RTL/ProSiebenSat.1 Kartellamt filzt Werbeverkäufer

Das Bundeskartellamt hat die Werbezeitenverkäufer der TV-Konzerne ProSiebenSat.1 und RTL im Verdacht, kleine Sender aus dem Markt gedrängt zu haben. Razzien bei beiden Unternehmen sollten Belege für sogenannte "Share Deals" erbringen.

München/Hamburg - Büros der beiden Vermarkter IP (RTL) und SevenOne Media (ProSiebenSat.1 ) in Köln und München sind deshalb durchsucht worden. Das sagte eine Sprecherin des Kartellamts am Dienstag in Bonn und bestätigte damit einen Bericht von SPIEGEL ONLINE. Den Unternehmen drohen empfindliche Geldbußen, wenn sich der Verdacht der Wettbewerbshüter bestätigen sollte.

SevenOne teilte mit, der Razzia habe der Verdacht auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung sowie auf wettbewerbsbeschränkende Absprachen zu Grunde gelegen. ProSieben gehe aber davon aus, dass sich SevenOne nicht kartellrechtswidrig verhalten habe. Eine Sprecherin sagte, bei den Untersuchungen seien auch Unterlagen mitgenommen worden. Die Kartellwächter müssen diese nun auswerten. Auch IP bestätigte Durchsuchungen in der Firmenzentrale in Köln, wollte sich aber inhaltlich nicht dazu äußern.

Die Sprecherin des Kartellamts sagte, die Wettbewerbshüter gingen dem Verdacht nach, dass kleinere Sender durch Rabatte für die großen TV-Ketten aus dem Markt gedrängt werden sollten. Die großen TV-Gruppen vereinen derzeit etwa 90 Prozent des Werbemarktes auf sich.

Eine einfache Verdrängungsmethode

Im Visier haben die Wettbewerbshüter so genannte "Share Deals": Dabei räumen die Werbezeitvermarkter Mediaagenturen hohe Rabatte ein, wenn diese einen hohen Anteil der Werbezeiten an die beiden großen Sender geben. Dem Kartellamt lägen "Hinweise" über entsprechende Geschäfte vor. Kleinere Sender hätten dann kaum Chancen, an Werbung zu kommen. "Damit könnte der Marktzugang erschwert werden", betonte die Sprecherin.

Das fragwürdige Geschäftsgebaren zwischen Senderkonzernen und Mediaagenturen beschäftigt die Kartellwächter seit der so genannten Ruzicka-Affäre: Aleksander Ruzicka, der ehemalige Chef der Mediaagentur Aegis, soll sich über die von den Sendergruppen gewährten Rabatte bereichert haben und dabei zusammen mit anderen mehr als 30 Millionen Euro eingestrichen haben. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft, die Wiesbadener Staatsanwaltschaft will bald Anklage gegen ihn erheben.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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