O2 Düstere Premiere

Der harte Preiskampf in Deutschland hat dem Mobilfunker O2 den ersten Umsatzrückgang in der Geschichte des Unternehmens beschert. Vorstandschef Rudolf Gröger will nun den Sparkurs verschärfen und weitere Arbeitsplätze abbauen. Die neue Eigentümerin von O2, die spanische Telefónica, kann Umsatz und Gewinn dagegen steigern.

München/Madrid/Köln - "Ich glaube nicht, dass wir an die Wachstumsgrenze gestoßen sind", sagte O2-Chef Rudolf Gröger am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen. Im Gesamtjahr rechne er mit einem Umsatzzuwachs.

Dennoch will O2 Germany den Sparkurs noch einmal verschärfen. In diesem Jahr sollen die Kosten um 80 Millionen Euro gedrückt werden, 2008 dann sogar um einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Wie viele Arbeitsplätze dies kosten wird, ließ die Tochter der spanischen Telefónica  offen. Der Mobilfunkbetreiber gehört seit dem vergangenen Jahr zu dem spanischen Telekomkonzern.

O2 Germany ist nach Umsatz der drittgrößte und nach Kundenzahl der viertgrößte - und damit kleinste - deutsche Mobilfunkbetreiber. Im ersten Quartal vergrößerte sich der Abstand zu seinem direkten Konkurrenten E-Plus. Die Zahl der Handynutzer wuchs nur noch um 159.000 auf 11,2 Millionen. Damit lag die Zahl der Kunden zwar um 11 Prozent höher als vor einem Jahr. Im traditionell stärkeren Weihnachtsquartal hatte O2 aber noch 396.000 Neukunden gewonnen.

Weniger Umsatz pro Kunde

Wettbewerber T-Mobile hatte hierzulande im gleichen Zeitraum ein Kundenplus von gut 9 Prozent verzeichnet, bei E-Plus lag der Zuwachs bei 15 Prozent. Die Zahlen von Vodafone D2 stehen noch aus. Der Münchener Mobilfunkbetreiber ist bezogen auf die Kundenzahl der kleinste Anbieter in Deutschland, beim Umsatz liegt O2 vor E-Plus auf Rang drei.

Mehr als die Hälfte der neuen Nutzer seien Vertragskunden, hieß es weiter. Zudem hätten bis Ende März 31.000 Kunden einen DSL-Vertrag abgeschlossen. Positiv sei auch die Entwicklung der Nutzungsdauer: Im Schnitt telefonierten O2-Kunden 129 Minuten im Monat; das sei ein Plus von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Rückläufig war allerdings der durchschnittliche Umsatz je Mobilfunkkunde (ARPU); er ging im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 20,50 Euro zurück. Ursache dafür seien sinkende Terminierungsentgelte und der Preisrückgang im Mobilfunkmarkt, erklärte O2.

Telefonica mit Umsatzplus

Arbeitplätze in Gefahr

Im vergangenen Jahr wurden die Kosten laut Gröger um 40 Millionen gesenkt. Auch in diesem Jahr sei die Effektivität gesteigert worden. Dabei seien 250 Stellen gestrichen worden. Allerdings seien in etwa ebenso viele Arbeitsplätze vor allem im Geschäftskundenbereich neu geschaffen worden.

Auch bei den weiteren Sparplänen sei mit Stellenabbau zu rechnen. "Natürlich werden wir um Personalabbau nicht umhinkommen", sagte Gröger. Eine Zahl wollte er aber noch nicht nennen. Die "Financial Times Deutschland" hatte am Vortag berichtet, bis zu 1000 der 5000 Arbeitsplätze seien bedroht. Gröger sagte lediglich, diese Zahl stehe "nicht auf einer vernünftigen Basis". Klarheit werde es Ende Juni/Anfang Juli geben.

Der Umsatz von O2 Germany inklusive Telefónica Deutschland lag in den ersten drei Monaten des Jahres bei 843 Millionen Euro, rund 3 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der Serviceumsatz aus dem Mobilfunkgeschäft ging sogar um knapp 5 Prozent auf 697 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis stieg von 131 auf 161 Millionen Euro.

Gutes Lateinamerika-Geschäft bei Telefónica

Im Gesamtkonzern stieg der Überschuss dank eines gut gehenden Lateinamerika-Geschäfts im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte um 15,1 Prozent auf 13,75 Milliarden Euro und fiel damit etwas besser aus als erwartet. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen auf Sachanlagen und auf immaterielle Vermögenswerte verbesserte sich im Jahresvergleich von 4,66 Milliarden auf 5,11 Milliarden Euro.

Der Konzern bestätigte zugleich den Ausblick auf das Gesamtjahr. 2006 hatte Telefónica  unter anderem dank der O2-Übernahme den operativen Gewinn um 27 Prozent auf rund 19 Milliarden Euro gesteigert, während der Umsatz um 42 Prozent auf 52,9 Milliarden Euro gewachsen war.

QSC steigert Gewinn um 271 Prozent

QSC steigert Gewinn um 271 Prozent

Unterdessen konnte das Telekomunternehmen QSC  am Mittwoch nach einem Gewinnanstieg im abgelaufenen Quartal seine Jahresprognose bestätigen. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sei in den ersten drei Monaten gegenüber dem Vorjahr um 271 Prozent auf 8,9 Millionen Euro gewachsen, teilte die im TecDax  notierte Gesellschaft mit.

Der Umsatz wuchs von 54,4 Millionen auf 76,8 Millionen Euro und der Überschuss von minus drei Millionen auf plus 1,1 Millionen Euro. Das Wachstum begründete QSC vor allem im Geschäft mit Wiederverkäufern von DSL-Anschlüssen, das sich verdreifacht habe. Trotz des kräftigen Zuwachses verfehlten die Kölner die Erwartung der Analysten, die im Durchschnitt mit einem Ebitda in Höhe von 9,64 Millionen Euro und einem Umsatz von 81,4 Millionen Euro gerechnet hatten. Den Überschuss hatten die Experten bei 1,5 Millionen Euro gesehen.

Vorstandschef Bernd Schlobohm bestätigte seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Das Ebitda soll demnach auf 50 bis 60 Millionen Euro und der Umsatz auf mehr als 350 Millionen Euro steigen. Der Überschuss soll bei 15 bis 25 Millionen Euro liegen, womit QSC erstmals im Gesamtjahr schwarze Zahlen schreiben wird. "Der planmäßige Netzausbau und die Konzentration auf margenstarkes Wachstum ermöglichen es uns, im laufenden Geschäftsjahr von Quartal zu Quartal unsere Profitabilität zu steigern", sagte Schlobohm.

QSC baut sein DSL-Netz massiv aus und hatte daher in den vergangenen Jahren Verluste geschrieben. Das Unternehmen bietet seine Leitungen vor allem Geschäftskunden an und vermietet diese zunehmend auch an Wettbewerber wie Hansenet und Freenet . Im laufenden Jahr will QSC sein Telekomnetz weiter ausbauen. Bis zum Jahresende sollen rund 50 Prozent aller deutschen Haushalte abgedeckt werden. Die Kosten für den Ausbau des Netzes sind durch eine Auslagerung der Infrastruktur gesichert, an der sich das schwedische Telekommunikationsunternehmen Tele2 beteiligt hat. Das Kapital reiche aus, um das Netz zu erweitern, hieß es.

Die Aktie von QSC verlor in einem knapp behaupteten Markt rund 1 Prozent. Der Umsatz habe enttäuscht, sagte ein Händler. Die hohen Margen allerdings sieht er als kursstützend.

manager-magazin.de mit Material von dpa, dow jones und reuters