Bestätigung ProSiebenSat.1 streicht Jobs

ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch hat auf der Hauptversammlung in München einen Stellenabbau bei dem Fernsehsender bestätigt. De Posch versicherte jedoch, dass dies nicht auf Druck der neuen Eigentümer KKR und Permira geschehe.

München - "Bei der anstehenden Programmreform von Sat.1 werden einige Formate ersetzt werden", sagte der ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch laut vorab verbreitetem Redetext. Dies habe leider auch personelle Konsequenzen für die Mitarbeiter dieser Formate.

Sat.1 habe bei den Zuschaueranteilen im vergangenen Jahr einen ganzen Prozentpunkt eingebüßt, sagte de Posch. Der neue Sat.1-Senderchef Matthias Alberti habe ein Konzept entwickelt, um den Sender breiter zu positionieren und wieder mehr Zuschauernähe zu gewinnen.

Der Fernsehsender will nach Gewerkschaftsangaben mehrere Nachrichtensendungen einstellen und hunderte Jobs streichen. Der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke sprach am Montag von 200 bis 300 gefährdeten Arbeitsplätzen, Branchenkreise berichten von 180 Arbeitsplätzen, die bis 2009 bei Sat.1 wegfallen sollen, davon 100 in Berlin und 80 in München. Demnach würden die Nachrichtensendungen "Sat.1 am Mittag", "Sat.1 am Abend" und "Sat.1 News - Die Nacht" kurzfristig eingestellt werden.

"Kein Druck von KKR und Permira"

Die Finanzinvestoren KKR und Permira hatten im Juni ihren europäischen Fernsehkonzern SBS für 3,3 Milliarden an den Münchener ProSiebenSat.1-Konzern verkauft, an dem sie ebenfalls die Mehrheit halten. ProSiebenSat.1 hatte daraufhin Stellenstreichungen angekündigt.

Durch den Zusammenschluss habe man festgestellt, dass der Konzern an manchen Stellen effizienter aufgestellt sein könne, sagte de Posch auf der Hauptversammlung. Darum werde es einen gewissen Stellenabbau geben, erklärte der Konzernchef. "Ich möchte an dieser Stelle anfügen, dass es sich um einen Übergangseffekt handeln wird", fügte er hinzu und betonte, diese Entscheidung sei nicht auf Druck der Eigentümer KKR oder Permira gefallen. Mittelfristig werde es in der ProSiebenSat.1-Gruppe wieder einen Aufbau von Stellen geben.

Medienanstalt droht mit Konsequenzen

Medienanstalt droht mit Konsequenzen

Die rheinland-pfälzische Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LMK) drohte Sat.1 bereits Konsequenzen an, sollte der Fernsehsender seine Nachrichtensendungen einstellen. Die Privilegien, die Sat.1 als Vollprogramm bei der Einspeisung in die Kabelnetze genieße, könnten wegfallen, sagte LMK-Direktor Manfred Helmes. Es könne nicht sein, dass das Programm baden gehe, um die Renditeziele der Eigentümer zu erreichen.

Helmes sagte, nicht allein die öffentlich-rechtlichen Sender hätten bestimmte Aufgaben bei der medialen Versorgung der Bevölkerung: "Auch private Sender sind zu einem Vollprogramm in abgespeckter Form verpflichtet."

Der LMK-Direktor warnte vor den Folgen eines wirtschaftlichen "Schneeballsystems", bei dem Medienkonzerne sich gegenseitig aufkaufen und zerlegen würden. Dies würden die Medienwächter auf Dauer nicht mitmachen: "Und ich hoffe, dass die Politik es auch nicht mitmacht."

Stagnierende Werbeeinnahmen

Sat.1 wurde 1984 als erster deutscher Privatsender in Ludwigshafen gegründet. Aus diesem Grund ist die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt für die Medienaufsicht über den Sender verantwortlich, der seinen Sitz mittlerweile in Berlin hat.

Auf der Hauptversammlung äußerte sich ProSiebenSat.1 auch zu den Werbeeinnahmen. Da die Gruppe im April und Mai des vergangenen Jahres wegen der Fußball-Weltmeisterschaft überdurchschnittliche Werbeumsätze verzeichnet habe und diese Sondereffekte im laufenden Jahr wegfielen, "werden unsere Werbeumsätze im zweiten Quartal kein Wachstum aufweisen", sagte Finanzchef Lothar Lanz laut Redetext. Dies sei in der Jahresplanung aber bereits berücksichtigt. Für 2007 will die Sendergruppe das erwartete Wachstum des deutschen TV-Werbemarktes um 2 bis 3 Prozent übertreffen, zeigte sich zuletzt aber weniger optimistisch, dieses Ziel auch erreichen zu können.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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