Deutsche Telekom Blackstone soll schlichten

Vom Streik bei der Deutschen Telekom sind auch die Konkurrenten betroffen. Offenbar kommt es zu Verzögerungen bei Anbieterwechseln. Das internationale Gewerkschaftsnetzwerk UNI Global Union hat unterdessen erneut Telekom-Investor Blackstone aufgefordert, mäßigend auf den Bonner Konzern einzuwirken.

Bonn/Düsseldorf - Bei der Deutschen Telekom  haben am Dienstag erneut Tausende Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi streikten bundesweit rund 16.000 Mitarbeiter des Bonner Konzerns. Schwerpunkte der Aktionen waren in Berlin und Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Bestreikt wurden Callcenter sowie der technische Kundendienst. Es sei weiterhin mit Beeinträchtigung des Betriebsablaufs zu rechnen, räumte das Unternehmen in Bonn ein. Am Mittwoch sollen laut Gewerkschaft erneut rund 15 000 Telekom-Mitarbeiter - jeder Zehnte in Deutschland - in den Ausstand treten.

Von den Folgen des Arbeitskampfes sind mittlerweile auch Konkurrenten der Telekom betroffen. In den bestreikten Regionen komme es zu Verzögerungen, wenn Telekom-Kunden zu anderen Anbietern wechselten oder wenn Leitungen entstört werden müssten, teilte der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) mit.

Die Wettbewerber mieten die so genannte letzte Meile der Telefonleitungen in die Haushalte bei der Telekom und sind deshalb auf deren Service-Personal angewiesen. Der Konzern versucht zwar, die Ausfälle durch den Einsatz von Mitarbeitern anderer Standorte, von Beamten oder durch externe Kräfte zu kompensieren. Die Telekom verweigere jedoch Schadensersatz für die Kunden der Wettbewerber, da sie den Streik als höhere Gewalt einstufe, kritisierte der Breko.

Der seit Freitag dauernde Streik ist der erste in der Geschichte des früheren Staatsunternehmens. Die Telekom-Beschäftigten protestieren gegen die Auslagerung von 50.000 Mitarbeitern in konzerneigene Service-Gesellschaften. Dort sollen die Beschäftigten 38 statt 34 Stunden arbeiten und weniger verdienen. Damit will die Telekom wettbewerbsfähiger werden und die Arbeitsplätze langfristig sichern.

Verdi will mit dem Arbeitskampf bessere Beschäftigungsbedingungen und Löhne herausholen. Seit die Gewerkschaft auch ein zweites Angebot der Telekom ausgeschlagen hat, ruhen die Gespräche.

Brief an Blackstone

Brief an Blackstone

Verdi wie auch die Telekom äußerten grundsätzlich ihre Verhandlungsbereitschaft. "Allerdings gibt es keine Anzeichen, dass sich etwas bewegt", sagte Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm. Der Arbeitskampf war am vergangenen Freitag angelaufen und könnte noch "einige Wochen" fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft sei für einen langen Arbeitskampf gerüstet, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske in Magdeburg.

Die Telekom sieht den Ball bei Verdi. Der Konzern will den betroffenen Mitarbeitern bis Ende Mai Tarifverträge anbieten, die sie bereits für andere Unternehmensbereiche mit der Gewerkschaft ausgehandelt hat. Die Beschäftigten haben dann vier Wochen Zeit, das Angebot anzunehmen.

Die Bundesbürger zeigen laut einer Umfrage für das Hamburger Magazin "Stern" großes Verständnis für den Streik. Mehr als drei Viertel der 1003 Befragten konnten den Arbeitskampf nachvollziehen, nur bei 19 Prozent stieß der Streik auf Unverständnis. Das Präsidium der SPD in Nordrhein-Westfalen forderte den Telekom-Vorstand auf, sich auf dem Verhandlungsweg mit Verdi zu verständigen.

Im Streit um den Telekom-Umbau wollen die Gewerkschaften auch den Druck auf den Großinvestor Blackstone erhöhen. Der Generalsekretär der Gewerkschafts-Dachorganisation UNI Global Union, Philip Jennings, drängte Blackstone-Chef Steve Schwarzman in einem Brief, auf einen Kompromiss bei der Telekom hinzuwirken. Viele Beobachter glaubten, dass die Telekom-Führung ihre harte Linie in dem Konflikt auf Druck von Blackstone durchhalte, heißt es in dem der Finanznachrichtenagentur dpa-afx vorliegenden Brief. "Gerade aus diesem Grund sollte ihr Unternehmen intervenieren, um dem Telekom-Management zu zeigen, dass sie einen Kompromiss in diesem Konflikt für sehr wichtig halten."

In dem Brief heißt es zudem: "Wir werden unseren Einfluss auf die Verwalter von Pensionsfonds geltend machen, die Gelder von Millionen unserer Mitglieder verwalten." Für den Fall, dass Blackstone nicht reagiert, droht Jennings mit dem Abzug von Kapital aus Fonds des Finanzinvestors. Blackstone hält 4,5 Prozent an der Telekom und ist damit der größte Aktionär nach der Bundesregierung und der staatlichen KfW. Nach Angaben aus Konzernkreisen dringt der Finanzinvestor auf eine schnelle Restrukturierung des Bonner Unternehmens, um dem Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters