Telekom Proteste zeigen erste Wirkung

Die Gewerkschaft Verdi hat den Druck auf die Telekom erhöht. Am Montag streikten 15.000 Beschäftigte. Die Kunden bekommen die Auswirkungen des Ausstandes mittlerweile zu spüren.

Düsseldorf - Der Streik bei der Deutschen Telekom  zeigt erste Wirkung. Mit regionalen Unterschieden träten am vierten Tag des Ausstands Schwierigkeiten auf, sagte ein Telekom-Sprecher am Montag in Bonn. Auch die Vorbereitungen des G-8-Gipfels in Heiligendamm waren betroffen.

Im Konflikt mit der Telekom hat die Gewerkschaft Verdi am Montag ihren Arbeitskampf deutlich ausgeweitet: Rund 15.000 Beschäftigte bundesweit blieben nach Gewerkschaftsangaben der Arbeit fern. Die Schwerpunkte lagen in Berlin, Brandenburg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Telekom-Kunden hätten erneut Einschränkungen beim Telekom-Service hinnehmen müssen. Betroffen gewesen seien die Bereiche Netzinfrastruktur, Technischer Kundendienst, Zentraler Service und Privatkundenniederlassung.

Die Gewerkschaft stellt sich mit ihren Protestaktionen gegen die Pläne des Telekom-Vorstands, die 50.000 Arbeitsplätze in diesem Bereich zum 1. Juli in eigenständige Tochterfirmen unter der Dachbezeichnung T-Service auszulagern. Die Beschäftigten sollen dort 9 Prozent weniger verdienen und 38 statt 34 Stunden pro Woche arbeiten.

"Die Beschäftigten lassen sich nicht bedrohen"

Verdi warf Telekom-Chef René Obermann vor, mit seinen Äußerungen vom Wochenende die Auseinandersetzung verschärft zu haben. Obermann hatte erneut von der Möglichkeit eines Verkaufs der Service-Bereiche gesprochen, sollte keine Einigung mit der Gewerkschaft über eine Reduzierung der Kosten zu Stande kommen. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder erklärte, die hohe Streikbeteiligung sei eine unmittelbare Reaktion der Betroffenen. "Die Beschäftigten lassen sich weder bedrohen noch von ihren Grundrechten abhalten", sagte Schröder. Der Streik hatte am Freitag mit rund 11.000 Teilnehmern begonnen und war über das Wochenende auf etwa 1500 Beschäftigte zurückgefahren worden.

Montage von Anschlüssen wird bereits verschoben

Kunden müssen wegen des Ausstands bei der Telekom mit schlechter Erreichbarkeit der Callcenter sowie Verzögerungen bei der Behebung von Störungen oder der Einrichtung von Anschlüssen rechnen. Termine für die Montage von Anschlüssen müssten inzwischen verschoben werden, sagte der Unternehmenssprecher. Die Telekom versuche weiterhin, die Auswirkungen auf die Kunden so gering wie möglich zu halten.

Nach Angaben eines Sprechers des Verdi-Bezirks Nord waren in Rostock auch Mitarbeiter im Ausstand, die an der Vorbereitung des G-8-Gipfels Anfang Juni arbeiten. Inwieweit das bereits Probleme bringe, könne man nicht sagen. Die Gewerkschaft bestreike zudem nicht den Gipfel, sondern wolle lediglich "der Telekom vor Augen führen, dass sie am Rande eine Katastrophe steht, wenn die nicht Butter bei die Fische tun", sagte Sprecher Frank Schischefsky.

Seitens der Telekom hieß es, die Arbeiten liefen zeit- und termingerecht. Das Unternehmen gehe davon aus, dass es auch im Interesse der Gewerkschaft liege, keinen internationalen Imageschaden entstehen zu lassen.

Telekom erhöht angeblich Prämie für Streikbrecher

Die Gewerkschaft warf dem Unternehmen unterdessen vor, die "Streikbrecherprämie" von 300 auf 500 Euro heraufgesetzt zu haben. Sie habe für den ursprünglichen Betrag offenbar keine arbeitswilligen Mitarbeiter gefunden, sagte Streikleiter Ado Wilhelm. "Ich komme gerade aus einer Streikversammlung. Die Leute werden immer wütender und empörter wegen dieser Dinge", sagte er.

Ein Telekom-Sprecher betonte, das Unternehmen zahle keine Prämie an Streikbrecher. Es sei aber üblich, für Mehrarbeit beispielsweise bei Messen und ähnlichen Terminen einmalige Prämien zu zahlen. Das Unternehmen fordere niemanden auf, nicht zu streiken, wolle Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern aber eine Ausgleich für ihre Mehrarbeit zukommen lassen.

manager-magazin.de mit Material von ap und ddp

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