Apple Blogger schreiben Kurssturz herbei

Fans, Konkurrenten, Zweifler - alle erwarten Apples iPhone mit Spannung. Auch, weil die Gefahr eines Fehlstarts für die iPod-Erfinder groß ist. Als nun ein paar Blogger Verspätungen im Zeitplan meldeten, löste das an den Börsen ein milliardenschweres Beben aus.

Cupertino - Sind die Märkte beim Thema Apple  inzwischen nervös? Sind Geschichten wie die folgende nur die Nebenwirkung eines Hypes, den der kalifornische Elektronikhersteller selbst erzeugt? Oder sind Blogs inzwischen tatsächlich solch ein entscheidender Faktor?

Zumindest ist dies eine Episode, die lehrt, dass man den möglichen Einfluss der freien Schreiber im Internet nicht unterschätzen sollte: Ein Blog meldet Verzug bei der Entwicklung von Apples iPhone, prompt fallen die Kurse des Elektronikkonzerns, kurzzeitig werden Milliarden von Dollar vernichtet - noch bevor alle Beteiligten verbreiten können, dass es sich bei der Blog-Nachricht um eine Ente handelt.

Nun ist "Engadget" nicht irgendein Blog, nicht eine jener mehr oder weniger privaten Tagebuchseiten, die ungezählt das Internet bevölkern. "Engadget" berichtet über Technik, ist durchaus renommiert, gehört seit 2005 zu AOL und hat eine richtige Redaktion. Thema kann alles sein, was neu, hip und vor allem elektronisch ist.

Das iPhone ist nicht irgendein Produkt. Seit Apple-CEO Steve Jobs im Januar ankündigte, mit diesem telefonierenden Taschencomputer den Markt für Handys aufzurollen, erlebt der Hersteller ein beispielloses Medieninteresse. Und das, obwohl Apple dank iPod und wachsender Marktanteile bei Computern in dieser Hinsicht verwöhnt ist.

Verlust von 4 Milliarden Dollar

Mühe mit dem Kultprojekt

Die Erwartungen an das iPhone sind enorm. Mit Spannung wird beobachtet, ob dem kreativen Unternehmen erneut ein Coup wie mit seinem Luxus-MP3-Spieler iPod glückt, oder ob es sich an der selbst gestellten Aufgabe verhebt. Immerhin agieren in diesem Markt zahlreiche sattelfeste Hersteller, die erheblich mehr Erfahrung im Mobilfunk mitbringen.

Seit einiger Zeit kursierten Gerüchte, dass Apple seine liebe Mühe mit dem iPhone hätte. Das ist an sich nichts Besonderes, weil zu Apple eine munter brodelnde Gerüchteküche fest dazugehört. Der Geheimhaltungskult, den das Unternehmen bei Neuentwicklungen pflegt, regt die Fantasie der Fans an - ein wichtiger Baustein des Markenmythos. Apple soll eben nicht sein wie alle anderen.

Als Beleg für Apples iPhone-Beschwerden wurde gewertet, dass angeblich Personal aus der Entwicklungsabteilung für Computer-Betriebssysteme abgezogen wurde, um die Smartphone-Tüftler zu unterstützen. Deshalb wurde im April die Vorstellung der neuen Version des Betriebssystems MacOS X in den Herbst dieses Jahres verlegt. Ursprünglich war die Software mit dem Namen "Leopard" für das Frühjahr 2007 angekündigt.

Vier Milliarden Dollar Verlust

Das ist die gespannte Ausgangslage, in der die Meldung von "Engadget" ihre bombastische Wirkung entfalten konnte. Das Blog meldete am Mittwoch, der Termin für den US-Start des iPhones im späten Juni könne nicht eingehalten werden. Als Kettenreaktion verschiebe sich außerdem die "Leopard"-Einführung in den Januar nächsten Jahres. Wäre dies richtig, hätten sich die Schwierigkeiten bei dem Prestigehandy bestätigt und "Leopard" hätte sowohl das Schulgeschäft im Spätsommer als auch das Weihnachtsgeschäft verpasst.

Die Börsenprofis, von denen viele selbst auf den Erwerb eines iPhones spekulieren, reagierten schnell. Laut "Washington Post" verlor das Papier von Apple binnen wenigen Stunden mehr als 3 Prozent. Händler kalkulierten den Verlust auf bis zu 4 Milliarden Dollar.

Wer schrieb die gefälschte E-Mail?

Apple dementierte deutlich

Apple dementierte die Verspätungen unzweideutig: Die Vorbereitungen für das iPhone lägen alle im Zeitplan. Am Freitag konnte der Konzern außerdem nachschieben, dass nun die Zulassung der US-Behörden für das Gerät vorliegt und dem Verkaufsstart im Juni nichts im Weg stehe.

"Engadget" gestand einen Irrtum ein. Diesen erklärten die Verantwortlichen inzwischen mit einer E-Mail, die im Hause Apple kursiert sein soll. Neben den Falschinformationen enthielt sie die Ankündigung einer entsprechenden Presseerklärung. Ein Apple-Mitarbeiter leitete die Nachricht an "Engadget" weiter. Wenig später wurde sie konzernintern als Fälschung identifiziert; demnach soll sie gar nicht über einen hausinternen Server verschickt worden sein. Da hatte "Engadget" die Meldung aber schon in die Welt gesetzt.

Wer schrieb die gefälschte E-Mail?

Das Beben ist vorüber. Bis Donnerstag hat die Apple-Aktie die Verluste weitgehend gutgemacht. Beim iPhone scheint alles seinen geplanten Gang zu gehen.

Dennoch bleiben Fragen: Wer hat die ominöse Mail geschrieben? Und warum? Hat er auf die fallenden Kurse spekuliert? Apple ließ offen, ob nach dem Urheber gefahndet werden soll. Neue Gerüchte machen die Runde: Die US-Börsenaufsicht erwäge Ermittlungen, mutmaßte eine US-Nachrichtenagentur.

Wie kann man ein Unternehmen vor einem derartigen Kommunikations-GAU schützen? Wo doch schon Apple die Geheimhaltung so pflegt. Oder wäre das mit einer offeneren Unternehmenspolitik nicht passiert?

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