet . Diesem Konzern hatten Web.de-Mitbegründer Greve und die anderen Aktionäre im Herbst 2005 das erfolgreiche Portalgeschäft verkauft. Übrig blieb eine Abspaltung, die sich heute Combots nennt.

"Die Combots-Idee ist offenkundig gescheitert", schrieb Aktionär Strenger in seinem Gegenantrag zur Hauptversammlung. "Wenn der Vorstand seine aussichtslose Geschäftsidee weiter verfolgen will, soll er das mit eigenem Geld tun". Der Einsatz weiterer Millionensummen sei aus seiner Sicht keinesfalls zu rechtfertigen. Strenger forderte daher "eine De-facto-Auflösung der Gesellschaft" - und eine Ausschüttung des kompletten Bilanzgewinns an die Aktionäre. Begründung: Alles Geld, das im Unternehmen verbleibe, sei "akuter Verbrennung ausgesetzt".

Drohung mit juristischen Schritten

Drohung mit juristischen Schritten

Da allerdings kannte er die Änderungspläne des Managements noch nicht. "Die gehen so weit, dass hier eine Adhoc-Meldung angezeigt gewesen wäre", sagte Strenger nach der Hauptversammlung gegenüber manager-magazin.de. Es gehe nicht an, dass so etwas einem kleinen Kreis von Aktionären vorgestellt werde, die Kapitalmärkte davon aber nicht erführen. In dieser Frage ziehe er juristische Schritte in Betracht.

Sein Antrag auf Ausschüttung freilich wurde abgelehnt; mit 99 Prozent stimmten die Gesellschafter dafür, den Bilanzgewinn im Unternehmen zu belassen und nicht einmal eine Dividende auszuschütten.

Überraschend ist das Ergebnis nicht. Schließlich besitzt die Familie Greve - Vorstandschef Michael, Bruder Matthias und Vater Felix - einen Großteil der Combots-Aktien. Das Unternehmen verspricht stattdessen baldige Besserung. Im Vorstand herrsche die Zuversicht, sagt Combots-Sprecher Schwartz, die Nutzerzahl bereits im laufenden Quartal spürbar steigern zu können. Gelinge das nicht, seien "alle Optionen offen".