Yahoo/Google Jetzt wird übersetzt

Um sich unbeschwert auf den bekannten Webseiten zu bewegen, müssen Internetnutzer in der Regel des Englischen mächtig sein. Doch der Trend heißt Lokalisierung: Yahoos Fotoplattform Flickr gibt es ab heute auch auf Deutsch. Google will diesem Beispiel offenbar mit dem Videoportal YouTube folgen.

Berlin - Sogenannte Mitmach-Plattformen des Web 2.0 sind derzeit in der Internetbranche ein begehrtes Mittel, um Nutzergemeinschaften an sich zu binden. Die User können ihre Inhalte hochladen und austauschen, um sie Freunden, Bekannten oder der ganzen Welt zu zeigen.

Für deutschsprachige Nutzer war bisher der Haken daran, dass sie zumindest ansatzweise Englisch sprechen mussten, um sich auf der Webseite zurechtzufinden und ihre Inhalte einzustellen. Da verwundert es kaum, dass die Internetkonzerne ihre Webseiten lokalisieren, also die Plattform übersetzen und die Inhalte an die jeweiligen Anforderungen des Landes anpassen.

So gerade geschehen bei dem Fotoportal Flickr: Von der Fototauschbörse, die vor gut zwei Jahren von dem Webkonzern Yahoo  gekauft wurde, wird heute eine deutsche Version im Internet veröffentlicht.

In Deutschland sei in wenigen Jahren eine der größten Nutzergemeinschaften von Flickr entstanden, kommentierte Terry von Bibra, Deutschland-Geschäftsführer von Yahoo, den Schritt. Deshalb sei es besonders hierzulande wichtig gewesen, eine lokalisierte Version der Plattform anzubieten.

Neben der deutschen Version kündigte Yahoo auch Flickr-Versionen in Französisch, Koreanisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch und Chinesisch an. Rund die Hälfte der Plattformnutzer kommt nach Angaben von Yahoo inzwischen aus nicht-englischsprachigen Ländern.

Die Anfang 2004 entwickelte Plattform Flickr wurde im März 2005 von dem Internetportalbetreiber übernommen. Die Gründer der Plattform arbeiten inzwischen auch in anderen Entwicklungsabteilungen von Yahoo, sagte Bibra.

Flickr ist nach eigenen Angaben mit 24 Millionen Nutzern eine der weltweit führenden Fotoplattformen im Internet. Insgesamt sind demnach mehr als 240 Millionen Bilder eingestellt. Eigene, auf die Plattform geladene Fotos lassen sich öffentlich oder auch in privaten Gruppen austauschen und gemeinsam anschauen.

Deutsche YouTube-Version in Planung

Deutsche YouTube-Version in Planung

Auch Google  plant Pressberichten zufolge eine europäische Version seines Videoportals YouTube. Google-Chef Eric Schmidt werde bereits diesen Monat in Paris Einzelheiten zu einer französischsprachigen Version von YouTube bekannt geben, berichteten die französische "Les Echos" und ihre Schwesterzeitung "Financial Times Deutschland".

In Großbritannien ist YouTube mit 12,7 Millionen Besuchern bereits Marktführer. Doch durch die verzögerte Einführung nationaler Versionen verzeichneten in Frankreich und Deutschland konkurrierende Videoportale in der jeweiligen Landessprache einen enormen Zulauf, heißt es in dem Bericht. In Deutschland kämpfe YouTube beispielsweise mit dem Konkurrenzportal MyVideo, das zu 30 Prozent ProSiebenSat.1  gehört, um die Marktführerschaft.

In den vergangenen Wochen hätten YouTube-Manager versucht, Vereinbarungen mit europäischen Fernsehsendern zu schließen, um über das Onlineportal nationale Fernsehprogramme ausstrahlen zu dürfen.

France Televisions, die dominierende Fernsehgesellschaft in Frankreich, soll bereits eingewilligt habe, dass YouTube Inhalte des Senders France 4 überträgt, hieß es.

Im März hatte Google eine ähnliche Vereinbarung mit dem britischen Fernsehsender BBC geschlossen. Auch an die Fernsehsender TF1 - TV Francaise 1, Canal+ und M6 sei YouTube herangetreten. Ihnen schlage das Videoportal vor, spezielle Kanäle einzurichten, mit denen man sich nach einem Testzeitraum wie in den USA die Werbeeinnahmen teilen würde.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx