Beamer Hollywood im Wohnzimmer

Ein Kino in den eigenen vier Wänden – der Traum jedes Filmfans. Die neuen Beamer bringen die Leinwand zu einem erschwinglichen Preis nach Hause, doch bei der Auswahl des richtigen Geräts ist Vorsicht geboten.

Duisburg/Düsseldorf - Bis zum Genuss von großformatig projizierten Bildern im eigenen Heimkino ist es mitunter ein weiter Weg. Schwarzwert, Füllfaktor, Lens-Shift, HD-ready - der Wust technischer Bezeichnungen spiegelt die Vielzahl der Faktoren wider, die Filmfreunde berücksichtigen müssen, wenn sie einen teuren Fehlkauf vermeiden wollen. Die richtige Wahl hängt vom Gerät ebenso ab wie von individuellen Vorlieben der Heim-Cineasten, den Räumlichkeiten oder bereits vorhandenen Geräten.

Die Kaufentscheidung gerät damit leicht zu einer Grundsatzfrage, denn zwei sehr ungleiche Techniken der Bilderzeugung wetteifern um die Gunst der Kunden: die Flüssigkristall-Technologie (LCD) und das sogenannte "Digital Light Processing" (DLP). "Des einen Vorteil ist des anderen Nachteil", sagt Timo Wolters von der Zeitschrift "Heimkino". Während die LCD-Projektoren billiger und flexibler seien, punkteten DLP-Beamer durch das kontrastreichere Bild.

"Man kann nicht grundsätzlich sagen, dass eine Technik besser oder schlechter ist", sagt Herbert Noll von der Stiftung Warentest. Die Frage sei vielmehr, ob das Gerät für die jeweilige Anwendung taugt. Eine hohe Leuchtdichte etwa sei vor allem für taghelle Räume wichtig. Im abgedunkelten Heimkino komme es eher darauf an, dass kein störendes Streulicht auftritt.

Da Schwarz nicht projiziert werden kann, sind entsprechende Stellen ohnehin nur so dunkel, wie es das umgebende Restlicht erlaubt. "Je besser man abdunkeln kann, desto eher sollte man auf den Schwarzwert achten", rät Wolters. "Das ist der wichtigste Wert für Heimkino-Fans". Das gilt besonders bei Filmen, die anders als Fußballspiele einen hohen dunklen Bildanteil haben. "Wenn das Weltall in "Star Wars" wirklich schwarz sein soll, ist DLP überlegen", sagt Michael Koschka aus Düsseldorf, Händler für Heimkino-Komponenten und Betreiber des Internetforums Heimkinonetz.de.

Kein Ersatzfernseher

Es kommt auf die Verwendung an

Das erreichen DLP-Beamer, indem sie mittels extrem kleiner, auf einem Chip installierter Kippspiegel jeden Bildpunkt einzeln ausleuchten - oder eben nicht. Je schneller die Spiegel in Richtung Leinwand kippen, desto heller werde das Bild, erklärt Wolters. Ein rotierendes Farbrad sorge dafür, dass die Spiegel die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau abwechselnd reflektieren, so dass das träge menschliche Auge das Ergebnis als Weiß, Grün oder jede andere Farbe interpretiert.

Manche Betrachter sähen so aber ein "Regenbogeneffekt" genanntes Farbflimmern, sagt Wolters. LCD-Beamer hingegen formten das Bild per Durchlichtprojektion. Wie bei einer Digitaluhr steuerten einzelne Flüssigkristalle punktgenau die Lichtdurchlässigkeit von drei LCD-Panels für die drei Grundfarben. Deren gebündeltes Licht ergebe dann das Gesamtbild - eine Technik mit Vorteilen bei der Wiedergabe von Farbe und Bewegung, aber Mängeln beim Kontrast. Koschka zufolge sind die bei LCD-Beamern angegebenen Kontrastwerte zwar höher als für DLP-Beamer. Die unterschiedlichen Messverfahren erlaubten aber keinen Vergleich.

Kein Ersatzfernseher

Da die Pixel einzeln angesteuert werden, haben LCD-Panels eine rasterartige Struktur, die bei den Bildern mancher Geräte als "Fliegengitter" sichtbar wird. Durch die Abstände der Bildpunkte zueinander gehen laut Koschka bis zu 40 Prozent der Bildinformationen verloren. Bei DLP-Projektoren kämen jedoch bis zu 85 Prozent auf der Leinwand an. Der sogenannte Füllfaktor sei höher, das Ergebnis ein "räumlicheres Bild". Dafür funktionierten DLP-Geräte nur in einem bestimmten Winkel und Abstand optimal, sagt Wolters. LCD-Beamer seien dank "Lens-Shift" variabler und könnten auch schräg projizieren.

Ein guter LCD-Beamer schlägt laut Koschka mit rund 1500 Euro zu Buche, ein DLP-Modell mit 2200 Euro - inklusive einer hochwertigen Leinwand, die wie gute Zuspielgeräte die Bildqualität entscheidend mitbestimmt. Im Idealfall böte sich ein "Bilderlebnis, das jedes Kino schlägt", sagt Koschka.

Bei allen Vorzügen der Beamer empfiehlt Jaroslav Smycek von der Verbrauchzentrale Niedersachsen angehenden Heimkino-Betreibern eine "gesunde Skepsis". Als Ersatzfernseher seien Beamer nicht zu empfehlen, zumal das PAL-Fernsehsignal mit einer Auflösung von 768 mal 576 Pixeln für eine Großbildprojektion kaum ausreiche.

Weitere Nachteile seien die Wärme- und Geräuschentwicklung vieler Geräte sowie hohe Folgekosten. Die hellen Lampen verbrauchten viel Strom und müssten nach zwei bis drei Jahren ausgewechselt werden - was bis zu 500 Euro kosten kann.

Als "Fehlkauf schlechthin" bezeichnet Koschka Geräte mit einem Seitenverhältnis von 4:3 und einer Auflösung, die nicht dem "HD-ready"-Mindeststandard entspricht. Neue Geräte sollten den Experten zufolge mindestens über die "kleine" HD-Auflösung von 1280 mal 720 Pixel - oder die Full-HD-Auflösung von 1920 mal 1080 Pixel sowie über einen HDMI-Anschluss verfügen. Für alles Weitere gilt: selber ausprobieren.

Sascha Reimann, dpa

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