Telekom-Streik Die nächste Runde

Der Streik bei der Telekom geht in die nächste Woche. Die Verdi-Führung gibt sich unnachgiebig. Zu bewegen scheint sich zwischen den Kontrahenten entsprechend wenig.

Bonn/Berlin - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Deutsche Telekom  davor gewarnt, die geplanten massiven Stellenverlagerungen gegen den Willen der Belegschaft durchzuboxen. "Die Telekom-Führung muss ein hohes Interesse an einer Einigung haben, alles andere ist der Weg in den Abgrund", sagte Verdi- Streikleiter Ado Wilhelm in einem dpa- Gespräch. Wenn es aber doch geschehe, dann richte sich das gegen die gesamte Belegschaft. Durch den Alleingang würde sich der Service nicht verbessern. Mindestens zwei Jahre lang, prophezeite Wilhelm, würde Arbeit bei der Telekom nicht mehr funktionieren.

Zugleich zog der Gewerkschafter gut eine Woche nach Beginn des Streiks ein erstes Fazit des Arbeitskampfes und seiner Auswirkungen: " Die (Beschäftigten) sind nach wie vor ungeheuer empört darüber, was die Telekom mit ihnen vorhat". Mitarbeiter aus Bereichen, die bislang nicht zum Streik aufgerufen worden seien, drängten darauf, sich zu beteiligen. "Die Menschen sind hochmotiviert und lassen sich auch nicht durch die Einschüchterungsversuche vom Ausstand abhalten". Dabei nannte Wilhelm unter anderem Prämien von 300 Euro für Streikbrecher, einseitige Anordnungen der Telekom zu Notdiensten, Bedrohungen oder den Einsatz von Tankgutscheinen für Beamte.

Nun hat sich angeblich auch die Politik in den Streit eingeschaltet. Im Berliner Finanzministerium seien am Mittwoch Telekom-Chef René Obermann, Finanzminister Peer Steinbrück, Verdi-Chef Frank Bsirske sowie SPD- Fraktionschef Peter Struck zu einem vertraulichen Spitzengespräch zusammengetroffen, schreibt das Magazin DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. Sie hätten rund zwei Stunden beraten, ohne konkrete Vereinbarungen zu erzielen. Der Bund ist mit knapp 32 Prozent der Anteile größter Telekom-Aktionär.

Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder sagte unterdessen dem Nachrichtenmagazin "Focus": "Wenn die Vernunft obsiegt, und damit rechne ich eigentlich, gibt es Bewegung bis 1. Juni." Mit den neuen Service-Gesellschaften der Telekom könne sich die Gewerkschaft abfinden, nicht aber mit Lohnsenkungen. "Gegen einen Griff ins Portemonnaie der Beschäftigten werden wir uns mit allen Mitteln wehren." Die Gewerkschaft hatte bisher alle Angebote des Managements abgelehnt. Die Telekom-Führung droht damit, die geplanten Umbau notfalls im Alleingang umzusetzen.

Geplante Einsparungen

Geplante Einsparungen

Mit der Auslagerung von 50.000 Beschäftigten in T-Service will der Vorstand Kosten von bis zu 900 Millionen Euro jährlich einsparen. In fünf Verhandlungsrunden hatten sich die Tarifparteien nicht auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen können. Die Telekom verlangt von den betroffenen Mitarbeitern Gehaltseinbußen von neun Prozent bei längeren Arbeitszeiten. Der Vorstand will Anfang Juli seine Pläne umsetzen und die drei neuen Service-Gesellschaften gründen.

Einschließlich Warnstreiks gebe es bei der Telekom bereits seit fünf Wochen Arbeitsniederlegungen mit entsprechenden Auswirkungen, betonte Wilhelm. Er nannte unter anderem die Auftragserledigung, die Bearbeitung der Aufträge im System oder die Einrichtung von Anschlüssen. "Aber nicht alles, was draußen nicht funktioniert, kann man uns in die Schuhe schieben", sagte er. In der kommenden Woche wollen erneut mehr als 10.000 Telekom-Beschäftigte in den Ausstand treten und Druck auf den Vorstand machen. In der ersten Streikwoche hatten sich täglich bis zu 16.000 Mitarbeiter an den Streiks beteiligt.

manager-magazin.de mit Material von dpa