CBS 280 Millionen Dollar für ein Internetradio

Die Internet-Musikplattform Last.fm gilt als eines der am schnellsten wachsenden Onlinenetzwerke in Europa. Wie viele andere Web-2.0-Unternehmen hat auch Last.fm das Interesse eines großen Medienunternehmens geweckt: Der US-Konzern CBS will das kleine Start-up für satte 280 Millionen Dollar kaufen.

New York/London - Die Internet-Musikplattform Last.fm auf der sich Nutzer über ihren Musikgeschmack austauschen können, wird für 280 Millionen Dollar (gut 208 Millionen Euro) vom US-Medienriesen CBS gekauft. Das teilten die beiden Unternehmen am Mittwoch mit. Die Summe kann unter bestimmten Bedingungen auch auf 320 Millionen Dollar steigen.

Das in London angesiedelte Internet-Unternehmen hat nach eigenen Angaben 20 Millionen Nutzer in mehr als 200 Ländern. Basis von Last.fm sind automatisch erstellte Listen der Musikstücke, die von registrierten Nutzern auf ihren Computer gehört werden. Daraus werden zum Beispiel Internetradio-Angebote für Hörer mit ähnlichem Musikgeschmack zusammengestellt. Außerdem bietet Last.fm die Möglichkeit, einzelne Titel oder Alben bei Vertriebspartnern zu kaufen.

Mitbegründer Martin Sticksel sagte, mit CBS habe es eine Übereinstimmung der Visionen gegeben, unter anderem was die weitere Entwicklung des Musikdienstes betrifft. In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Anfragen von Kaufinteressenten gegeben.

Keine Gewinne

Wie viele Internetunternehmen hat auch Last.fm bisher kein Geld verdient. Man sei zwar bereits nahe an der Gewinnzone gewesen, nach dem Einstieg eines neuen Investors habe man aber den Fokus auf Wachstum statt Profitabilität gelegt, sagte Last.fm-Investor und Manager Stefan Glänzer. Man verdoppele die Nutzerzahl alle fünf Monate. Pro Monat würden derzeit 550 Millionen von den Nutzern abgespielte Musiktitel in der Last.fm-Datenbank erfasst.

Last.fm war 2002 vom Österreicher Sticksel, dem Deutschen Felix Miller und dem Briten Richard Jones gegründet worden. Das Team solle das Onlinenetzwerk auch nach der Übernahme durch CBS weiterführen, hieß es. Erklärtes Ziel der Plattform ist es, alle bisher veröffentlichten Musikstücke zu erfassen. Lizenzvereinbarungen gibt es bisher mit den Musikriesen Warner Music  und EMI  sowie mit unabhängigen Plattenfirmen.

Einnahmequellen für Last.fm sind Provisionen aus dem Verkauf von Musik bei den Partnern sowie Internetwerbung. Getestet werde auch ein Abo-Modell. CBS-Chef Leslie Moonves betonte, die Mitgliederstruktur von Last.fm trage perfekt zum Ziel der CBS bei, "eine jüngere Zielgruppe für unsere Medienangebote zu gewinnen".

manager-magazin.de mit Material von dpa