Balda Im Apple-Strudel

Seitdem Balda den Abschluss eines Vertrags mit Apple verkündete, ist der Aktienkurs des Handyausrüsters um 30 Prozent gestiegen. Dabei ist nie bestätigt worden, dass die Westfalen den berührungsempfindlichen Bildschirm für Apples iPhone herstellen. Doch schon jetzt hängt die Zukunft des Traditionskonzerns entscheidend von diesem Auftrag ab.

Hamburg - Schweigen und genießen - so könnte das derzeitige Motto von Balda-Chef Joachim Gut lauten. Seit der Ankündigung, dass der Handyausrüster einen Liefervertrag mit Apple geschlossen habe, steigt die Aktie  des mittelständischen Unternehmens in ungeahnte Höhen.

Der Zeitpunkt war aber auch zu passend gewählt. Kurz nachdem Apple-Chef Steve Jobs das neue iPhone in den USA vorstellte, rückte Balda mit der Mitteilung heraus. Dabei handelte der Handyausrüster aus Bad Oeynhausen sicher nicht im Interesse seines Auftraggebers. Apple  schweigt normalerweise über seine Zulieferer und reagiert mit harten Vertragsstrafen, sobald sich ein Unternehmen als Lieferant zu erkennen gibt.

Zwar verschwieg Balda damals wie heute, welche Produkte an den US-Konzern geliefert werden, doch in der Branche wurde schnell eins und eins zusammengezählt und ein Zusammenhang mit der Expansion in China hergestellt.

Beteiligung an Touchscreen-Hersteller ausgebaut

Dort hatte Balda im November vergangenen Jahres 95 Prozent der Holdinggesellschaft Balda Investments Singapore (BIS) übernommen. BIS ist ein Joint Venture mit der chinesischen Unternehmerfamilie Chiang, in dem die asiatischen Tochtergesellschaften von Balda gebündelt werden. Unter anderem werden über BIS auch die Geschäfte des Touchscreen-Herstellers TKP gesteuert, der einst von der Familie Chiang gegründet wurde und nun offenbar die berührungsempfindlichen Bildschirme für Apples iPhone liefern soll.

Die Ausweitung des Geschäfts auf die Touchscreen-Herstellung ist für Balda Risiko und Chance zugleich. Einerseits ist die Übernahme von BIS für 80 Millionen Euro für das Unternehmen in seiner derzeitigen wirtschaftlichen Lage vergleichsweise teuer. Außerdem muss Balda im Gegenzug der Familie Chiang 15 Prozent der Anteile an dem Unternehmen gewähren, die damit zum größten Einzelaktionär aufsteigt.

Andererseits muss sich der Handyausrüster mit allen Mitteln wieder aus seiner miserablen wirtschaftlichen Lage herausmanövrieren. Dem 1908 in Dresden gegründeten Kamerahersteller Balda, der inzwischen neben den Touchscreens überwiegend Kunststoffteile für die Mobilfunkindustrie produziert, ging es in den vergangenen Jahren nicht sonderlich gut. Die New-Economy-Zeit überlebte das Unternehmen mehr schlecht als recht.

Miserable Jahreszahlen

Miserable Jahreszahlen

Die Pleite der Deutschland-Tochter von BenQ Mobile im vergangenen Jahr riss Balda schließlich tief in die Verlustzone. Zu diesem Zeitpunkt musste der westfälische Handyzulieferer gleich dreimal hintereinander eine Gewinnwarnung herausgeben. Schließlich fiel für 2006 bei einem Umsatz von 370 Millionen Euro ein Verlust in Höhe von 42 Millionen Euro an, nach einem Vorjahresgewinn von 33,4 Millionen Euro.

In diesem Jahr peilt das Unternehmen nun eine Umsatzsteigerung um 70 Prozent auf 650 bis 700 Millionen Euro und einen Vorsteuergewinn zwischen 50 und 55 Millionen Euro an. Vor allem von dem Geschäft mit Touchscreens erhofft sich Balda  einen deutlichen Auftrieb: Im laufenden Jahr soll fast die Hälfte der Umsätze mit den berührungsempfindlichen Bildschirmen erwirtschaftet werden.

Bisher ist von dem spektakulären Umsatzanstieg allerdings noch wenig zu sehen. Im Gegenteil: Sowohl Umsatz als auch Gewinn haben sich im ersten Quartal gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum verschlechtert.

Wieder sind es nur Spekulationen, die der Aktie am Dienstag zu einem 5-prozentigen Kurssprung verhalfen. Wenige Tage vor dem US-Verkaufsstart des iPhone soll Apple  laut einem Bericht des "Handelsblatts" seine Bestellungen für die Balda-Displays deutlich erhöht haben. Offenbar hat der andere Touchscreen-Zulieferer, der japanische Elektronikkonzern Sharp , Schwierigkeiten bei der Produktion.

Balda lebt von Spekulationen

Balda-Sprecher Clas Röhl wollte den Bericht gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren. Er erklärte lediglich: "Wir erwägen seit Anfang dieses Jahres, ob wir die Touchscreen-Produktion in unserem chinesischen Werk ausweiten". Es sei allerdings noch keine Entscheidung hierzu gefallen. Auch Sharp und Apple wollten sich nicht zu dem Thema äußern.

Die Börse brauchte allerdings auch keine Bestätigung. Die Spekulation allein genügte, um den Kurs in neue Höhen zu treiben.

Genau das ist das eigentlich Faszinierende an dem Unternehmen. Obwohl die Zahlen in die entgegengesetzte Richtung zeigen und die Touchscreen-Lieferung an Apple offiziell nie bestätigt wurde, stieg der Kurs der Balda-Aktie seit Verkündung der Kooperation um knapp 30 Prozent. Neben zahlreichen Kleinanlegern witterten auch namhafte Investoren das große Geld bei Balda.

Kurz nach der im Januar verkündeten Zusammenarbeit mit Apple stieg beispielsweise der US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte bei Blada ein. Der Firmenjäger sicherte sich für rund 22 Millionen Euro 5 Prozent an dem Unternehmen. Im Februar erhöhte der britische Hedgefonds Cycladic Capital seinen Anteil auf 9,57 Prozent und im April riss sich der US-Finanzinvestor Fidelity gleich 10 Prozent des Unternehmens unter den Nagel.

Homm hat zu früh verkauft

Homm hat zu früh verkauft

Auch der umstrittene Finanzinvestor Florian Homm, der zuletzt mit seiner Forderung nach einer Zerschlagung der frisch fusionierten Freenet AG  für Aufsehen sorgte, ist an Balda  beteiligt. Sein Investment verlief dieses Mal allerdings nicht ganz so rosig. Kurz bevor die Zusammenarbeit mit Apple  verkündet wurde, trennte sich der Hedgefondsmanager von einer 10-Prozent-Beteiligung an Balda. Derzeit profitiert Homm nur noch über seinen verbliebenen 4,5-Prozent-Anteil von den Kurssprüngen.

Und wo Homm ist, ist auch Lars Windhorst nicht weit. Der einstige Vorzeigeunternehmer, der von dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl gefördert wurde und später sein Mini-Imperium an die Wand fuhr, ist über den Hedgefonds Sapinda mit rund 10 Prozent an Balda beteiligt.

Das Engagement von Windhorst stößt bei einem anderen Großaktionär, dem Hedgefonds Audley Capital, auf wenig Gegenliebe. Die Briten, die 5 Prozent an Balda halten, kritisieren die enge Verbindung zwischen Windhorst und Balda-Chef Joachim Gut. Im Gegensatz zu den anderen Investoren sei Sapinda stets bestens informiert, heißt es.

Audley Capital versucht deshalb bereits seit einiger Zeit, Windhorst aus dem Unternehmen zu drängen und Balda gemeinsam mit Cycladic Capital zu übernehmen. Bisher konnte Vorstandschef Gut die Attacke jedoch erfolgreich ablehnen.

Insgesamt kontrolliert somit inzwischen eine Handvoll aggressiver Finanzinvestoren über 50 Prozent des Grundkapitals von Balda. Ein wenig erinnert deren Engagement an die derzeitigen Investitionen etablierter Medienkonzerne in Web-2.0-Unternehmen: Alle wollen um jeden Preis dabei sein, die Gewinne der begehrten Objekte sind dabei nebensächlich. Es bleibt zu hoffen, dass weder der eine noch der andere Traum platzt.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.