EU-Beschluss Schleichwerbung erlaubt

Vor zwei Jahren sorgten die Skandale um Schleichwerbung in den ARD-Serien Marienhof und Tatort noch für helle Aufregung. Nun wird die gezielte Werbung für ein Produkt von der EU unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Brüssel/Leipzig - Fernsehsender in der Europäischen Union dürfen künftig in Ausnahmefällen Programme durch die Platzierung von Produkten wie Autos oder Lebensmitteln finanzieren. Das sieht die neue EU-Fernsehrichtlinie vor, die der Kulturausschuss des Europäischen Parlaments am Dienstagabend in Brüssel billigte.

Zwar wird grundsätzlich ein Verbot des Werbens für Produkte festgeschrieben. Allerdings können die Mitgliedstaaten Ausnahmen festlegen, wenn garantiert ist, dass die Produktplatzierung für den Zuschauer klar gekennzeichnet ist und erkannt wird. So muss beispielsweise zu Beginn, am Ende und nach jeder Werbepause auf diese Praxis hingewiesen werden. Sender dürfen darüber hinaus alle 30 Minuten das Programm für einen Werbeblock unterbrechen. Für Kinder- und Nachrichtensendungen gelten die Ausnahmen nicht.

Der europäische Verband öffentlicher Fernsehanstalten (EBU) begrüßte den Kompromiss als zukunftsweisend und praxisnah. Die Neufassung der Richtlinie war nötig, um beispielsweise neue Vertriebskanäle im Internet oder Videos auf Bestellung zu erfassen.

Nach dem Kulturausschuss des Parlaments ist nun der zuständige Ministerrat am 24. Mai am Zuge. Der Kompromiss zwischen dem Parlament und den 27 Mitgliedstaaten war in den vergangenen Wochen auch mit Hilfe der EU-Kommission ausgehandelt worden. Die Zustimmung im Rat wie auch im Plenum des Parlaments im Juni gelten als Formsache. Die alte Richtlinie stammt von 1989.

Deutsche TV-Sender sind zufrieden

Deutsche TV-Sender sind zufrieden

Die CDU-Abgeordnete Ruth Hieronymi, die federführend für das Europaparlament verhandelte, sagte nach der Abstimmung: "Dies ist eine gute Chance, um Fernsehen auch in Zukunft als Kultur- und Wirtschaftsgut zu sichern." Die Regeln sollen unabhängig davon gelten, ob Programme beispielsweise über Satellit, Kabel oder Internet übertragen werden.

Die kulturelle Vielfalt der europäischen Fernsehlandschaft soll ebenso sichergestellt werden wie ein wirksamer Jugend- und Verbraucherschutz. Beim Jugendschutz wird erstmals eine freiwillige Selbstkontrolle festgeschrieben. Menschen, die Schwierigkeiten beim Sehen und Hören haben, sollen einen besseren technischen Zugang zu Fernsehinhalten bekommen.

EU-Staaten können die umstrittene Platzierung von Produkten in Serien, Spielfilmen und Sportsendungen erlauben, um ihre jeweiligen Anbieter im Wettbewerb mit Konkurrenten aus China, Indien und den USA gleichzustellen.

Die neue Fernsehrichtlinie ist von deutschen TV-Sendern begrüßt worden. "Diese Richtlinie ist ein guter Wurf geworden", sagte Eva-Maria Michel, Justiziarin beim WDR, am Mittwoch beim 9. Medientreffpunkt Mitteldeutschland. Mit dem Kompromiss könnten alle leben, sagte Els Hendrix vom Fernsehunternehmen ProSiebenSat.1.

manager-magzin.de mit Material von ddp und dpa

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