SAP-HV Damoklesschwert über Mannheim

Auf der Hauptversammlung von SAP ging es vor allem um ein Thema: Oracle. Das US-Unternehmen setzt den Walldorfer Konzern mit milliardenschweren Zukäufen und einer Spionageklage unter Druck. SAP-Chef Henning Kagermann gab sich gelassen, kündigte aber gleichzeitig eine neue Mittelstandsoffensive sowie die Suche nach weiteren Partnern an.

Mannheim - Auch angesichts der Serie von Milliardenübernahmen des Erzrivalen Oracle will SAP-Chef Henning Kagermann weiterhin ohne Großzukäufe auskommen. "Unser Wachstum schaffen wir aus eigener Kraft", sagte Kagermann am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Mannheim. Dabei setzt der SAP-Chef auf das Kerngeschäft mit globalen Großunternehmen und eine neue Mittelstandsoffensive.

US-Konkurrent Oracle kauft sich seit mehreren Jahren mit milliardenschweren Übernahmen in die SAP-Domäne für Firmensoftware ein und will dem deutschen Konzern das Feld streitig machen. Das SAP-Management zeigt sich davon bislang unbeeindruckt und verweist auf steigende Marktanteile sowie ein gutes Neukundengeschäft. "Unser Marktanteil ist so groß wie nie zuvor", sagte der noch bis 2009 amtierende Kagermann auf dem Aktionärstreffen. "Der Abstand gegenüber unseren Hauptmitbewerbern ist erneut größer geworden." Bis Ende vergangenen Jahres sei der weltweite Marktanteil auf 24 Prozent gestiegen und damit nach wie vorher doppelt so hoch wie der von Oracle, erläuterte der Topmanager.

Um seine Position weiter auszubauen, will Kagermann ein weiteres Geschäftsfeld aufbauen. Zielgruppe sind jene kleinen und mittleren Unternehmen, die SAP-Produkte bisher nicht in Erwägung ziehen. Bis zum Jahr 2010 will der Konzern in diesem Bereich 10.000 neue Kunden gewinnen.

"Zukäufe sind nur eine Ergänzung"

Auch Partnerschaften mit anderen Unternehmen sollen intensiviert werden. "Wachstum aus eigener Kraft ist heute nicht mehr als Einzelkämpfer möglich. Eine feste Komponente unserer Wachstumsstrategie ist daher die Ko-Innovation", sagte Kagermann. Damit wenden sich die Walldorfer von der langjährigen Tradition allein eigener Produktentwicklung ab. So baute SAP gemeinsam mit Microsoft das Produkt Duet, mit dem Nutzer von Microsoft Office direkt auf SAP-Geschäftsprozesse zugreifen können.

Zukäufe will Kagermann weiterhin nur als Ergänzungen verstanden wissen. Am Dienstagabend hatte SAP die Übernahme von Outlooksoft bekannt gegeben. Kreisen zufolge lag der Kaufpreis für den Anbieter von Finanzmanagenmentsoftware zwischen 200 und 300 Millionen Euro. "Outlooksoft hat weltweit mehr als 700 Kunden, von denen rund 150 bereits SAP-Software benutzen", sagte der Vorstandschef. "Damit sind wir für diesen Zukunftsmarkt bestens gerüstet."

Ziele bekräftigt

Ziele bekräftigt

Angesichts des starken Wachstums im ersten Quartal bekräftigte SAP die Ziele für 2007. Demnach soll das Wachstum der Software- und softwarebezogenen Serviceerlöse währungsbereinigt um 12 bis 14 Prozent wachsen. Das Ziel für die operative Marge liegt weiterhin bei 26 bis 27 Prozent. Mit Blick auf die Dividende sagte Kagermann, die Ausschüttungsquote soll auch in Zukunft bei rund 30 Prozent liegen. Für 2006 schlägt SAP der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 46 Cent je Aktie vor. Das sind 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt würde der Konzern damit 560 Millionen Euro oder 30 Prozent seines Gewinns ausschütten.

Die Industriespionagevorwürfe von Oracle-Chef Larry Ellison wies Kagermann erneut energisch zurück. "Wir werden uns massiv gegen die erhobenen Vorwürfe zur Wehr setzen", erklärte der Manager. "Zurzeit untersuchen wir jede einzelne Behauptung der Klage und verfassen die Klageerwiderung, die wir bei Gericht einreichen werden." Das Unternehmen von US-Milliardär Ellison hatte SAP und deren US-Tochter Tomorrownow Ende März wegen Diebstahls geistigen Eigentums verklagt. Kagermann glaubt, dass es sich dabei um einen Versuch handelt, Service- und Supportleistungen für Oracle-Software zu erschweren. Oracle und SAP stehen seit Jahren in einem erbitterten Wettbewerb im Markt für Unternehmenssoftware.

"Die Klage von Oracle hängt wie ein Damoklesschwert über den Aktien von SAP", kritisierte die Sprecherin des Aktionärvereins DSW, Jella Benner-Heinacher, unter Beifall des Publikums. Der Aktienkurs von Oracle entwickelt sich seit längerer Zeit besser als der Kurs der SAP-Papiere - seit Jahresbeginn hinken die SAP-Aktien der Kursentwicklung der Oracle-Papiere um gut 18 Prozent hinterher. Der Bewertungsvorsprung der SAP-Aktien vor dem US-Konkurrenten schrumpfe zusammen, kritisierte die DSW.

Die Aktionärsvereinigung SdK stellte die Akquisition der US-Tochter Tomorrownow in Frage und bezeichnete den Zukauf als "Fehlinvestition". Das Unternehmen habe bei einem Umsatz von 10,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr einen Verlust von 6,1 Millionen Euro eingefahren. "Wird Tomorrownow jemals die Verluste wieder ausgleichen?", wollte der SdK-Sprecher wissen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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