ProSiebenSat.1 Fernsehen auf Sparflamme

Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 tritt nach der milliardenschweren Übernahme der europäischen Senderkette SBS auf die Kostenbremse und streicht 180 Jobs. Auch mehrere Informationsformate sollen verschwinden. Nun wird debattiert, ob Sat.1 so seinen Status als Vollprogramm halten kann.

München - Die Sendergruppe ProSiebenSat.1  will im Zuge der Übernahme der TV-Gruppe SBS 180 Stellen abbauen. 100 Arbeitsplätze sollten in Berlin und 80 in München gestrichen werden, sagte ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch am Dienstag auf der Hauptversammlung.

ProSiebenSat.1 hatte die SBS Broadcasting Group für 3,3 Milliarden Euro übernommen. Die Akquisition ist kreditfinanziert. Angeblich soll die neue Mediengruppe etwa vier Milliarden Euro Schulden haben.

Um nach einem Verlust von einem Zuschaueranteil von 1 Prozent im vergangenen Jahr rentabler zu werden, werden die Sendungen "Sat.1 am Mittag", "Sat.1 am Abend" und zum 31. August auch "Sat.1 News - Die Nacht" eingestellt. Die Nachrichten um 18.30 Uhr sollen aber unangetastet bleiben.

Zu Berichten über einen abrupten Weggang des Nachrichtenmoderators Thomas Kausch, hieß es, Kausch sei vom Sender "nicht beurlaubt", er befinde sich aber "faktisch in Urlaub". Er habe einen Tag vor Antritt seines Urlaubs sein Büro geräumt. Kommentieren wollte man dies aber nicht.

Die Sendelizenz von Sat.1 als Vollprogramm sieht der Konzern durch die Einstellung der Sendungen nicht gefährdet. "Fakt ist, dass wir heute einen genauso hohen Informationsanteil haben wie bei der Erteilung der Lizenz", erklärte eine Sprecherin.

"Das wirkt jetzt wie ein Schlag"

"Das wirkt jetzt wie ein Schlag"

Bei der für Sat.1 zuständigen rheinland-pfälzischen Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LMK) sieht man das Ganze allerdings differenzierter. "Gehobelt wird eigentlich immer", sagte LMK-Chefjustiziar Rolf Plathow manager-magazin.de. "Aber das wirkt jetzt wie ein Schlag." Man werde sich "anschauen, wie das Ganze sich darstellt", fügte er hinzu. Schließlich bedeute die Lizensierung als Vollprogramm, dass sowohl Information als auch Bildung, Beratung und Unterhaltung geleistet werden müsse.

Allerdings sei kaum anzunehmen, dass es der Sender auf ein Abrutschen vom Vollprogramm hin zum Spartenkanal ankommen lassen werde. "Dann gehören sie in die Kategorie Terranova. Da wollen sie garantiert nicht hin", sagte Plathow.

LMK-Direktor Manfred Helmes hatte zuvor ebenfalls zu Bedenken gegeben, dass es nicht sein könne, dass ein Programm baden gehe, um die Renditeziele der Eigentümer zu erreichen. Zudem warnte er vor den Folgen eines wirtschaftlichen "Schneeballsystems", bei dem Medienkonzerne sich gegenseitig aufkaufen und zerlegen würden. Dies würden die Medienwächter auf Dauer nicht mitmachen: "Und ich hoffe, dass die Politik es auch nicht mitmacht."

CSU-Generalsekretär Markus Söder wertete den Programmeingriff und die Stellenabbaupläne als "verheerendes Signal für den Medienstandort Deutschland" und rief die LMK auf, die Lizenzierungsauflagen genau zu überprüfen. "Auch für die Privaten gilt, dass sie ein Mindestmaß an Informationen liefern müssen und keine reinen Abspielstationen für Unterhaltungsfilme und Nachmittagsshows sind", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Politische Kultur besteht nicht aus Gerichtsshows und Daily Soaps".

Der Medienexperte Jo Groebel rechnet nicht mit Folgen für den Status von Sat.1. "Da wird nichts an Sanktionen kommen", sagte er manager-magazin.de. Wie weit der Begriff des Vollprogramms gezogen werden könne, sehe man schließlich an Sendern wie RTL2.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap und dpa-afx