Office-Pakete Es geht auch ohne Microsoft

Schreiben, kalkulieren, gestalten und verwalten: Büroarbeiten gehören zu den Standardaufgaben von Computern. Die meisten Anwender vertrauen dabei auf das Altbekannte, das Office-Paket von Microsoft. Doch es lohnt auch ein Blick auf die Produkte anderer Hersteller, die häufig günstiger oder sogar kostenlos angeboten werden.

Berlin/Hannover - Bei Büroarbeiten sind Office-Pakete unverzichtbar. Sie bieten die dafür benötigten Programme im praktischen Bündel. Manche Office-Lösung ist gratis, im Extremfall werden mehrere hundert Euro fällig. Welches Produkt in Frage kommt, hängt vor allem vom Einsatzzweck und dem eigenen Budget ab.

Vor wenigen Jahren noch erledigte sich die Anschaffung von Office-Pakten beim Kauf eines Rechners häufig von selbst, wenn eine Komplettversion zum Lieferumfang zählte. Das kommt jedoch immer seltener vor, stellt Peter Knaak, Technikexperte der Stiftung Warentest, fest: "Wegen des Preiskampfes sparen die Hersteller mit solchen Zugaben." Nur in wenigen Fällen liegen abgespeckte Büropakete für Einsteiger wie Microsoft Works dabei.

Damit sind die wenigsten Nutzer lange zufrieden, so die Erfahrung von Dieter Brors, Redakteur der Zeitschrift "c't". Solche Programme reichten meist nur für überschaubare Aufgaben, etwa das gelegentliche Schreiben einfacher Briefe. "Aufwendige Texte wie Studienarbeiten mit Fußnoten und Register sind damit nicht drin", fügt Knaak hinzu.

Viele Funktionen bleiben ungenutzt

Bei der Suche nach einem leistungsfähigen Office-Bündel muss die Wahl nicht immer auf das üppigste Paket fallen. Es sollte vielmehr dem Aufgabenprofil des Nutzers entsprechen, erläutert Thomas Stojke vom Internetversandhändler Computeruniverse.net . "Vielen Heimanwendern reicht im Grunde eine gute Textverarbeitung und eine Tabellenkalkulation", so Stojke. Sie sollten genau prüfen, ob sich Mehrausgaben für weitere Bestandteile lohnen. "Viele Office-Pakete sind so mächtig, dass sie ein durchschnittlicher Anwender gar nicht ausreizt", ergänzt Brors.

So bietet Microsoft , der Marktführer bei Büroanwendungen, in seiner aktuellen "Office 2007"-Reihe unterschiedlich geschnürte Pakete für Privatnutzer an. Beispielsweise enthält die "Home and Student"-Variante (rund 150 Euro) eine Textverarbeitung ("Word"), eine Tabellenkalkulation ("Excel"), das Notizprogramm "OneNote" und "PowerPoint" zum Erstellen von Präsentationen. Das E-Mail-Programm mit Kalenderfunktion "Outlook", die Layoutsoftware "Publisher" oder die Datenbankanwendung "Access" sind nur in teureren Paketen enthalten. Diese und weitere Programme aus der Microsoft-Office-Reihe richten sich generell eher an Unternehmen, erklärt Stojke.

Mehr Leistung für weniger Geld

Mehr Leistung für weniger Geld

Wegen der hohen Verbreitung haben sich die Office-Dateiformate von Microsoft  als Quasi-Standard sowohl in der Bürowelt als auch im Privatbereich etabliert, so Stojke. "Viele nutzen zu Hause, was sie schon vom Arbeitsplatz her kennen", sagt Brors. Deswegen hätten es Produkte anderer Hersteller hier schwer. Dabei seien sie oft vergleichbar leistungsfähig, kosteten aber weniger.

So bietet "Corel WordPerfect Office X3" in der Standardedition eine Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware und ist für rund 100 Euro unter www.corel.de  zu haben. Alternativen sind "SoftMaker Office 2006" (Text, Tabelle; ca. 70 Euro, www.softmaker.de ), "Papyrus Office 12" (Text, Tabelle, Datenbank, Layout; 99 Euro als Download unter www.papyrus.de , 129 Euro auf CD) oder "Sun StarOffice 8" (ab ca. 20 Euro, www.shop.avanquest.com ).

Aus Sicht von Nutzern stellt sich jedoch die Frage, ob sie überhaupt noch Geld für eine Office-Suite ausgeben müssen. So manche Büroanwendung gibt es auch gratis. Brors empfiehlt das Paket "OpenOffice", das unter http://de.openoffice.org  heruntergeladen werden kann. Die Software basiert auf "StarOffice" und wird mit Hilfe einer freien Programmierergemeinde weiterentwickelt. Sie ist umfangreich ausgestattet: mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbank-, Präsentations- und Grafiksoftware sowie ein Formeleditor.

Abstriche beim Komfort

""OpenOffice" bietet alles, was ein durchschnittlicher Heimanwender braucht - und mehr", sagt Softwareexperte Brors. Kleinere Abstriche müssten Nutzer jedoch beim Komfort hinnehmen. Vorlagen und Cliparts müssen durch Erweiterungen nachgerüstet werden. Zudem lasse die Dokumentation zu wünschen übrig - was stört, wenn eine gewünschte Funktion nicht auf Anhieb zu finden ist.

Wer schon einmal mit Bürosoftware gearbeitet hat, dürfte bei einem Umstieg aber keine grundsätzlichen Einarbeitungsprobleme haben. "Bei den Grundfunktionen gibt es keine großen Unterschiede. Die Bedienung ist meist ähnlich", erklärt Stojke. Was viele Nutzer von einem Wechsel abschrecke, sei vielmehr die Kompatibilität der Dateitypen. Um Formate anderer Hersteller zu "verstehen", werden Im- und Exportfilter verwendet, und zwar unterschiedlich gut.

"Zwar können im Grunde alle Programme etwa Dateien im Microsoft-Format lesen und abspeichern. Die Konvertierung funktioniert aber nicht immer reibungslos. Zeichen oder Bilder können in komplexen Dokumenten verrutschen", erklärt Stojke. Solange Dateien nur auf einem Computer verbleiben oder zwischen Rechnern mit gleicher Office-Software verschickt werden, ist das keine Hürde. "Der Austausch von Dateien zwischen den Plattformen kann jedoch Probleme bereiten", gibt Warentester Knaak zu bedenken.

Welches Office die eigenen Anforderungen am besten erfüllt, sollten Nutzer vor der Anschaffung ausprobieren, empfiehlt Experte Brors. Jeder Hersteller bietet eine Testversion zum Download an.

Berti Kolbow, dpa