Congstar Obermanns eigene Billigkonkurrenz

Mit ihrer neuen Zweitmarke Congstar will die Deutsche Telekom den Kampf gegen Billiganbieter aufnehmen. Experten sehen in der Strategie jedoch einen Pyrrhussieg. Der Bonner Konzern könnte sich die eigenen Kunden abspenstig machen - und die Gewinnmarge drücken.

Hamburg – Die Deutsche Telekom  galt bislang als träger Riese, der kleineren Konkurrenten unbeholfen hinterher trottete. Billiganbieter wie Simyo waren ihm längst enteilt. Nun schickt der Bonner Konzern die Zweitmarke Congstar ins Rennen, die bessere Chancen im Preiskampf haben soll. Congstar klingt wie King Kong, soll jedoch für Flexibilität und Einfachheit stehen.

"Einfach wie Fastfood" werde die Telekommunikation durch Congstar, jubelte Geschäftsführer Alexander Lautz bei der Vorstellung der Marke in Köln. Der Kunde kann seinen persönlichen Wunschtarif durch verschiedene Bausteine individuell zusammenbasteln. Eine Internetflatrate gibt es schon ab monatlich 14,99 Euro, allerdings zuzüglich Telefongrundgebühr. Gegen Aufpreis lassen sich höhere DSL-Geschwindigkeiten oder eine Telefonflatrate ergänzen.

Experten bezweifeln jedoch, ob dem Konzern mit der Zweitmarke eine grandiose Aufholjagd gelingt. Congstar ersetzt den bisherigen hauseigenen - und fast namensgleichen - Billiganbieter Congster (künftig mit "a" statt mit "e"). Dieser dümpelte jahrelang vor sich hin - und gewann weniger als 100.000 Kunden. Die Nachfolgemarke bietet neue Tarife, auch für Handytelefonate. Aber wird dadurch auch alles besser?

"Durch diesen Schritt wird die Telekom wettbewerbsfähiger", sagt Chris-Oliver Schickentanz, Analyst bei der Dresdner Bank. "Mit Congstar kann es der Telekom gelingen, die Umsatzerosion im Deutschlandgeschäft einzudämmen." Mehr aber auch nicht: Eine neue Wachstumsphase werde beim angeschlagenen Bonner Konzern durch Congstar gewiss nicht eingeläutet, glaubt der Analyst.

Zudem sei es der Telekom nicht überzeugend gelungen, Congstar als wirklich unabhängige Zweitmarke zu präsentieren. Denn der Name werde unweigerlich mit der Telekom in Verbindung gebracht. Zwar will sich das Unternehmen strikt von seiner Billigtochter abgrenzen - dennoch ließ Telekom-Chef René Obermann ein Statement zum neuen Markenauftritt verbreiten: Mit Congstar nehme "die Deutsche Telekom den Kampf gegen die Anbieter im Discountsegment des Telekommunikationsmarktes auf."

Sobald der Kunde die Marke Congstar mit der Telekom assoziiert, wird es gefährlich: Denn viele Kunden bleiben laut Dresdner-Bank-Analyst Schickentanz nur deshalb bei der Telekom, weil sie deren Produkte als besonders hochwertig betrachten. Doch nach der Einführung von Congstar haben selbst eingefleischte Telekom-Fans keinen unmittelbar einsichtigen Grund mehr, an teureren Tarifen festzuhalten.

"Generell nicht überzeugend"

"Generell nicht überzeugend"

Congstar ist ein Billigkonkurrent im eigenen Konzern. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Congstar-Zentrale in Köln angesiedelt ist - und nicht am Telekom-Hauptsitz in Bonn. "Die Billigmarken-Strategie drückt auf die Gewinnmarge", befürchtet deshalb Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck. Ihm erscheint die Billigmarken-Strategie "generell nicht überzeugend".

Ob die Congstar-Angebote günstig genug seien, um der Konkurrenz Kunden abzujagen, hält Kitz für fraglich. Beispiel: Unlängst hat der Konkurrent 1&1 angekündigt, eine Telefon- und Internet-Doppelflatrate für knapp 30 Euro anzubieten - ohne Telekom-Grundgebühr. Ein vergleichbares Congstar-Paket ist fast zehn Euro teurer. Allerdings hat die Telekom-Billigmarke den Vorteil, dass Kunden ihre Verträge monatlich kündigen können. Bei vielen anderen DSL-Anbietern - wie auch bei 1&1 - müssen sie sich für ein oder sogar zwei Jahre binden.

Auch bei den Congstar-Handytarifen überzeugt im Vergleich zur Konkurrenz das Preisargument nicht unbedingt. 19 Cent pro Minute, das ist kein einzigartiger Tiefpreis. Bei der E-Plus-Billigmarke Simyo beispielsweise kostet die Minute 15 Cent.

Dafür gibt es bei Congstar zusätzliche Pauschaltarife für Anrufe in die Netze von T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus. Kostenpunkt: Jeweils 15 bis 20 Euro. Das gibt dem Kunden mehr Wahlfreiheit und Flexibilität. Die Handyflatrate von Base beispielsweise gilt nur für Telefonate ins E-Plus-Netz, Gespräche in andere Handynetze werden gesondert abgerechnet.

Doch allen Vorteilen zum Trotz: Auch Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) glaubt nicht an eine Erfolgsgeschichte für die Telekom. "Ein paar Hunderttausend Kunden wird sie dadurch wahrscheinlich schon gewinnen", sagt er. Es sei aber durchaus denkbar, dass der Bonner Konzern die Marke nach einiger Zeit wieder einschlafen lasse. "Das wäre ja gute alte Tradition bei der Telekom." Siehe Congster - mit "e".

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