Gewinnwarnung Motorola alarmiert Anleger

Die Krise beim angeschlagenen US-Konzern Motorola spitzt sich weiter zu. Der zweitgrößte Handyhersteller hat für das zweite Quartal eine Gewinn- und Umsatzwarnung herausgegeben, die Zeit von Konzernchef Ed Zander scheint gezählt. Die Nummer vier der Branche, Sony Ericsson, glänzt dagegen mit guten Zahlen.

New York - Unter dem Strich werde sich das Minus aus dem fortlaufenden Geschäft auf zwei bis vier Cent pro Aktie belaufen, teilte Motorola  mit. Auch die Umsatzprognose setzte der US-Konzern herab: Hier erwartet der Nokia-Konkurrent nun nur noch 8,6 bis 8,7 Milliarden Dollar. Bislang war der Konzern davon ausgegangen, dass der Umsatz vom ersten Quartal in Höhe von 9,4 Milliarden Dollar ungefähr gehalten werden könne.

Bei Motorola steckt vor allem das Mobilfunkgeschäft in der Krise. Der zweitgrößte Handyhersteller hinter dem finnischen Konzern Nokia  geht nach eigenen Angaben nicht mehr länger davon aus, dass die Sparte – immerhin der größte Geschäftsbereich des Unternehmens - im Geschäftsjahr 2007 einen Gewinn verbuchen werde. Verantwortlich dafür sei der schleppende Verkauf in Europa und Asien, hieß es zur Begründung.

Seit dem Erfolg des flachen Razr-Modells, das 2004 auf den Markt kam, hat der Konzern keinen Verkaufsschlager mehr präsentieren können. Nun soll Manager Stu Reed als neu ernannter Chef der Handysparte das Geschäft so schnell wie möglich wieder in die schwarzen Zahlen führen. Ein für den 23. Juli anberaumtes Analystentreffen, auf dem die Präsentation neuer Handys erwartet wird, verschob Motorola jedoch bis September.

"Was Motorola dringend braucht, sind neue Produkte - Kostensenkungen reichen nicht aus", sagte Lawrence Harris, Analyst bei Oppenheimer. "Wenn bis Jahresende keine klaren Anzeichen für eine Trendwende erkennbar sind, wird es im Management erneut Veränderungen geben."

"Zanders Zeiten sind vorbei"

Der Blick richtet sich dabei vor allem auf Konzernchef Ed Zander. "Seine Zeit ist vorbei", sagte Ed Snyder, Branchenexperte bei Charter Equitiy Research. "Angesichts dieser trüben Aussichten für den Rest des Jahres dürfte er nicht viel länger im Amt bleiben."

Eine Motorola-Sprecherin äußerte sich nicht zu den Spekulationen. Sie betonte lediglich, Zander arbeite als Firmenchef in enger Kooperation mit dem restlichen Vorstand weiter daran, dass das Handygeschäft wieder Gewinne schreibe.

Die Motorola-Aktie war vor der Verlustwarnung noch mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Grund dafür waren Forderungen des als Rebell bekannten Aktionärs Eric Jackson nach einem sofortigen Rücktritt Zanders. Zuvor hatten die Papiere seit Mitte Oktober etwa ein Drittel ihres Werts eingebüßt. Jackson war auch einer der Anführer der Aktionärsrevolte beim Internetkonzern Yahoo . Investoren hatten eine Entschuldigung des damaligen Chefs Terry Semel für die schwache Gewinnentwicklung gefordert. Kurze Zeit später wurde Semel ersetzt.

Sony Ericsson holt auf

Sony Ericsson holt auf

Auch bei den erwarteten Handyauslieferungen schockte Motorola  die Anleger. Demnach geht das Management nur noch von 35 bis 36 Millionen verkauften Geräten im zweiten Quartal aus nach 45,4 Millionen in den ersten drei Monaten des Jahres. Bei Samsung Electronics  rechnen Analysten mit einem Absatz von 37 Millionen Handys, womit Motorola als Nummer zwei abgelöst würde.

Der weltweit viertgrößte Handyhersteller Sony Ericsson verkaufte dagegen mit 24,9 Millionen Geräten rund zwei Drittel mehr als vor einem Jahr. Das Gemeinschaftsunternehmen von Sony  und Ericsson  setzt vor allem auf den Verkauf von günstigeren Handys, um Marktanteile zu gewinnen. Dies führte im Gegenzug dazu, dass der Gewinnzuwachs von 55 Prozent auf 327 Millionen Euro schwächer ausfiel als von Analysten erwartet.

Der Markt werde in diesem Jahr weiter vom intensiven Wettbewerb geprägt sein, mit neuen Produkten wolle Sony Ericsson allerdings schneller als der Markt wachsen, sagte Vorstandschef Miles Flint. Für dieses Jahr rechnet der Motorola-Chef mit einem branchenweiten Absatz von über 1,1 Milliarden Mobiltelefonen. Angetrieben wird das Wachstum vor allem von der Nachfrage in Schwellenländern wie Indien, China und Brasilien, wo überwiegend günstigere Geräte gekauft werden.

Mit neuen Geräten habe Sony Ericsson auf diesen Trend reagiert, was sich im niedrigeren durchschnittlichen Verkaufspreis pro Handy niederschlage, der von 145 Euro im Vorjahr auf 125 Euro im zweiten Quartal fiel. Diese Entwicklung sei erwartet worden, sagte ein Experte einer Marktforschungsgesellschaft.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx und reuters