O2/Telefónica Mit harter Hand

Der spanische Telekomkonzern Telefónica erhöht offenbar den Druck auf seine deutsche Tochter O2. Der neue Eigentümer des Mobilfunkers plant einem Zeitungsbericht zufolge, rund 20 Prozent der Arbeitsplätze zu streichen. Zudem soll - ähnlich wie bei Konkurrent E-Plus - der Netzbetrieb ausgelagert werden.

Hamburg - Intern bestünden Überlegungen, bis zu 1000 Arbeitsplätze bei O2 zu streichen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe) ohne Angabe von Quellen. Das entspreche mehr als 20 Prozent der Belegschaft.

Zudem verhandele die Tochter des spanischen Telekomkonzerns Telefónica  mit dem Netzwerkausrüster Nokia Siemens, einem Gemeinschaftsunternehmen des finnischen Handyherstellers Nokia  und des deutschen Siemens-Konzerns , über eine Auslagerung des Netzbetriebs. Bereits im Frühjahr 2006 hatte eine europäische Vergleichsstudie unter 33 Netzbetreibern massive Schwächen in der IT und eine Vielzahl ineffizienter Abläufe bei dem Münchener Unternehmen aufgezeigt.

Anfang März hatte O2-Chef Rudolf Gröger gesagt, das Unternehmen wolle anders als E-Plus seinen Netzbetrieb nicht an ein Fremdunternehmen abgeben. Stattdessen hatte der Mobilfunker angekündigt, sein Netz auszubauen. Konkurrent E-Plus hatte Ende Februar angekündigt, den Netzbetrieb an Alcatel-Lucent  abzugeben, um damit die Netzkosten um ein Fünftel zu senken.

Ein O2-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren. "Aber Kosten sparen wir in der Tat, das ist auch kein Geheimnis", sagte er. O2 ist der kleinste der vier deutschen Mobilfunknetzbetreiber und hinkt der Nummer drei, E-Plus, beim Kundenzuwachs in Deutschland hinterher.

Mit der Sättigung des Mobilfunkmarktes würden die Schwächen des Münchener Netzbetreibers deutlich, berichtet die Zeitung. Das Unternehmen habe sich auf jüngere, technikverliebte Kunden, sogenannte Prosumer, konzentriert, aber weniger als 7 Prozent Firmenkunden. Diese Mischung räche sich nun: Die Branchengrößen Vodafone  und T-Mobile böten längst mit dem O2-Genion-Tarif vergleichbare Produkte zum billigen Telefonieren in der eigenen Wohnung - und haben O2 damit das wichtigste Alleinstellungsmerkmal geraubt.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa-afx und reuters