Neue W-Lan-Technik Generation N

Was früher großen Unternehmen vorbehalten war, ist längst in den Privathaushalten angekommen: die Funktechnologie W-Lan. Allerdings zieht sich die Verabschiedung des neuen Standards IEEE 802.11n hin. Wer jetzt auf die neue Technik umsteigen will, sollte daher einige Punkte beachten.

Berlin/Stuttgart - In Notebooks werden W-Lan-Funkmodule inzwischen als Grundausstattung verbaut. Sie beherrschen in der Regel die Standards b und g. Zum Surfen reichen sie mit Geschwindigkeiten von maximal elf und 54 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) allemal. Nachrüsten lässt sich W-Lan beim Notebook über einen PC-Card- oder USB-Adapter, manchmal auch per Mini-PCI-Karte. Wer auch den Desktop-PC drahtlos ans Netz bringen will, braucht eine PCI-W-Lan-Karte oder einen USB-Adapter.

Der noch in der Entwicklung befindliche neue n-Standard mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 Mbit/s wird vor allem Nutzer interessieren, die über das Netzwerk große Datenmengen verschieben oder Videostreams ansehen wollen. Obwohl der neue Standard vielleicht erst 2008 verabschiedet wird, segeln schon zahlreiche neue Geräte unter der n-Flagge. Hier ist Vorsicht geboten, weil in den Chips bislang nur sogenannte Drafts stecken, also Entwürfe des n-Standards. "Beim Kauf muss klar sein, dass über ein Firmware-Update nachgerüstet werden kann", rät Peter Knaack, Technikexperte bei der Stiftung Warentest.

Neben neuer Firmware wollen Hersteller notfalls auch einen Austausch der Hardware anbieten, um die Kompatibilität ihrer Produkte nach der offiziellen Verabschiedung des n-Standards zu gewährleisten. Asus zum Beispiel gibt eine Aufrüst- oder Austauschgarantie für seine bereits als n-fähig verkauften Geräte. "Das Upgrade-Programm beginnt, sobald der endgültige 802.11n-Standard ratifiziert worden ist", heißt es bei dem taiwanesischen Hersteller mit Deutschland-Sitz in Ratingen. Apple  hat nach eigenen Angaben viele seiner Notebooks bereits für den n-Standard vorbereitet. Er muss aber vom Nutzer zu einem selbst bestimmten Zeitpunkt mit einem Update aktiviert werden.

Ohne ein solches Aufrüsten kann es später Abstimmungsprobleme geben, wenn Geräte unterschiedlicher Hersteller zusammenarbeiten sollen. "Es gibt bereits eine Reihe von proprietären Lösungen, die sich nicht ändern lassen", sagt Knaack. Einer dieser Quasi-Standards ist g+ mit einer Geschwindigkeit von bis zu 108 Mbit/s. Er funktioniert aber nur, wenn W-Lan-Sender und -Empfänger vom selben Hersteller kommen. Werden Geräte anderer Hersteller ins Netz eingebunden, muss auf g- oder b-Geschwindigkeit geschaltet werden. Ein sogenannter Mischbetrieb von b- und g-Geräten ist nicht zu empfehlen, weil die maximale Geschwindigkeit dann auf zwei Mbit/s sinkt.

Die Spreu vom Weizen trennen

Die Spreu vom Weizen trennen

Neben einem Empfängeradapter braucht der Nutzer für ein W-Lan nach dem n-Standard auch eine passende Sendestation. Im Handel sind fast nur noch sogenannte Router erhältlich, die Modem, Access-Point und Netzwerk-Switch in einem Gerät vereinen. Für den n-Standard vorbereitete Router sind leicht an ihren drei Antennen zu erkennen. Dieses Mehrantennenverfahren namens MIMO (Multiple Input Multiple Output) ist Teil des neuen Standards und soll Datenrate und Reichweite erhöhen. "Das ist eine gute Sache: Die Verbindung ist besser und insbesondere der Datendurchsatz an der Reichweitengrenze steigt signifikant", sagt Knaack.

Dabei sollten Kunden nicht nur auf die entsprechende Sende- und Empfangsleistung des Routers achten - die Spreu vom Weizen trennt sich vielmehr bei der Gerätesoftware, die in der Regel über den Browser eingestellt wird. "Die signifikantesten Unterschiede betreffen die Handhabung und die Sicherheitseinstellungen", sagt Knaack. Gute Geräte würden mit bereits aktivierter WPA-Verschlüsselung ausgeliefert. "Die WEP-Verschlüsselung kann in Sekunden geknackt werden."

Wenn ein älteres Gerät kein WPA unterstützt, sollte zudem der SSID genannte Name des Netzwerkes verborgen werden, damit das Netzwerk für Fremde unsichtbar bleibt. Die Aktivierung der sogenannten MAC-Filterung bewirkt zudem, dass sich nur bekannte Computer im Netzwerk anmelden können. "Ganz wichtig ist es auch, beim Router die Remote-Fernbedienung abzuschalten und bei der Inbetriebnahme die SSID und das Passwort zu ändern", rät Knaack. Denn wenn Fremde in einem nicht gesicherten W-Lan mitsurfen und dieses rechtswidrig benutzen, haftet trotzdem der Betreiber.

Aus diesem Grund sind in Deutschland auch W-Lan-Communitys nach dem Muster des Anbieters Fon problematisch. Hier stellen Hotspot-Besitzer über einen Fon-Router anderen Surfern einen Teil ihrer Bandbreite zur Verfügung. "Schade aber, dass Fon Interessenten den Eindruck von letztlich trügerischer Sicherheit vermittelt", urteilt die Zeitschrift "Connect". Besser löst etwa Sofanet das Problem: Hier stellen Mitglieder nur den DSL-Zugang, die Gemeinde surft aber im Namen und auf Rechnung von Sofanet. Dadurch sei laut "Connect" technisch ausgeschlossen, dass der Betreiber für illegale Aktivitäten der Gastnutzer zur Rechenschaft gezogen wird.

Dirk Averesch, dpa