Kameras Kompakt oder zum Wechseln

Digitale Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven sind schon seit längerem die erste Wahl für Profi-Fotografen. Doch auch immer mehr Hobby-Knipser entscheiden sich angesichts der günstigen Preise für die wechselhaften Modelle. Dabei bietet manch kompakte Kamera ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

Hamburg - "Die Zeiten ständig sinkender Preise im Bereich der Digitalkameras scheinen vorbei zu sein", stellt Markus Bautsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter "optische Themen" bei der Stiftung Warentest, fest. Für etwa 400 bis 600 Euro sind die kleinsten digitalen Spiegelreflexkameras mit Bajonett für Wechselobjektive zu bekommen. Dieser Preis gilt allerdings nur für das Gehäuse.

Hier trifft der Interessent schon auf die erste Hürde: Will er die Möglichkeiten seiner Kamera nutzen, braucht er ein hochwertiges Objektiv. Das aber kostet schnell noch einmal so viel oder mehr. Die mit den Kameras zusammen verkauften Objektive sind hingegen zwar preisgünstig, bieten aber selten gute Qualität. Das macht sich bei den Fotos durch Verzerrungen oder ungleichmäßige Helligkeitsverteilung bemerkbar. Ein anderes Problem ist die geringe Lichtstärke, die für längere Belichtungszeiten sorgt.

Direkte Konkurrenten der digitalen Spiegelreflexkameras sind die sogenannten Bridge-Kameras. Sie schlagen eine Brücke zu den Kompakten und sind eine Mischung aus beiden Welten. Optisch und technisch sind sie den Spiegelreflexkameras ähnlich, das Objektiv lässt sich aber wie bei den Kompakten nicht auswechseln. Für spezielle Situationen wie Nahaufnahmen lassen sich Bridge-Kameras durch Aufsätze erweitern.

"Kompakt- und Bridge-Kameras haben den Vorteil, dass sie Fehler des eingebauten Objektivs zum Teil bereits ab Werk ausgleichen können und so bessere Ergebnisse erzielen", sagt Bautsch. Zudem bieten diese Geräte Zusatzfunktionen wie Videoaufnahmen, die in der Welt der Spiegelreflexkameras bislang kaum anzutreffen sind.

Auffallend ist, dass manch neue Bridge-Kamera weniger kann als ihr Vorgängermodell. Profi-Funktionen wie das Speicherformat Raw für Fotos fallen beispielsweise von einer Generation zur nächsten weg. Auf diese Weise schützen die Hersteller ihre Spiegelreflexkameras vor Konkurrenz aus dem eigenen Haus, glaubt Bautsch.

Unwichtige Pixel-Zahl

Unwichtige Pixel-Zahl

Von der viel zitierten und oft beworbenen Pixel-Zahl als Kriterium für die Qualität einer Kamera hält Bautsch gar nichts. Sie zeigt an, mit wie vielen Bildpunkten eine Kamera das Foto aufnimmt. Gerechnet wird mit Millionen Pixeln, den Megapixeln. Bei ein bis zwei Megapixeln könnten Probanden in Untersuchungen keine Qualitätsunterschiede mehr bei den Farben ausmachen, hat die Stiftung Warentest festgestellt. Das Optimum in Sachen Helligkeit sei bei vier Megapixeln erreicht. Der derzeitige Trend zu immer mehr Pixeln verschlechtere hingegen sogar die Qualität. So sei eine Kamera mit weniger Pixeln in der Regel lichtempfindlicher. Mehr Pixel seien nicht selten mit mehr Rauschen verbunden.

Eine Rolle spielen die Pixel bei Ausschnittvergrößerungen. Will man beispielsweise aus einer Gruppe ein einzelnes Gesicht herausholen, hat man mit mehr Pixeln einen größeren Spielraum. Selbst für den ambitionierten Hobbyfotografen sei aber alles oberhalb von vier Megapixel "reiner Luxus", sagt Bautsch.

Wer sich dennoch für eine digitale Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven interessiert, kann weitgehend darauf vertrauen, dass die Marktteilnehmer heute eine vergleichbare Qualität bieten. "Es gibt kaum eine, die wirklich schlecht wäre", hat Bautsch festgestellt.

Die Kriterien bei der Kaufentscheidung liegen eher woanders. Wer beispielsweise noch Objektive von seiner analogen Spiegelreflexkamera hat, möchte diese eventuell weiterverwenden. Das geht häufig, hat aber einen entscheidenden Pferdefuß: Da der Chip in der digitalen Kamera kleiner ist als der Film in der analogen Version verändert sich der Ausschnitt. Fachlich gesprochen wird die Brennweite verlängert. Aus einem Weitwinkel wird so ein Normalobjektiv, aus einem Normalobjektiv ein leichtes Teleobjektiv.

Ein anderes Kriterium ist der Funktionsumfang. Je nach Aufgabe sind die möglichen Belichtungszeiten interessant oder welche Lichtempfindlichkeit nach ISO die Kamera ermöglicht. Das hat Auswirkungen darauf, wie viel Gestaltungsspielraum der Fotograf bei schwierigen Lichtverhältnissen noch hat oder ob ein Foto überhaupt möglich ist.

Jan Tißler, ddp