Apple Die größten Flops

Über mangelnden Erfolg kann sich Apple derzeit sicher nicht beklagen. Doch das war nicht immer so. Gerade in den 90er Jahren floppte ein Apple-Produkt nach dem nächsten. Ein Überblick über die größten Fehlschläge des Konzerns.

Hamburg - Noch während der 90er Jahre lag Apple  fast am Boden, wurde als Übernahmekandidat für Firmen wie Sony  gehandelt. Seit jedoch der ehemalige Firmenmitgründer Steve Jobs wieder das Ruder in der Hand hat, geht es mit dem Unternehmen steil bergauf.

Immer wieder hat Jobs bewiesen, dass er mit Produkten wie dem iMac, dem iPod und der Musikplattform iTunes den richtigen Riecher hatte. Allein im letzten Jahr wurde der Kurs der Apple-Aktie mehr als verdoppelt. Aber das war nicht immer so - es gab auch Rückschläge.

So hat Jobs auch einen der größten Apple-Flops zu verantworten. Beispiel: Lisa. Eigentlich hätte dieser Computer ein Meilenstein für die Firma werden sollen, die Ende der 70er Jahre auf der Suche nach einem Nachfolger für den Ur-Apple war. Parallel arbeiteten zwei Teams an Macintosh und Lisa, wobei Jobs' Lieblingsprojekt der Lisa war.

Das war durchaus verständlich, denn ausgestattet mit einer Maus und einer grafischen Benutzeroberfläche war der Lisa bei seiner Einführung im Jahr 1983 der Konkurrenz weit voraus. Als Zielgruppe hatte man sich Geschäftskunden ausgesucht, denen auch gleich eine Bürosoftware, das Lisa Office, mitgeliefert wurde.

Einen kommerziellen Erfolg des Lisa verhinderte Apple allerdings überaus erfolgreich, indem der Preis für den Rechner auf knapp 10.000 Dollar, damals rund 30.000 D-Mark, festgelegt wurde - das war selbst in der Frühzeit der Personal Computer zu viel.

Den endgültigen Todesstoß versetzte Jobs dem Projekt mit der Einführung des Macintosh im Januar 1984. Die letzte Charge von 2700 unverkäuflichen Lisas ließ Apple vier Jahre später in einer Müllhalde in Utah verbuddeln, um sie endlich steuerlich abschreiben zu können.

Macintosh Portable

Die Entwicklung des ersten tragbaren Macs nahm mehrere Jahre in Anspruch. Technisch gesehen war das Resultat der Konkurrenz bei seiner Markteinführung 1989 weit voraus. Es verfügte über einen 16 Megahertz schnellen Motorola 68.000-Prozessor und ein Aktivmatrix-Display mit VGA-Auflösung. Vergleichbares hatte die DOS-Welt nicht zu bieten.

Allerdings hatte das Portable einen Schwachpunkt: Als Stromspender wurde ein Bleisäure-Akku wie im Auto eingesetzt. Wer so ein Ding schon mal in Händen hielt, weiß: Die sind verdammt schwer.

So kam das Gerät auf ein betriebsbereites Gesamtgewicht von sieben bis acht Kilo. Das war zwar transportabel, aber keineswegs bequem. Anwender berichteten, die Nutzung des Portable bei Flügen sei nicht möglich gewesen, weil die Klapptische im Flugzeugen dem enormen Gewicht nicht standhielten.

Der mit 6500 Dollar sehr hoch angesetzte Preis kam erschwerend hinzu. So wurde das Gerät trotz seiner technischen Vorzüge nicht zum erhofften Verkaufserfolg. 1991 nahm Apple das Portable wieder aus dem Programm.

Im Wohnzimmer gescheitert

Power CD

Mit dem Power CD sprang Apple  eilig auf den Multimediazug auf, der Anfang der 90er Jahre ins Rollen kam. Das Gerät konnte sowohl für sich als Audio- und Foto-CD-Player an Stereoanlage und Fernseher genutzt werden als auch via SCSI-Kabel als CD-ROM-Laufwerk an einem Mac laufen. Letzteres erwies sich aber häufig als schwierig, da man für das Power CD spezielle Treibersoftware brauchte, die an einigen Macs Probleme bereitete.

Für den Einsatz an Notebooks konnte das Laufwerk auch mit handelsüblichen Batterien betrieben werden. Als Hersteller für das mit dem Apple-Logo versehene Gerät fungierte seinerzeit Philips . Auch hier trug wieder der Preis in Höhe von 449 Dollar dazu bei, die Kundschaft auf wenige, zahlungskräftige Enthusiasten zu begrenzen. Einige Paletten des Uralt-CD-Laufwerks kamen noch vor wenigen Jahren auf den Markt und wurden zu Schleuderpreisen verhökert. Heute gilt das wirtschaftlich enttäuschende Power CD als Sammlerstück.

Pippin

Mit Pippin versuchte Apple bereits Mitte der 90er Jahre, sich einen Platz im Wohnzimmer zu sichern. Das Gerät sollte damals schon bieten, womit heute moderne Spielkonsolen protzen: einen Internetbrowser, E-Mail und vor allem Spiele. Als Betriebssystem diente damals, wie heute beim Apple TV, eine angepasste Version des Mac OS.

Von Anfang an gab es keine Pläne, Pippin unter der Marke Apple zu vertreiben. Stattdessen sollte das System an Dritthersteller lizenziert werden. Einziger Kunde war allerdings der japanische Spielzeughersteller Bandai. Als das Gerät dann endlich 1995 auf den Markt kam, war es jedoch bereits zu spät - Sega, Nintendo und Sony hatten den Markt für Spielkonsolen unter sich aufgeteilt. Zudem waren deren Geräte viel billiger als Pippin. Dass die Apple-Entwicklung jedoch weit mehr als eine Konsole war, interessierte damals kaum jemanden. So konnten nur einige Tausend Pippins abgesetzt werden.

Newton

Als der Ex-Pepsi-Chef John Sculley das Ruder bei Apple übernahm, steckte er sich hohe Ziele. Nicht weniger als die Neuerfindung des Personal Computers schwebte ihm vor. Der sollte künftig überall mit dabei sein und seinen Nutzer in allen Lebenslagen begleiten. Das Resultat war der Apple Newton, für den Sculley den Beinamen "Personal Digital Assistant", kurz PDA, prägte, der auch heute noch für Geräte dieser Kategorie verwendet wird.

Allerdings konnte der Newton die versprochenen Funktionen nicht zuverlässig liefern. Die meisten Probleme bereitete die Handschrifterkennung, mit der nur wenige Anwender klarkamen. So soll der von dem Konzept begeisterte Microsoft-Boss Bill Gates seinen Newton nach einer Viertelstunde vergeblichen Kritzelns enttäuscht weggeworfen haben.

Trotz dieser Probleme hielt Apple über sechs Jahre an der Newton-Idee fest und produzierte mehrere Nachfolgemodelle. Richtig erfolgreich wurde das PDA-Konzept aber erst, als ehemalige Apple-Mitarbeiter die Firma Palm gründeten und unter dem Namen "Palm Pilot" einen eigenen PDA herausbrachten, der zwar technisch einfacher, dafür aber auch zuverlässiger, langlebiger und vor allem billiger als der Newton war.

Zu teure Luxusrechner

20th Anniversary Mac

Zum 20. Geburtstag der Firma offerierte Apple seinen treuesten Anhängern einen super-edlen Computer, bei dem man auf nichts verzichtete, was damals gut und teuer war: Im Inneren des Komplettrechners werkelte ein 250 Megahertz schneller PowerPC-Prozessor, dem zwei Megabyte Arbeitsspeicher und eine Zwei-Gigabyte-Festplatte zur Seite standen.

Herausragend war der integrierte SVGA-Flachbildschirm. So etwas kannte man seinerzeit nur von Highend-Notebooks. Neben einer Spezialtastatur mit integriertem Touchpad lag im Karton ein edel gestaltetes Bose-Acoustimass-Boxenset.

Trotz der auf 12.000 Stück limitierten Auflage des Jubiläums-Mac gelang es nur schwer, Käufer dafür zu finden. Der anfänglich mit knapp 7500 Dollar angesetzte Preis mag auch hier seinen Anteil daran gehabt haben. Um die letzten Lagerbestände loszuwerden, wurden diese bereits ein Jahr später zu einem Preis von 1998 Dollar verramscht.

Cube

Auch mit dem Cube, einem Computer in Würfelform, erlitt Apple Schiffbruch. Die gesamte Konstruktion des Würfelrechners war darauf ausgelegt, ihn lautlos zu machen. So wurde die Umgebungsluft an der Unterseite in den Rechner geleitet und verließ das Gehäuse durch Luftschlitze an der Oberseite. Durch Ausnutzung des Kamineffekts kam der Cube ganz ohne Lüfter aus.

Trotz oder gerade wegen des Verzichts auf ein großes Gehäuse war der Cube teurer als ähnlich ausgestattete Standard-Macs. Da er zudem nur schlecht erweiterbar war, fiel er trotz seines gelungenen Designs bei der Kundschaft durch. Nach nur einem Jahr stellte Apple die Produktion ein. Cube-Fans hoffen bis heute auf eine Neuauflage. In der Windows-Welt feiert der Hersteller Shuttle mit ähnlich konzipierten PCs (allerdings mit Lüftern) heute Erfolge.

Copland

Unter dem Codenamen "Copland" startete Apple 1991 die Entwicklung eines vollkommen neuen Betriebssystems. Die Software sollte die damalige Mac-Systemsoftware mit der Bezeichnung "System 7" ablösen. Allerdings hatte man sich bei Apple wohl mehr vorgenommen, als zu schaffen war. So sollte das System mehrbenutzerfähig sein, mehrere Programme parallel abarbeiten und außerdem beim Absturz eines einzelnen Programms unbeeindruckt weiterarbeiten können.

Über fünf Jahre zogen sich die Versuche der Programmierer hin, diese Anforderungen zu erfüllen - bis es 1996 endlich eingestellt wurde. Stattdessen entschied sich der damalige Apple-Chef Gil Amelio, die damals von Steve Jobs betriebene Firma Next zu kaufen, um das neue Apple-Betriebssystem auf deren Nextstep-System aufzubauen.

Ein für Amelio fataler Fehlentschluss, denn wenig später übernahm Jobs wieder das Ruder bei Apple und ließ Amelio ziehen. Nextstep hingegen wurde zur Grundlage des heutigen Mac OS X.

Der erste Intel-Versuch

Star Trek

Bereits Anfang der 90er Jahre begann man damit, das Apple-Betriebssystem für Intel-Prozessoren anzupassen, mit dem Ziel, künftig Standardhardware benutzen zu können. Getreu dem Motto, man wolle dahin gehen, "wo kein Mac zuvor war", lautete der Codename "Star Trek".

Tatsächlich gelang es, die Software auf einem PC mit Intel-80486-Prozessor zum Laufen zu bekommen. PC-Hersteller Dell  kündigte schon damals großes Interesse daran an. Zwischenzeitlich wechselte jedoch wieder einmal die Führung bei Apple  und der neue Chef, Michael "The Diesel" Spindler, trug Star Trek zu Grabe. Stattdessen ließ er System 7 an die Power-PC-Prozessoren von IBM  und Motorola  anpassen.

Erst etliche Jahre später, 2005, wurde die Star-Trek-Idee Realität. Damals gab Jobs bekannt, man habe schon seit fünf Jahren unter strenger Geheimhaltung an einem Mac OS X für Intel-Chips gearbeitet. Längst basieren alle Apple-Rechner auf Standardhardware - auf Standard-PCs läuft das Mac-Betriebssystem aber bis heute nicht.

EWorld

Schon Mitte der 80er Jahre hatte Apple einen eigenen Onlinedienst: AppleLink. Der blieb allerdings lange Zeit Händlern und Entwicklern vorbehalten. Mitte der 90er Jahre dann wurde das Apple-Link-System überarbeitet und in EWorld umbenannt.

Der neue Dienst sollte mit seiner bunten grafischen Oberfläche, in der die verschiedenen Dienstleistungen innerhalb eines digitalen Dorfes in verschiedenen Häusern "wohnten", auch unbedarften Anwendern den Onlinezugang ermöglichen. Zur Erinnerung: Mitte der 90er war das Internet noch weitgehend eine Textwüste, viele Anwender nutzten noch Mailboxsysteme wie das "Mausnetz".

Als Pferdefuß erwiesen sich wieder einmal die hohen Kosten, die Apple den EWorld-Anwendern aufbürdete. Schon die Grundgebühr lag bei neun Dollar. Dafür bekam man gerade mal zwei Stunden Onlinezeit. Jede weitere Stunde wurde, je nach Tageszeit, mit fünf bis sieben Dollar berechnet. Ein teures Vergnügen also.

Da zeitgleich AOL seinen Service ausbaute und weit günstiger war, blieben die Abonnenten aus. Während EWorld binnen zwei Jahren nur knapp über 100.000 zahlende Kunden zählte, hatte es AOL auf 3,5 Millionen Nutzer gebracht. Die Konsequenz: Ende März 1996 schaltete Apple das elektrische Dorf endgültig ab.

Heute lebt das elektrische Dorf als Flash-Animation weiter. Wer mag, kann sich dort auf eine nostalgische Reise in die Vergangenheit  begeben.

OpenDoc

Mit OpenDoc wollte Apple die Art, wie Programmierer arbeiten und Anwender mit Dokumenten umgehen, revolutionieren. Die Idee: Statt großer monolithischer Applikationen sollten die Programmierer kleine Mini-Progrämmchen schreiben, die nur wenige Funktionen, beispielsweise zur Texteingabe, bereitstellen. Dem Anwender blieb es nun überlassen, sich, ausgehend von einem leeren Dokument, mit der Maus jene Programmschnipsel zusammenzustellen, die er gerade brauchte.

Auf diese Weise sollten Programme übersichtlicher werden und auch kleine Firmen in der Lage sein, Software erfolgreich zu vermarkten. Während das Konzept wohlwollend aufgenommen wurde, stellten die Anwender schnell fest, dass OpenDoc für damalige Verhältnisse viel zu hohe Anforderungen an die Hardware stellte. Auf den meisten Macs lief es nur im Schneckentempo, sodass die Anwender lieber darauf verzichteten, OpenDoc-Software zu benutzen.

Da sich kein kommerzieller Erfolg einstellen mochte und Apple damals ohnehin mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte, stellte Jobs das Projekt kurzerhand ein und entließ auch gleich die damit befassten Programmierer. Laut Wikipedia kommentierte Jobs das Ende der Entwicklung mit den Worten: "Wir haben ihm (OpenDoc) eine Kugel durch den Kopf gejagt".