Deutsche Telekom Tarifkommission gibt grünes Licht

Die Große Tarifkommission von Verdi hat dem Kompromiss zum Stellenumbau bei der Deutschen Telekom zugestimmt. Damit machte das Gremium den Weg für ein Ende der Streiks und die Auslagerung von rund 50.000 Mitarbeitern in drei Servicegesellschaften frei.

Bad Neuenahr/Köln - Nach einer mehrstündigen Sitzung am Mittwoch habe die Große Tarifkommission mit überwältigender Mehrheit entschieden, die mit der Deutschen Telekom  erzielte Lösung anzunehmen, sagte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder am Ende der Sitzung am Mittwoch. Schröder betonte erneut, dass die Entgelte trotz einer Absenkung des Lohnniveaus von 6,5 Prozent für die von der Auslagerung betroffenen Mitarbeiter gesichert bleiben.

Nach Angaben von Teilnehmern gab es kontroverse Diskussionen während der Sitzung. Schröder räumte ein, es gebe bei den Mitgliedern erheblichen Klärungsbedarf. Am Donnerstag und Freitag kommender Woche müssen die Telekom-Beschäftigten darüber entscheiden, ob sie den Kompromiss annehmen.

Zuvor hatten die Verhandlungsführer der Telekom und der Gewerkschaft ihren Streit über die Auslagerung von 50.000 Beschäftigten in Servicegesellschaften zum 1. Juli mit einem Kompromiss beigelegt. Neben der Reduzierung des Einkommensniveaus wird die Arbeitszeit in den neuen Gesellschaften um vier Stunden auf 38 Wochenstunden ohne Lohnausgleich verlängert. Der Samstag solle zu einem Kundendienst-Tag werden.

"Beide Seiten haben Federn gelassen"

Die Telekom hatte ursprünglich deutlich höhere Einbußen beim Einkommen verlangt, zunächst waren es 12 Prozent, dann 9 Prozent. Nun sollen die Einkommenseinbußen in den ersten 18 Monaten durch einen Ausgleichsfonds zu 100 Prozent abgefedert werden, berichtete Schröder. Diese Zahlungen sollen dann bis Ende 2010 schrittweise auf zwei Drittel abgesenkt und ab 2011 ganz entfallen.

"Die Gehälter der Beschäftigten sind gesichert", sagte er. Sie könnten darauf vertrauen, dass auf dem Weg in die neuen Gesellschaften kein Griff in ihre Geldbeutel erfolgt. Die 38-Stunden-Woche für die betroffenen Telekom-Mitarbeiter sei allerdings "sehr bitter". Insgesamt sprach Schröder von einem Kompromiss, "der gewiss nicht leicht fällt". Der Gewerkschafter bedankte sich zugleich bei den Streikenden. Sie hätten den Kompromiss erstritten und die Lösung möglich gemacht.

Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger begrüßte die Einigung, schränkte aber ein, bei einem Kompromiss gebe es nie strahlende Gewinner. "Beide Seiten haben Federn gelassen", sagte er. "Wir haben 50.000 Arbeitsplätze im Konzern gesichert und die Basis für Neueinstellungen geschaffen". Zugleich betonte der Manager, der erst Anfang Mai zur Telekom gekommen war, dass "der finanzielle Zielkorridor des Sparprogramms ordentlich getroffen" wurde. Die Telekom will durch den Umbau zwischen 500 und 900 Millionen Euro einsparen.

Börse reagiert erfreut

Börse reagiert erfreut

Neben der Kosteneinsparung ist das Ziel der Telekom, die Serviceleistungen wesentlich zu verbessern. Die Telekom hatte im Festnetzgeschäft allein im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Kunden verloren und will durch diese Maßnahmen den Wettbewerbern Paroli bieten. Der neue Kundentag am Samstag gehört zur serviceorientierten Flexibilisierung der Arbeitszeiten. So sollen Auftragsspitzen deutlich besser abgefedert werden.

Wie Schröder sagte, sei zwischen den Tarifpartnern außerdem verabredet worden, die ausgeweiteten Arbeitszeiten auch zur Qualifizierung der Mitarbeiter zu nutzen. Ferner verständigten sich beide Seiten auf eine sogenannte Beschäftigungsbrücke für Nachwuchskräfte, wodurch mehr als 4000 Neueinstellungen möglich würden. Dabei werden die Einstiegsgehälter um mehr als 30 Prozent auf 21.400 bis 23.200 Euro abgesenkt. "Wir haben aber verhindert, dass es auf Billiglohnniveau Neueinstellungen gibt", unterstrich Schröder.

Als "fast einmalig in Deutschland" bezeichnete Sattelberger die getroffenen Sicherungsregelungen für die Beschäftigten der T-Service-Gesellschaften. Der Kündigungsschutz wurde bis Ende 2012 ausgeweitet und betrage somit fünfeinhalb Jahre. "Das bietet unseren Beschäftigten eine wichtige Planungssicherheit für sie selbst und ihre Familien", sagte Sattelberger. Jetzt komme es darauf an, "dass wir durchstarten für den Kunden". Für die Serviceeinheiten solle ein Verkaufsschutz zunächst bis 2010 gelten.

Die Aktien der Deutschen Telekom haben am Mittwoch von der Einigung mit Verdi zum Konzernumbau profitiert. Die Anteile an dem Telekomunternehmen zählten gegen 12 Uhr mit plus 1,16 Prozent auf 13,92 Euro zu den Favoriten im Dax.

"Hauptsache der Streik ist vorbei - das schiebt die Aktien weiter nach oben", sagte ein Händler. "Die T-Service-Idee ist sinnvoll für die Telekom. Die Einigung ist somit positiv, erfüllt aber im Wesentlichen die Erwartungen seit der ersten Ankündigung im Oktober 2006", sagte JP-Morgen-Analyst Hannes Wittig. Allerdings sei es positiv für die Aktionäre, dass die Pläne der Telekom weitgehend durchgesetzt wurden und der Ex-Monopolist auch als hochprofitables Unternehmen die Lohnkosten weiter senken kann.

manager-magazin. de mit Material von ap und dpa