Freenet Aufmüpfiger Investor

Gerade einmal seit zwei Monaten ist die Fusion von Freenet und Mobilcom perfekt. Und erst seit einer Woche ist Finanzinvestor Florian Homm an der neuen Freenet AG beteiligt. Doch schon sorgt der umstrittene Manager für Aufsehen: Homm will den Konzern wieder aufspalten.

Frankfurt am Main/Hamburg - "Wir streben eine Optimierungsstrategie bei Freenet  an", sagte der Hedgefonds-Manager Florian Homm. Jeder Teilbereich für sich sei interessant. Für die beiden Kernbereiche Internet und Mobilfunk gebe es seiner Ansicht nach in Europa mindestens drei bis fünf Kaufinteressenten. Als weitere Möglichkeit zur Wertsteigerung sieht der umstrittene Investor auch einen Komplettverkauf des Unternehmens.

Homm geht davon aus, dass das Management noch vor der Sommerpause eine Entscheidung fällt, welche Strategie verfolgt wird. "Ich denke, das Ganze wird im Juni oder Juli ein Thema."

Der Finanzinvestor hält seit Kurzem mehr als 3 Prozent an Freenet und hat angekündigt, seinen Anteil auf mehr als 5 Prozent aufzustocken. Homm war zuletzt beim Reisekonzern Tui eingestiegen und hatte auch beim börsennotierten Fußballclub Borussia Dortmund  Schlagzeilen gemacht. Er gilt als Investor, der sich ins operative Geschäft einmischt.

Freenet-Chef Eckhard Spoerr ist von Homms Vorschlag alles andere als begeistert. "Eine Zerschlagung wäre nicht angebracht", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Wir brauchen etwas Zeit, bis man den strategischen Vorteil der Fusion erkennen wird." Der Vorstand wolle das Gespräch mit Homm suchen, um ihm die Strategie zu erläutern.

Gutes Geschäft für TPG

Spoerr verwies zudem darauf, dass der neue Hauptaktionär Vatas die Geschäftsidee von Freenet unterstütze. Die Berliner Beteiligungsgesellschaft, die unter anderem von dem einstigen Vorzeige-Jungunternehmer Lars Windhorst geleitet wird, hatte vor kurzem das knapp 19-prozentige Aktienpaket des Finanzinvestors Texas Pacific Group (TPG)  übernommen. Dabei hatte die Gesellschaft erklärt, sei sei vom Wachstumspotenzial des mobilen Internet überzeugt.

Der Ausstieg von TPG kam überraschenderweise kurz vor einer bereits avisierten Sonderausschüttung. Das Geld soll allerdings in die Preisfindung für den Freenet-Anteil mit eingeflossen sein. Der Finanzinvestor hatte im Mai 2005 rund 265 Millionen Euro für das damalige Aktienpaket von Mobilcom gezahlt und soll nun rund 426 Millionen Euro von Vatas erhalten haben.

TPG verlässt den Aufsichtsrat

TPG verlässt den Aufsichtsrat

Wie bereits vermutet hat sich TPG nun auch aus dem Aufsichtsrat von Freenet zurückgezogen. Die drei entsandten TPG-Mitglieder hätten ihre Ämter niedergelegt, bestätigten beide Unternehmen am Donnerstag vorherige Angaben aus Kreisen. Neben TPG-Partner Andrew Dechet saßen für den früheren Großaktionär Gerhard Konrad Schmidt und Bastian Lueken in dem Gremium der Gesellschaft.

Nach Informationen der Finanznachrichtenagentur dpa-afx wurden bei einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch bereits Nachfolger berufen. Unter anderem ziehe Richard Roy in das Gremium ein, der bereits Aufsichtsratschef des Handyausrüsters Balda  ist. Zudem sollen der Kaufmann Thorsten Kraemer und der Bonner Rechtsanwalt Dieter Leuering berufen werden. Der andere Großaktionär, Mobilcom-Konkurrent Drillisch , wurde bei der Neubesetzung des Aufsichtsrats nicht wie gefordert berücksichtigt.

Die Freenet-Sprecherin Elke Rüther wollte die Namen gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren. An der Position, dass Freenet keine Wettbewerber wie Drillisch im Aufsichtsrat haben wolle, habe sich aber nichts geändert, so Rüther.

5,50 Euro Sonderdividende

Freenet und deren frühere Muttergesellschaft Mobilcom hatten Anfang März nach monatelanger Hängepartie ihre Fusion vollzogen. Wegen langwieriger Rechtsstreitigkeiten mit Aktionären, die gegen den Zusammenschluss klagten, kam das Unternehmen bei angestrebten Zukäufen nicht zu Zuge.

Die angesammelte Liquidität soll nun, wie bereits angekündigt, ausgeschüttet werden. Der Aufsichtsrat beschloss, den Eignern 5,50 Euro Sonderdividende je Aktie vorzuschlagen. Hinzukommen soll eine reguläre Dividende von 50 Cent. Damit fließen den Aktionären sechs Euro je Anteilschein zu. Über die Ausschüttung sollen die Aktionäre auf ihrer Hauptversammlung in der zweiten Juli-Hälfte entscheiden. Freenet verfügte Ende 2006 über liquide Mittel von 538 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters