Handy-TV-Konsortium Startschwierigkeiten

Die drei Mobilfunknetzbetreiber T-Mobile, Vodafone D2 und O2 wollen gemeinsam eine Plattform für den mobilen Fernsehstandard DVB-H betreiben. Doch das Kartellamt hegt erhebliche Bedenken gegen die Pläne.

Bonn - Das Bundeskartellamt habe eine umfassende, bis zu drei Monate dauernde Prüfung der Handy-TV-Pläne von T-Mobile, Vodafone D2 und O2 eingeleitet, sagte eine Sprecherin am Montag. Die drei Mobilfunknetzbetreiber wollen im Frühjahr 2008 gemeinsam ein bundesweites Handy-TV-Angebot starten. Dazu haben sie ein Konsortium gegründet, das von der Wettbewerbsbehörde genehmigt werden muss.

"Wir sind in engem Kontakt mit dem Kartellamt und zuversichtlich, dass ein gemeinsamer Plattformbetrieb möglich sein wird", sagte Konsortiumssprecher Jens Kürten. Die Unternehmen hatten die Pläne im April zur Prüfung angemeldet.

Basis für das Angebot soll der digitale Rundfunkstandard DVB-H sein. Gegenüber dem Mobilfunkstandard UMTS hat die Rundfunkübertragung Vorteile: Bei UMTS werden Datenpakete verschickt, was zu Kapazitätsengpässen führen kann, wenn viele Nutzer im Netz darauf zugreifen. Außerdem gilt die Fernsehtechnik als kostengünstiger.

Für die Sendelizenzen sind die Landesmedienanstalten zuständig. Sie hatten ein bundesweites Pilotprojekt ausgeschrieben. Nach Ablauf aller Fristen Ende Mai wird in einem koordinierten Verfahren ein Bewerber für den Plattformbetrieb ausgewählt.

Die Liste der Interessenten ist lang. Neben den drei Mobilfunknetzbetreibern sind unter anderem auch die Sender ProSiebenSat.1 , Premiere , die RTL-Gruppe und der Karstadt-Quelle-Sender Home Shopping Europe interessiert, ebenso die UFA Film & Produktion GmbH, Burda und die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck sowie die MFD Mobiles Fernsehen Deutschland, die bereits den Konkurrenzstandard DMB betreibt. MFD vertreibt sein sogenanntes Watcha-Angebot über die Mobilfunkdienstleister Mobilcom , Debitel und Drillisch .

Die Frequenzen für den Aufbau der Sendernetze vergibt hingegen die Bundesnetzagentur. Die Ausschreibung läuft.

Der vierte deutsche Mobilfunkbetreiber, E-Plus, ist bereits im vergangenen November aus dem Projekt Handy-TV ausgestiegen. Die KPN-Tochter beklagte die politisch-regulatorischen Rahmenbedingungen und bezweifelte den wirtschaftlichen Erfolg.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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