BenQ Mobile Alles muss raus

Seit knapp vier Monaten stehen die Produktionsbänder bei BenQ Mobile still. Nun beginnt die Versteigerung des noch verbliebenen Inventars des insolventen Handyherstellers. Wer allerdings Schnäppchenpreise erwartet, wird enttäuscht.

Kamp-Lintfort - Für die Einwohner von Kamp-Lintfort war das in den vergangenen Monaten ein seltener Anblick: Menschen strömen am Dienstag in die ehemalige Produktionshalle des insolventen Handyherstellers BenQ Mobile.

Drei Tage lang wird die Halle noch einmal mit Leben erfüllt sein. Bei einer Versteigerung sollen bis Donnerstag rund 3000 Objekte des BenQ-Mobiliars unter den Hammer kommen, darunter auch mehrere Produktionsanlagen.

Im September vergangenen Jahres hatte der taiwanesische Mutterkonzern der deutschen Tochter den Geldhahn zugedreht. Die frühere Siemens-Handysparte musste daraufhin Insolvenz anmelden. Mit der Präsenzversteigerung geht der Ausverkauf bei dem Unternehmen in die nächste Runde.

Die ehemalige Produktionshalle ist bereits am Morgen gut gefüllt. Mit rund 600 Interessenten rechnen die Veranstalter. "Verkauft", ruft der Geschäftsführer des Auktionshauses Dechow, Jan Bröker, bereits kurz nach Auktionsbeginn zum ersten Mal. Das erste Objekt, ein Kipplift zum Transport von Paletten, hat für 220 Euro den Besitzer gewechselt.

"Die Computer sind zu alt"

Mitbieter Hans-Ulrich Wehr verspricht sich viel von der Auktion. Er will seine neue Firma mit Büroinventar des Handyherstellers ausstatten. Erst am Dienstagmorgen habe er im Radio von der Versteigerung gehört. Sofort habe er sich daraufhin auf den Weg gemacht. "Vor allem bei Schreibtischen und Stühlen möchte ich zuschlagen", sagt Wehr. Die Computer von BenQ  seien ihm hingegen zu veraltet.

"70, 80, bietet jemand mehr als 80? 90, 100", ruft Bröker und überschlägt sich fast beim Reden. Wieder fliegt eine Hand mit einem gelben Zettel in die Luft. "110, wer bietet mehr?", fragt Bröker in die Runde. Diesmal ist kein gelber Zettel mehr in der Luft zu sehen. "Zum ersten, zum zweiten und zum dritten, damit erhalten Sie diesen schönen Industriestaubsauger für 110 Euro", ruft Bröker dem Bieter zu.

Insgesamt sollen an diesem Tag rund 800 Objekte den Besitzer wechseln. "Heute haben wir vor allem Bürobedarf, aber auch Werkzeugmaschinen. Da ist für jeden etwas dabei", sagt Bröker. Die Versteigerungsliste für Mittwoch sei hingegen spezieller. "Hiermit wollen wir vor allem die Elektroindustrie ansprechen", betont der Dechow-Geschäftsführer.

Nach knapp zwei Stunden zieht Holger Reichmann, der die Auktion mit leitet, eine erste Bilanz. "Wir sind zufrieden, die Kunden spielen mit", sagt der Auktionator. Die Ausrufwerte würden von den Bietern akzeptiert. "Das heißt, dass wir mehr einnehmen, als wir veranschlagt hatten", erläutert Reichmann. Zu den angestrebten Umsätzen für den Tag will er jedoch keine Aussage machen. "Auch das Ergebnis werden wir nur dem Insolvenzverwalter mitteilen", sagt Reichmann.

Hans-Ulrich Wehr ist inzwischen ein wenig frustriert. "Für diese Preise bekomme ich es auch neu", ist der Mann überzeugt. Aufgeben will er jedoch noch nicht. Vielleicht ist doch noch ein Schnäppchen für ihn dabei.

Tonia Haag, ddp