SAP/Oracle "Satzsieg für Ellison"

Es ist also wahr. SAP-Chef Henning Kagermann hat unrechtmäßige Zugriffe der US-Tochter TomorrowNow auf Oracle-Daten eingeräumt. Für SAP ist das ein Imageschaden. Für Oracle-Chef Larry Ellison ein Grund zum Feiern.

Hamburg - Es war ein schwerer Gang für Henning Kagermann. Der SAP-Chef musste jetzt eingestehen, dass die US-Tochter TomorrowNow in unangemessener Weise Fehlerbehebungen und Wartungsdokumente von Erzfeind Oracle  heruntergeladen hat.

Oracle hatte SAP  deshalb im März dieses Jahres verklagt. Das von Larry Ellison geführte Unternehmen wirft dem deutschen Softwarekonzern vor, über Monate hinweg Tausende von urheberrechtlich geschützten Programmen und Softwarecodes heruntergeladen zu haben. Dadurch soll TomorrowNow Oracle-Kunden günstigere Preise für die Wartung ihrer Software geboten haben können.

Der Anfang 2005 von SAP übernommene Softwareanbieter TomorrowNow bietet in den USA Wartung und Support unter anderem für Oracle-Anwendungen an. Um diese Dienstleistung durchführen zu können, erhält das Unternehmen von seinen Kunden Passwörter für den Zugriff auf Oracle-Webseiten, auf denen TomorrowNow Wartungsmaterial herunterladen kann. Dabei ist es allerdings auch zu unerlaubten Downloads gekommen.

"Da ist ein Kratzer im Lack"

Für Ellison ein gefundenes Fressen. Der Oracle-Chef kämpft seit Jahren verbissen gegen seinen deutschen Konkurrenten SAP im Wettbewerb um Unternehmenskunden. Der US-Milliardär versucht mit unzähligen Übernahmen, SAP von seinem Thron zu verdrängen. So gab Oracle allein in den vergangenen drei Jahren mehr als 25 Milliarden Euro für zahlreiche Übernahmen aus. SAP setzt dagegen auf Wachstum aus eigener Kraft.

Das Eingeständnis von Kagermann in der PR-Schlacht der beiden Softwaregiganten schwächt die Position von SAP, auch wenn der Konzernchef versichert, dass die Informationen die Walldorfer nie erreicht hätten. "SAP hatte nie Zugriff auf geistiges Eigentum von Oracle", so Kagermann.

So sieht Analyst Michael Bahlmann von M.M. Warburg in dem Vorfall, zumindest so wie er sich jetzt darstellt, auch vorwiegend einen Imageschaden für den deutschen Softwarekonzern. "Das ist ein Kratzer im Lack", sagte er manager-magazin.de. "Allerdings kein dicker."

Die tatsächlichen finanziellen Schäden der ganzen Angelegenheit schätzt er - nicht zuletzt angesichts des vergleichsweise geringen Umsatzes der SAP-Tochter - denn auch eher "recht übersichtlich" ein. "Nach Computerkriminalität in großem Stil sieht es jedenfalls nicht aus."

"Dunkler Fleck auf weißer Weste"

"Dunkler Fleck auf weißer Weste"

Auch Ulrich Trabert vom Bankhaus Metzler hält den Schaden für SAP für "eher gering". "Bei der Aktie dürfte das mittlerweile mehr oder weniger eingepreist sein", ist er überzeugt.

Für Thomas Liskamm von der Dresdner Bank ist das Ganze ein "dunkler Fleck auf der ansonsten weißen Weste". Schließlich habe SAP  bislang nicht nur für Qualität bei den Produkten gestanden, sondern auch sonst eher einen Gentlemen-Stil gepflegt. Oracle-Chef Larry Ellison habe damit im Streit der beiden Softwaregiganten einen "Satzsieg" gelandet.

Positiv wiederum bewerte Liskamm das bisherige Management in dem Streitfall. "Es sieht so aus, als ob SAP sachgerecht und mit kühlem Kopf an die Sache rangeht." Es sei daher durchaus möglich dass "SAP mit einem blauen Auge" davonkomme.

Wie Bahlmann geht er daher davon aus, dass SAP wohl schnellstmöglich - am besten noch vor Jahresende - einen Vergleich anstreben wird. Über dessen Höhe - so Oracle  denn mitspielt - könne man bislang eigentlich nur spekulieren. Aber "im zwei- bis niedrigen dreistelligen Millionenbereich", schätzt Liskamm, dürfte er sich schon bewegen.

Ellison könnte Kagermann zappeln lassen

Rückstellungen hat SAP für diesen Vorfall noch nicht gebildet. "Wir müssen erst einmal wissen, wie hoch die Forderung von Oracle ist, bevor wir Rückstellungen bilden", erklärt SAP-Sprecher Frank Hartmann gegenüber manager-magazin.de.

Nichtsdestotrotz muss SAP handeln. Bei TomorrowNow ziehen die Walldorfer jetzt demonstrativ die Zügel an. Ab sofort wird Mark White, COO von SAP America, als Chairman die Aktivitäten des Unternehmens kontrollieren. TomorrowNow-Chef Andrew Nelson muss künftig an ihn berichten. "Weitere personelle Konsequenzen sind derzeit nicht geplant, werden aber geprüft", so SAP-Sprecher Hartmann.

Eine Trennung von TomorrowNow wird Hartmann zufolge nicht in Erwägung gezogen. Der Vorfall habe keinerlei Auswirkungen auf die Geschäftspolitik von SAP.

Für Oracle-Chef Ellison ist das Eingeständnis von Kagermann aber schon so eine Genugtuung. Daher ist fraglich, ob er sich überhaupt auf ein mögliches Vergleichsangebot der Walldorfer einlassen wird. Fällt dieses zu gering aus, könnte er den Rechtsstreit genüsslich bis zum Ende auskosten und Kagermann zappeln lassen.

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