Telekom/Verdi Vor dem Kompromiss

Am Samstag sollen nur noch 1000 Mitarbeiter der Deutschen Telekom streiken. Die Gewerkschaft Verdi will damit zeigen, dass die Verhandlungen auf einem guten Weg seien. Im Konflikt mit dem Management um den Konzernumbau steuern die Parteien jetzt auf einen Kompromiss zu.

Bad Neuenahr - Die Konturen des Puzzles seien erkennbar, allerdings noch nicht das Gesamtbild, sagte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder am Freitag in Bad Neuenahr. Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger betonte, dass er nach wie vor "verhalten optimistisch" sei. Zu den Inhalten der Gespräche machten weder Deutsche Telekom  noch Verdi Angaben. Die Tarifparteien wollen die Verhandlungen bis zum kommenden Dienstag abschließen.

Sattelberger wie auch Schröder sagten, dass noch viele Details zu klären seien. "In einigen Punkten sind wir noch weit voneinander entfernt", sagte Schröder, der auch im Aufsichtsrat der Telekom sitzt. Es gehe nun darum, das Beste für die von der Auslagerung betroffenen Mitarbeiter zu erreichen. Die Telekom will zum 1. Juli rund 50.000 Beschäftigte in den neuen Bereich T-Service verlagern, um die Kosten zu senken und die Servicequalität zu steigern. Verdi und Telekom hatten die Gespräche nach einem Monat Streik am vergangenen Mittwoch wieder aufgenommen. Sollten die Verhandlungen scheitern, will der Bonner Konzern die neue Gesellschaft ohne Zustimmung der Gewerkschaft gründen.

Als kritischer Punkt gilt die geplante Lohnkürzung für Beschäftigte, die in den Bereich T-Service ausgelagert werden sollen. Ihre ursprüngliche Forderung von einem Abschlag von 12 Prozent hatte die Telekom zunächst auf 9 Prozent gesenkt, sich dann aber offen gezeigt, auch darüber zu verhandeln. Im Gegenzug für einen Lohnverzicht bietet Sattelberger eine Erfolgsbeteiligung sowie zusätzliche Investitionen in die Weiterbildung der Mitarbeiter an.

Telekom stoppte Briefe an Kollegen

Mit dem Umbau will die Gesellschaft ihre Kosten um bis zu 900 Millionen Euro jährlich senken. Am Mittwoch soll voraussichtlich die Große Tarifkommission von Verdi über das Ergebnis der Gespräche beraten.

Eine Entspannung zeichnet sich bei den Streiks ab, die in den vergangenen fünf Wochen zu erheblichen Beeinträchtigungen bei der Telekom geführt haben. "Bundesweit legten am Freitag rund 10.000 Menschen die Arbeit nieder", sagte Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm. Der Umfang der Protestaktionen wurde damit gedrosselt, was Verdi mit dem positiven Verlauf der Verhandlungen begründete. So habe der Konzern auf die Versendung der Briefe verzichtet, in denen die Beschäftigten über die künftigen Tarifkonditionen bei T-Service informiert werden sollten.

Ungeachtet der Annäherung sollen die Protestaktionen aber am Wochenende fortgesetzt werden. "Am Samstag werden rund 1000 Mitarbeiter streiken und am Sonntag 400", sagte Wilhelm. In der kommenden Woche könnten die Streiks weiter zurückgefahren werden.

Mit einer Menschenkette hatten etwa 600 Hessen am Freitag gegen die geplante Auslagerung von Stellen bei der Telekom protestiert. In Kassel umringten Gewerkschaftsmitglieder das Telekom-Gebäude. Die Telekom-Beschäftigten legten an den neun hessischen Standorten auch am Freitag die Arbeit nieder.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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