Klarmobil Angriffslustige Schwester

Mobilfunkdiscounter bieten günstigere Tarife als T-Mobile und Co., verfügen dafür aber nur über eine eingeschränkte Angebotspalette. Die Freenet-Tochter Klarmobil will das nun ändern - zum Leidwesen ihrer Schwester Mobilcom.

Hamburg - Als Simyo im Sommer 2005 als erster Mobilfunkdiscounter an den Start ging, wurde die Branche komplett durcheinandergewirbelt. Die Billigmarke des Netzbetreibers E-Plus löste einen noch nie da gewesenen Preissturz auf dem Markt aus, der den etablierten Anbietern bis heute zu schaffen macht.

Mit der Einführung von Simyo wagte die hiesige Nummer drei einen gefährlichen Selbstversuch: Einerseits würde der Konzern seine eigene Marke torpedieren, andererseits waren die Chancen hoch, über den Discounter neue Kunden zu gewinnen. Doch der Spagat gelang und die neue Strategie zahlte sich für E-Plus letztendlich aus.

Nun will die aus der Fusion von Freenet und Mobilcom entstandene Freenet AG  die nächste Revolution auf dem Mobilfunkmarkt einläuten: Die Billigmarke Klarmobil soll als erster Anbieter alle Mobilfunkprodukte zum Discountpreis verkaufen.

Flatrate vom Discounter

Bisher haben sich die Discounter auf einige wenige Produkte spezialisiert. Simyo beispielsweise bietet ebenso wie die Drillisch-Tochter Simply zwar einen Prepaid-Tarif an, dafür haben die Kunden aber keine Möglichkeit, für einen monatlichen Pauschalpreis unbegrenzt zu telefonieren. Bei dem Talkline-Ableger Callmobile - die ehemalige Easymobile - und dem Hamburger Unternehmen Blau fehlt dagegen die Möglichkeit, gleichzeitig mit dem Vertrag auch Mobiltelefone zu erwerben.

Klarmobil will diesen Nachteil der Discounter nun beseitigen. Die Freenet-Tochter wird ab diesem Sommer neben den bisherigen Postpaid-Tarifen und subventionierten Handys auch eine Flatrate sowie einen Datentarif für das mobile Surfen anbieten. "Klarmobil wird der erste Komplettanbieter des deutschen Mobilfunkdiscounts", so Geschäftsführer Hartmut Herrmann im Gespräch mit manager-magazin.de. Die Preise für die neuen Produkte stehen allerdings noch nicht fest.

Simyo im Visier

Simyo im Visier

Mit dem Vorstoß will das Büdelsdorfer Unternehmen seinen Abstand zu Marktführer Simyo verkleinern. Die E-Plus-Tochter konnte sich durch ihren frühen Marktstart einen erheblichen Vorsprung in Bezug auf die Kundenzahl verschaffen, von dem die Wettbewerber weit entfernt sind. In Branchenkreisen heißt es, Simyo zähle bereits eine knappe Million aktive Kunden. Klarmobil und die anderen Discounter sollen es noch nicht einmal auf die Hälfte davon gebracht haben.

Die Freenet-Tochter verfügt allerdings über einen anderen, nicht zu unterschätzenden Vorteil: Mit ihrer Postpaid-Strategie sichert sie sich eine deutlich zahlungskräftigere Klientel. Kunden, die jeweils nur ein vorher einbezahltes Guthaben abtelefonieren, bringen den Unternehmen erfahrungsgemäß wenige Umsätze - sie wollen einfach nur erreichbar sein, telefonieren selbst aber kaum.

Anders sieht es bei Tarifen aus, bei denen der Kunde erst im Nachhinein seine Gespräche bezahlen muss. Hier lässt sich im Durchschnitt ein deutlich höherer Umsatz pro Kunde (Average Revenue per User, Arpu) generieren. So ist es auch leicht vorstellbar, dass Klarmobil Insidern zufolge einen vier Mal höheren Arpu erzielen soll als Simyo.

Geringe Begeisterung bei Mobilcom

Die Wachstumschancen stehen deshalb nicht schlecht für die Freenet-Tochter. Hinzu kommt, dass sich der Anteil der Discounter am gesamten Mobilfunkmarkt von jetzt 5 bis 6 Prozent auf 20 bis 30 Prozent erhöhen soll. "Allein bis zum Jahresende wird sich der Marktanteil der Discounter im Vergleich zu 2006 verdoppelt haben", prognostiziert Klarmobil-Geschäftsführer Herrmann.

Weniger begeistert von den neuen Plänen wird deshalb wohl die Klarmobil-Schwester Mobilcom sein. Der Mobilfunkanbieter gehört zu der Gruppe der Serviceprovider, die über ihr riesiges Filialnetz Produkte der vier Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone D2, E-Plus und O2 vertreiben.

Mit der Produktausweitung von Klarmobil steigt der Druck auf das Schwesterunternehmen. Ebenso wie Mobilcom wll Klarmobil künftig alle Mobilfunkprodukte anbieten, durch den Verzicht auf die teure Vertriebsstruktur allerdings zu deutlich geringeren Preisen. Hinzu kommt, dass Handytarife ebenso wie viele andere Produkte zunehmend im Internet gehandelt werden.

Freenet-Chef Eckhard Spoerr hält bisher unbeirrt an der Marke Mobilcom fest. Nach der Strategieänderung von Klarmobil wird es über kurz oder lang jedoch fraglich sein, ob sich Provider wie Mobilcom mit ihren teuren Tarifen weiter am Markt behaupten können. Branchenkenner bezweifeln dies jedenfalls.