Werbung via Sensor Der absolute Blickfang

Um die Wirkung von Reklame zu ermitteln, werden oftmals die Augenbewegungen von Probanden getestet. Diese Laborsituation könnte schon bald in das echte Leben übertragen werden: Via Infrarot sollen Plakate registrieren, wann und wie lange sie angesehen werden. Für die Werbebranche ergeben sich daraus gänzlich neue Möglichkeiten.

Hamburg - Wer schon einmal Menschen mit Blitzlicht fotografiert hat, kennt den lästigen Rote-Augen-Effekt, der auch die liebe Erbtante auf dem Bild wie einen unterzuckerten Vampir aussehen lässt. Die meisten Kameras verhindern das heute mit einem Infrarot-Vorblitz, der die Pupillen verkleinert und damit die Reflexion von der durchbluteten Netzhaut verringert.

Infrarotabtastung ist aber noch zu sehr viel mehr nütze. Vorausgesetzt, man verfeinert sie genügend. Genau das haben die Techniker eines kanadischen Startups namens Xuuk  getan - indem sie eine von Licht emittierenden Infrarot-Dioden umgebene Kamera entwickelten.

Diese nennt sich "Eyebox 2" und kann die Augenbewegungen von Betrachtern auf bis zu zehn Metern Entfernung erfassen und verfolgen. Immer dann, wenn die Kamera den Rote-Augen-Effekt wahrnimmt, weiß sie, dass gerade jemand die Augen auf sie richtet.

Für die Werbebranche ergeben sich daraus ganz neue Möglichkeiten: Wird die Eyebox in einer Schaufensterauslage oder an einer Werbetafel installiert, kann sehr genau gemessen werden, wie oft die Augen der Passanten sie abgetastet haben. Ähnlich der Auswertung von Onlineanzeigen, bei der Klicks gemessen werden, kann so das Interesse potenzieller Kunden an konkreten Werbemotiven exakt bestimmt werden.

Bisher waren vergleichbare Verfahren vor allem aus der Wahrnehmungsforschung bekannt, wo Probanden Motive durch Spezialbrillen betrachten, die Augenbewegungen genau aufzeichnen, um zu ermitteln, welche Bereiche der Betrachter besonders fokussiert.

Vision von Augen-Abtast-Messungen

Vision von Augen-Abtast-Messungen

In der freien Wildbahn ist dieses Verfahren zu umständlich - welcher Passant läuft schon mit verdrahteter Brille durch die Einkaufspassage. Mit der Eyebox ist dieses Problem nun offenbar gelöst. Augen-Abtast-Messungen im Alltag rücken in greifbare Nähe.

Xuuk-Chef Roel Vertegaal ist sich sicher: "Das wird den Bereich der digitalen Beschilderung revolutionieren, denn es schließt die Lücke in diesem Businessmodell. Bisher setzen wir den Kunden Anzeigen vor die Nase und wissen nicht einmal, ob sie sie überhaupt wahrnehmen", wird er vom Magazin Wired  zitiert. Jahrelang hat Vertegaal, der auch Direktor des Human Media Laboratory der Universität von Queens in Kanada ist, an der Entwicklung der Eyebox gearbeitet.

Möglichkeiten personalisierter Werbung

Sollten sich Vertegaals mit Bewegungssensoren gespickte Werbeobjekte durchsetzen, sollte die Eyebox irgendwann technisch in der Lage sein, auch mobile Ziele zu erfassen, sind die Tage personalisierter Werbung an jeder Straßenecke nicht mehr fern. Wie Tom Cruise in "Minority Report" könnte sich der potenzielle Kunde dann unablässig an digitalen Werbetafeln vorbeibewegen, deren Kameras ihn im Nu identifiziert haben. Per Biometrie-Scan könnte die Software sein Verhaltens- und Kaufprofil ermitteln und ihn beim Flanieren passgenau mit Werbung bombardieren.

Wenig verwunderlich, dass bei diesen Aussichten auch Google ins Spiel kommt: Bereits im Mai wurde das Eyebox-Projekt, das ab dem 1. Juli 2007 in den freien Verkauf geht, in den Google-Headquarters vorgestellt.

Technik-Unken, die in Blogs Big-Brother-Szenarien über die Eyebox posten, versucht Erfinder Vertegaal indes zu beschwichtigen: Zwar werde der Augenscanner in der Welt der Reklame eingesetzt, er sei aber eher eine Art hilfreicher Mauspfeil fürs Alltagsleben.

Schöne neue Welt. So oder so. Außer, man trägt eine Sonnenbrille.

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