Deutsche Telekom Streik-Ende in Sicht

Im Streit um den geplanten Stellenumbau bei der Deutschen Telekom will die Gewerkschaft Verdi bis spätestens Mittwoch über die neuen Vorschläge des Konzerns entscheiden. Die Telekom signalisiert Verhandlungsbereitschaft - vielleicht auch deshalb, weil die Angaben zu Vergleichsgehältern in anderen Unternehmen offenbar falsch sind.

Bonn - "Am Montag finden interne Gespräche statt und am Dienstag wird die Große Tarifkommission über die Vorschläge informiert", sagte Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm. Das Gremium entscheide dann, ob die Verhandlungen mit der Deutschen Telekom  über die Auslagerung von rund 50.000 Mitarbeitern in den Bereich T- Service wieder aufgenommen werden oder nicht.

Telekom-Personalchef Thomas Sattelberger hatte ein verbessertes Angebot mit einem Erfolgsbonus für die Mitarbeiter sowie hohe Investitionen in die Weiterbildung der Beschäftigten in Aussicht gestellt. Die Erfolgsbeteiligung "in einem hohen zweistelligen Millionenbetrag" könnte im Jahr 2011 zur Auszahlung kommen.

Verdi hatte das Angebot kritisiert. "Die Mitarbeiter sollen ihren Bonus durch einen langjährigen Gehaltsverzicht also selbst ansparen. Das wird die Belegschaft weiter verunsichern", sagte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder dem Nachrichtenmagazin "Focus". Dieser Ansatz erleichtere nicht die Suche nach einer Lösung.

Als Knackpunkt gelten zudem die geplanten Lohnkürzungen, über deren Höhe sich Sattelberger aber verhandlungsbereit zeigt. Ein Telekom-Sprecher äußerte sich zuversichtlich: "Wir sind grundsätzlich weiter optimistisch".

Wissentlich mit falschen Zahlen operiert?

Streikleiter Wilhelm wehrte sich unterdessen gegen Äußerungen der Telekom-Verantwortlichen, wonach andere Telekommunikationsunternehmen ihren Mitarbeitern deutlich weniger zahlen als der frühere Monopolist. Die Zahlen seien nicht ohne weiteres vergleichbar, sagte Wilhelm. Auch das ARD-Politmagazin "Kontraste" berichtete, der Bonner Konzern operiere wissentlich mit falschen Zahlen, um die Lohnkürzungen zu rechtfertigen.

Die informellen Gespräche zwischen der Gewerkschaft und der Telekom waren am Wochenende fortgesetzt worden. DGB-Chef Michael Sommer hatte den Bonner Konzern zum Einlenken aufgefordert. Das Unternehmen könne die Krise nur gemeinsam mit den Beschäftigten meistern, nicht mit Leuten "die man einschüchtert und demotiviert", sagte er im Deutschlandfunk.

Die bundesweiten Streiks dauern nunmehr seit fünf Wochen an. An diesen Montag wollen Verdi zufolge erneut rund 14.000 Telekom-Mitarbeiter streiken. DGB-Chef Sommer betonte, die Gewerkschaft könne den Streik wenn nötig lange durchhalten. Es gehe darum, den Arbeitskampf an einem Punkt zu Ende zu bringen, der die Beschäftigten zufrieden stellt. Die Telekom-Führung sollte nicht weiter Öl ins Feuer gießen, sondern wirklich nach Lösungsvorschlägen suchen.

Die Telekom hat bereits gedroht, T-Service notfalls auch ohne die Zustimmung der Gewerkschaft zum 1. Juli zu gründen. Dort sollen die Mitarbeiter nach den ursprünglichen Planungen der Telekom vier Stunden in der Woche länger arbeiten und 9 Prozent weniger verdienen. Die Tarifparteien hatten in fünf Verhandlungsrunden vergeblich einen Kompromiss gesucht, woraufhin Verdi die Mitarbeiter zum Streik aufrief. Der Arbeitskampf hat den Betriebsablauf des Bonner Unternehmens bereits erheblich gestört.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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