Motorola 4000 weitere Stellen fallen weg

Die Motorola-Mitarbeiter erreicht in diesem Jahr eine Hiobsbotschaft nach der anderen: Der angeschlagene amerikanische Handyhersteller gab erneut Stellenstreichungen bekannt. Die Sparmaßnahmen des Konzerns wirken sich offenbar auch auf den Kampf um Marktanteile mit Branchenprimus Nokia aus.

Schaumburg/London - Der US-Handyhersteller Motorola  forciert sein Stellenabbauprogramm, um aus den roten Zahlen zu kommen. Wie das Unternehmen mitteilte, werden 4000 zusätzliche Jobs gestrichen, sodass im laufenden Jahr insgesamt 7500 Arbeitsplätze wegfallen. Motorola hatte erst im Januar den Abbau von 3500 Stellen im Rahmen eines Programms angekündigt, mit dem 400 Millionen Dollar eingespart werden sollen. Diese sollen planmäßig bis 30. Juni gestrichen werden, hieß es.

Das Management begründete die Maßnahme mit einem höheren Bedarf an Einsparungen im operativen Geschäft. Die Ausgaben sollen bis Ende 2008 nun um eine Milliarde Dollar reduziert werden. Die Gewinnmargen will man dadurch nach oben treiben. "Langfristige, nachhaltige Profitabilität hat und hatte bei Motorola immer oberste Priorität", sagte Finanzchef Tom Meredith. Das Unternehmen erwartet im Zusammenhang mit den angekündigten Sparmaßnahmen zusätzliche Restrukturierungsbelastungen von 300 Millionen Dollar oder rund acht Cent je Aktie. Sie stehen vor allem im Zusammenhang mit dem Stellenabbau und dürften im weiteren Verlauf dieses Jahres anfallen.

Welche Standorte von dem nun bekannt gegebenen Stellenabbau betroffen sind, gab das Unternehmen nicht bekannt. Vor einigen Wochen hatte der Konzern bereits angekündigt, sein Werk in Flensburg zu schließen, womit dort mindestens 230 Arbeitsplätze wegfallen würden. Motorola-Deutschland-Chef Ralf Gerbershagen begründete dies mit der Verlagerung der Fertigung von UMTS-Geräten nach Asien. Damals gingen mehrere Hundert Beschäftigte auf die Straße und protestierten gegen die geplanten Entlassungen.

Marktanteile an Sony Ericsson und Nokia abgegeben

Der Konzern leidet unter dem Preiskampf mit Branchenführer Nokia  und anderen Konkurrenten. Am Jahresanfang rutschte das Unternehmen zum ersten Mal seit 2004 in die roten Zahlen. Besonders in Europa und den Schwellenländern war der Absatz schlecht. Das Unternehmen soll nun strikt auf Rentabilität ausgerichtet werden, wobei der Konzern nicht mehr um jeden Preis Marktanteile gewinnen will.

Diese Strategie macht sich bereits in den Absatzzahlen bemerkbar. Die Handyhersteller Nokia und Sony Ericsson bauten in der Berichtszeit ihre Marktanteile zulasten von Motorola aus. Marktführer Nokia festigte laut dem Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner seine Position im ersten Quartal mit nahezu 92 Millionen verkauften Geräten. Der Marktanteil des finnischen Handyherstellers stieg damit um knapp 2 Prozent auf 35,7 Prozent. Mit einem Absatz von 21,7 Millionen Mobiltelefonen und einem Marktanteil von 8,4 Prozent (5,8 Prozent im Vorjahr) machte auch Sony Ericsson Boden gut.

Hingegen ist Gartner zufolge der Marktanteil von Motorola auf 18,5 Prozent von 20,3 Prozent im Vorjahr gesunken. Motorola stehe vor der Herausforderung, das Modell Razr2 ebenso erfolgreich zu machen wie den Vorgänger, analysiert Gartner-Research-Director Carolina Milanesi.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, dow jones und reuters

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