SAP Plattner befürchtet Kannibalismus

Bei SAP gibt es offenbar Streit in der Chefetage. Während Vorstandschef Henning Kagermann und Vertriebschef Léo Apotheker meinen, die neue Mittelstandssoftware werde nicht mit anderen SAP-Produkten konkurrieren, behauptet Mitgründer Hasso Plattner nun das Gegenteil.

Potsdam - Das neue Geschäftsmodell stehe mit der gegenwärtigen Geschäftspolitik im Wettbewerb, sagte SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner auf einer Branchenveranstaltung zu den Geschäftsaussichten für die Mietsoftware A1S.

Bislang installiert SAP  nach Plattners Worten 99 Prozent der verkauften Software bei den Firmenkunden und kassiert dafür Lizenzgebühren. Mit der geplanten, auf kleinere mittelständische Kunden zugeschnittenen Software will SAP hingegen der steigenden Nachfrage nach Mietsoftware Rechnung tragen, bei der die Kunden keine eigenen Computerkapazitäten mehr vorhalten müssen. Die Software wird stattdessen über das Internet abgerufen. Bei diesem Geschäftsmodell fallen geringere, laufende Nutzungsentgelte an.

Von dem neuen Geschäftsmodell verspricht sich SAP Zugang zu dem bisher vernachlässigten Markt der Firmenkunden mit 50 bis 500 Mitarbeitern. SAP bedient bislang vor allem große Unternehmenskunden ab 500 Mitarbeitern und bietet für Kleinunternehmen bis 50 Mitarbeiter eine abgespeckte Softwarelösung an.

"Für uns ist das alles zusätzliches Geschäft"

Die jüngsten Äußerungen von SAP-Mitgründer Plattner unterscheiden sich deutlich von den bisherigen Aussagen des SAP-Managements. Vorstandschef Henning Kagermann sagte im Interview mit manager magazin, dass SAP in Zukunft auf die Kombination von konventionellen Programmpaketen und Webservices, sogenannte Hybridmodelle, setze. "Es sind unterschiedliche Systeme für unterschiedliche Märkte", erklärte Kagermann.

Der SAP-Vertriebschef und stellvertrende Vorstandsvorsitzende Léo Apotheker hatte zuletzt Anfang Juni gesagt, die neue Mittelstandssoftware werde zusätzlichen Umsatz ohne Einbußen bei anderen Produkten bringen. Da die neue Software auf ein bislang nicht bedientes Marktsegment bei mittelständischen Kunden zugeschnitten sei, werde die Nachfrage nach bestehenden Softwarelösungen dadurch nicht gedrückt, sagte Apotheker.

Die neue Software soll um die Jahreswende auf breiter Front auf den Markt kommen. "Die Ankündigung von A1S hat keinerlei negative Auswirkungen auf unser Geschäft", hatte der Manager gesagt. "Im Gegenteil, die Auswirkung ist positiv. Für uns ist das alles zusätzliches Geschäft."

manager-magazin.de mit Material von reuters

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