Montag, 22. April 2019

Freenet Investoren attackieren Spoerr

Der Konflikt um eine Zerschlagung der Hamburger Telekomfirma Freenet weitet sich aus. Am Montag sprangen die Großaktionäre Hermes und Drillisch dem Investor Florian Homm bei, der die Aufspaltung Ende Mai ins Gespräch gebracht hatte. Freenet-Chef Eckhard Spoerr gerät zunehmend unter Druck.

Frankfurt am Main - Der Vorstand solle einen kompletten oder teilweisen Verkauf von Freenet Börsen-Chart zeigen an industrielle Partner prüfen, sagte der Vorstandsvorsitzende von Hermes Focus Asset Management Europe, Stephan Howaldt, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagausgabe). "Der Vorstand muss die Augen öffnen und andere strategische Optionen prüfen."

Freenet-Chef Spoerr: "Zerschlagung ist nicht im Sinne des Unternehmens"
Nach Ansicht von Howaldt seien Freenet einige Akquisitionschancen durch die Lappen gegangen. "Jetzt gibt es für das Unternehmen nichts mehr zu kaufen." Daher solle der Konzern überlegen, sich von seinem Mobilfunkgeschäft und dem Internetgeschäft zu trennen. An dem Internetgeschäft könnten Wettbewerber wie United Internet Börsen-Chart zeigen, Arcor, Telefonica Börsen-Chart zeigen und Telecom Italia Börsen-Chart zeigen interessiert sein, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Branchenkreise.

Hermes hält gut 5 Prozent der Freenet-Anteile. Der Fonds ist in Deutschland kein Unbekannter. Bei Tui hatte er angesichts der Ertragsprobleme in der Schifffahrt eine Aufspaltung des Konzerns verlangt, was das Unternehmen abwehren konnte.

Drillisch erhöht den Druck

"Freenet muss zum richtigen Zeitpunkt Werte realisieren, bevor sie wieder verschwunden sind", sagte Drillisch-Chef Paschalis Choulidis dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). "Der Breitbandmarkt boomt jetzt - und jetzt werden hohe Prämien bei Verkäufen erzielt. Deswegen sollte Freenet sein Internet-Geschäft verkaufen", sagte Choulidis. Drillisch hatte zuletzt auch eine höhere Dividende von Freenet gefordert und will sein Unternehmen, einen Konkurrenten des Hamburger Unternehmens, weiter mit den Norddeutschen fusionieren, was diese aber ablehnen.

Hilft Vatas?

Freenet-Vorstandschef Eckard Spoerr lehnt eine Zerschlagung ab: "Wir haben 18 Monate für die Fusion von Mobilcom und Freenet gekämpft. Diese jetzt rückgängig zu machen ist nicht im Sinne des Unternehmens", sagte er der FAZ. Erst nach einer langen Hängepartie und mehreren Gerichtsprozessen konnten die beiden Unternehmen vor kurzem verschmolzen werden. "Unser Geschäftsmodell ist langfristig ausgerichtet und verspricht erhebliche Synergien", sagte er dem "Handelsblatt".

Unterstützung erhofft sich Spoerr vom größten Aktionär des Unternehmens, dem Finanzinvestor Vatas. "Vatas unterstützt unsere Strategie und will nicht, dass wir Geschäftsteile verkaufen." Der Finanzinvestor hält 18,7 Prozent der Aktien.

Wohlgesonnene Aktionäre kann Spoerr vor der Hauptversammlung am 20. Juli gut brauchen. Hermes will Howaldt zufolge bei dem jährlichen Treffen Gegenanträge einbringen - etwa bei den Neuwahlen zum Aufsichtsrat - falls der Freenet-Vorstand nicht auf seine Vorschläge reagiere.

Erst Ende Mai hatte sich der kurz zuvor eingestiegene Finanzinvestor Florian Homm ebenfalls für eine Zerschlagung des Unternehmens ausgesprochen. Auch damals reagierte Spoerr abweisend. "Wir brauchen etwas Zeit, bis man den strategischen Vorteil der Fusion erkennen wird", sagte er.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung