Buchmarkt Die iPhone-Bibeln

Freitag ist iPhone-Tag in den USA. Erwartet werden überfüllte Apple-Stores, wenn erstmals das Handy mit dem Apfel verkauft wird - Blogger haben es erwartungsfroh "Jesus Phone" getauft. Eine Branche freut sich ganz besonders: Die Ratgeberverlage, die mit iPhone-Büchern in den Lobgesang einstimmen.

Hamburg - Die Erlösung ist nah. Nur noch einmal aufstehen, dann ist die Zeit schnöder Handys vorbei. Dann kommt das iPhone hernieder. Es wird uns leuchten den Pfad in ein Paradies des Kommunizierens. Auf ewig verbunden, im heiligen Netzwerk. Apple , halleluja!

Eigentlich hatte Apple-Chef Steve Jobs im vergangenen Januar nur ein Smartphone vorgestellt, ein Telefon also, auf dem unterschiedlichste Software läuft, und das sich auf Wunsch mit dem Internet verbindet. Der Hohepriester vom Orden des digitalen Lifestyle hielt das Gerät empor, wie eine Reliquie. Danach konnten es die angereisten Konferenzteilnehmer in einem gläsernen Tabernakel bestaunen, unfassbar, unerreichbar.

Was sich seither abspielt, erinnert an Szenen aus dem Film "Das Leben des Brian". "Gib uns ein Zeichen, o Herr", riefen die Menschen in Medien und Blogs. Steve gab ein Zeichen, und siehe: sie folgen ihm. Das Telefon aus der Zukunft ist Dauerthema in den Medien, da macht manager-magazin.de keine Ausnahme. Und jede Information über das Gerät, die nach außen dringt, wird begierig gelesen, da machen die Leser von manager-magazin.de keine Ausnahme.

Nun, da der Tag der Verkündung naht, wird das Volk unruhig. Am Freitag beginnt der Verkauf in den USA, erstmals werden die Gläubigen die Reliquie berühren dürfen. Schon heuern sie Stellvertreter, die für sie in den langen Schlangen an Apple Stores warten und eines der ersten iPhones ergattern sollen.

Zur Erinnerung: Es geht um ein Telefon.

Monatelang waren offizielle Informationen über das Gerät spärlich. Kaum mehr als die Andeutungen von Steve Jobs bei der ersten Präsentation ließ Apple nach außen dringen, allenfalls Gerüchte, die die Sinne benebelten. Nicht ein einziger Apple-Manager gab ein Interview.

Wo Götter schweigen, sind Propheten nicht weit

Wo die Götter schweigen, sind die Propheten nicht weit. Sucht man auf Amazon  nach Büchern über das iPhone, wird man schon jetzt fündig: zehn Treffer - allerdings ist keines davon lieferbar. Die Angebote reichen von "The Rough Guide to the iPhone" und "iPhone Fully Loaded" über "The Pocket Idiot's Guide to the iPhone" bis hin zu "How to Do Everything with Your iPhone". Eine ganze Herde von Druckerzeugnissen über ein Ding, das noch niemand jenseits von Apple in Händen gehalten hat. Fehlt nur eine "iPhone-Bibel".

Die Arbeit an solchen Büchern ist gar nicht transzendent, sondern läuft unter schweißtreibendem Zeitdruck ab. Beim Verlag Wiley VCH, der die bekannte Dummy-Reihe publiziert ("Word 2007 für Dummies", "Projektmanagement für Dummies", "Schlaganfall für Dummies"), arbeiten die Autoren Edward C. Baig und Bob LeVitus fieberhaft an "iPhone für Dummies". Erscheinungstermin der englischen Ausgabe: Ende Oktober. Eine deutsche Übersetzung ist möglich, darüber wird aber "kurzfristig entschieden", so die Pressesprecherin der deutschen Niederlassung in Weinheim, Sabine Jürgens.

Sportlicher geht es der amerikanische O'Reilly-Verlag an. Die Psalmsammlung "iPhone. The Missing Manual" soll schon Ende Juli zur Verkündigung bereitstehen. Mit David Pogue habe man einen Star-Autor gewonnen, Emmy-dekoriert und der Mac-Gemeinde unter anderem durch Apple-Kolumnen in der "New York Times" bekannt.

Pogues göttliche Aura

Ein wenig göttliche Aura umstrahlt auch ihn, verfügt er doch laut Verlag über Kontakte in das Unternehmen Apple, die kein anderer hat. "Es ist davon auszugehen, dass er das iPhone deutlich vor der bevorstehenden Markteinführung zu sehen bekam und wir deshalb mit dem Buch zum Thema sehr früh dran sein können", freut sich die deutsche O'Reilly-Sprecherin Barbara Müller.

Mit brennendem Herzen

Für kein Telefon erscheinen mehr Ratgeberbücher. Allenfalls den Blackberrys sind einige Veröffentlichungen gewidmet, etwa "Blackberry für Dummies". Doch das iPhone schlägt diesen Rekord. Am schönsten frohlockt sich's halt im Chor.

Bleibt die Frage, warum die Gemeinde den "Missing-Manual"-Propheten zuhören sollte. Vermissen die Gläubigen tatsächlich ein Handbuch? Soll die Benutzeroberfläche des iPhone laut Steve Jobs nicht von diviner Raffiniertheit und asketischer Schlichtheit sein? Und deshalb konkurrenzlos leicht zu bedienen?

In den Verlagen sieht man das anders. Die Benutzeroberfläche sei neu, damit der Erklärungsbedarf groß. Man wolle das "volle Potential" eines solchen Geräts "auf einfache Weise erschließen", verspricht Müller. Das habe schon beim iPod viele Leser angesprochen. Jürgens sekundiert: "Nicht jeder tut sich leicht damit. Wir bieten Tipps und Tricks, die man nicht auf Anhieb findet."

So blicken auch die Ratgeberverlage dem iPhone mit brennendem Herzen entgegen. Und halten es mit dem Alten Testament. Im Buch der Sprüche heißt es da: "Wo nicht Rat ist, da geht das Volk unter; wo aber viel Ratgeber sind, da geht es wohl zu." (Sprüche 11, 14)

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