EM-Übertragungsrechte Spiel auf Zeit

So knapp war es noch nie: Rund ein Jahr vor dem ersten Anpfiff bei der Fußball-Europameisterschaft ist immer noch unklar, welche TV-Sender hierzulande die Begegnungen übertragen werden. Der UEFA und dem Rechtevermarkter Sportfive sind die bisherigen Gebote zu niedrig, sie setzen auf den Faktor Zeit.

Hannover - Für die TV- Sender, die normalerweise mindestens zwei Jahre vorher mit der detaillierten Planung für den Fußballwettbewerb beginnen, wächst der Zeitdruck mit jedem Tag. "Es ist fünf vor zwölf", sagt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Doch die Europäische Fußball-Union UEFA und die mit den Verhandlungen beauftragte Agentur Sportfive wählen die riskante Variante und spielen weiter auf Zeit.

Großveranstaltungen wie die EM werden langfristig vermarktet und geplant. Die TV-Rechte der Fußball-Weltmeisterschaften 2010 und 2014 sind für den deutschen Markt längst vergeben, doch bei der Euro 2008 gibt es keinen Verhandlungsfortschritt. "Die Gespräche über die Rechtevergabe laufen weiter. Unbestritten ist jedoch, dass uns die Zeit langsam davon läuft", erklärt ARD-Sprecher Peter Meyer.

"In den nächsten zwei Monaten muss das erledigt werden", sagt Brender. "Wenn es später wird, dann wird es für jeden Sender sehr schwer. Das muss dem Rechteinhaber bewusst sein." Vor allem Leitungen, Studios und Hotels müssen langfristig gebucht werden. ARD-Mann Meyer erklärt: "Ein solches Ereignis muss lange vorher produktionstechnisch, programmlich und logistisch sauber vorbereitet werden. Normalerweise ist das rund ein Jahr vor dem Ereignis selbst bereits auf gutem Wege."

TV-Rechte für 160 Millionen Euro

Der Knackpunkt ist natürlich das Geld. Geschätzte 160 Millionen Euro sollen aus den gesamten TV-Rechten in Deutschland erlöst werden. Das können weder die beiden öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, die zusammen über die Agentur SportA verhandeln, noch private Fernsehanstalten wie RTL bezahlen. "Die Finanzen sind sicher das Hauptthema", sagt Brender. "Wenn unsere Vorstellungen akzeptiert würden, könnten wir sofort abschließen."

Vom Pay-TV ist nicht viel Geld zu erwarten, weil sich ein Turnier wie die EM wegen mangelnder Exklusivrechte nicht lohnt. Die Spiele der - noch nicht qualifizierten - deutschen Mannschaft dürften nicht ausschließlich bei Premiere  oder Arena gezeigt werden, sondern müssten im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein.

"Eine der Hauptvertragsbedingungen ist, dass der Großteil der Übertragungen im Free-TV stattfindet", hatte die UEFA im Februar 2005 bei Vertragsabschluss mit dem Vermarkter Sportfive verkündet. Aus diesem Grund ist Premiere schon vor längerer Zeit aus den Verhandlungen ausgestiegen. Bundesliga-Sender Arena dürfte höchstens aus Imagegründen und nur bei einem sehr günstigen Angebot zuschlagen.

Michael Rossmann, dpa