Virtual Earth New York in 3D

Auf seiner digitalen Landkarte Virtual Earth hat Microsoft inzwischen auch die Mega-City New York eingezeichnet. Wem momentan die Zeit oder das Geld für einen Trip zum "Big Apple" fehlt, kann jetzt kostenlos durch die dreidimensionale Kopie der Großstadt streifen.

Hamburg - Erst Miami und Las Vegas, jetzt "the Big Apple": New York ist auch dreidimensional in Microsofts Virtual Earth begehbar. Das wurde auch Zeit, mag man denken, schließlich bietet sich kaum eine andere Großstadt so sehr als virtuelles Reiseziel an wie die von Wolkenkratzern beherrschte Großstadt am Hudson-River.

Doch Microsofts Präferenz dürfte vor allem praktische Gründe haben: Denn obwohl New York riesengroß ist, wird meist nur der Stadtteil Manhattan wahrgenommen. Also musste man sich bei der 3D-Gestaltung auch nur bei jener langgestreckten Insel im Zentrum der Stadt wirklich Mühe geben. Hinzu kommt, dass große Teile Manhattans aus Wolkenkratzern bestehen. Die wiederum sind in einer virtuellen Welt wie der von Virtual Earth besonders leicht nachzubauen, kann man sie doch aus wenigen einfachen Grundformen zusammensetzen. Mit Städten wie Rom oder Berlin, die überwiegend aus kleineren, individuell gestalteten Gebäuden bestehen, wäre das erheblich aufwendiger.

Gebäude aus dem Automaten

Das kommt vor allem dem von Microsoft  verwendeten System zugute, welches die Gebäude nicht Stück für Stück von Hand nachbauen, sondern halbautomatisch konstruieren lässt. Dazu werden die jeweiligen Städte von Spezialflugzeugen überflogen, die die Gebäude aus verschiedenen Richtungen und Winkeln fotografieren. Aus dem so gewonnenen Bildmaterial errechnet eine Software die Gestalt der Gebäude und erstellt ein 3D-Modell. Richtig gut funktioniert diese Methode allerdings nur bei Gebäuden, die einfachen geometrischen Formen folgen, so wie in New York.

Als Textur werden diese Gebäudemodelle mit Fotos ihrer großen Vorbilder überzogen. Das sieht ziemlich realitätsnah aus, solange man nicht allzu nah an die Pixel-Oberflächen heran zoomt. Bei einem ersten Test zeigte sich allerdings vor allem, dass es auch bei schnellen DSL-Verbindungen zum Teil recht lange dauert, bis alle Texturen einer Ansicht vom Microsoft-Server übertragen werden. Offenbar geht die Software dabei nach festgelegten Prioritäten vor und lädt zuerst die Oberflächen der Gebäude im Vordergrund, während die Texturen weiter entfernter Häuser erst deutlich später in den Speicher geladen werden.

Geld statt Community

Geld statt Community

Gegenüber Google Earth hat Microsofts Virtual Earth, zumindest in den bereits fertiggestellten Gebieten, in Sachen 3D ganz klar die Nase vorn. Damit könnte sich Microsofts Strategie auszahlen. Der Windows-Konzern setzt darauf, die 3D-Gestaltung seiner virtuellen Erde aus eigener Tasche zu bezahlen. Zur Refinanzierung sollen in den räumlich gestalteten Arealen künftig Werbeplakate aufgestellt werden, von denen bisher freilich kaum etwas zu sehen ist.

Google hingegen will die Fleißarbeit in erster Linie den Anwendern überlassen, denen zu diesem Zweck eine einfache 3D-Software kostenlos zur Verfügung gestellt wird - bisher allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Dennoch hat Googles Nachbau unseres Heimatplaneten einige Vorzüge gegenüber dem Microsoft-Modell zu bieten. Die liegen vor allem in der Community begründet, die Google Earth unablässig mit Zusatzinformationen füttert, seien es Hinweise auf touristische Attraktionen oder Informationen über globale Brennpunkte. Hier fehlt es Virtual Earth noch an vergleichbaren Inhalten.

Als unterhaltsame Vorbereitung auf einen New-York-Besuch ist Microsofts 3D-Version der Stadt, die niemals schläft, aber auf jeden Fall empfehlenswert. Denn Zusatzinformationen, die bei der Planung einer Stippvisite hilfreich sein können, gibt es auch hier. Und wer sich den Trip aktuell nicht leisten kann, bekommt so zumindest die Möglichkeit, sich aus der Superman-Perspektive einen Eindruck von der Stadt zu verschaffen.

Die Installation setzt laut Microsoft den Internet Explorer in der Version 6 oder 7 voraus. Außerdem sind Windows XP mit Service Pack 2, Windows Server 2003, oder Windows Vista, vor allem aber eine 3D-Grafikkarte mit mindestens 32 Megabyte Speicher vonnöten.