Galileo Ein teurer Spaß

Es sollte ein Prestigeobjekt für die EU sein, doch das Satellitensystem Galileo steht unter keinem guten Stern. Von Streitereien gebeutelt deutet sich nun an, dass die Unternehmen, die das System aufbauen und betreiben sollen, das Risiko nicht tragen wollen. Springt die EU in die Bresche, wird es für die Steuerzahler noch teuer.

Hamburg - Die europäischen Steuerzahler müssen womöglich deutlich mehr für das gemeinsame Satellitensystem Galileo zahlen als bisher bekannt. Dies berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Diplomaten.

Nun, die Spekulation überrascht nicht, denn das Projekt ist seit Jahren von Streitereien begleitet. Zuletzt hatte die EU den Unternehmen, die das Satellitennavigationssystem betreiben sollen, ein Ultimatum gestellt. Bis zum 10. Mai sollten sie einen Konzessionsvertrag für den Bau unterzeichnen.

Nun berichtet die Zeitung, dass die die acht beteiligten Firmen - unter anderen auch die Deutsche Telekom - diese Frist jedoch nicht einhalten wollen, da sie sich weigern, das Risiko der bislang nicht erprobten Technik zu schultern. Damit müsse das vier Milliarden Euro teure Projekt entweder aufgegeben oder aus Steuermitteln vorangetrieben werden, so die Folgerung.

Eigentlich sollte Galileo dem US-Betrieb GPS Konkurrenz machen. Zudem ist es auch als Teil einer europäischen Weltraumpolitik zu bewerten, die EU-Industriekommissar Günter Verheugen proklamiert. Die Konkurrenz schläft jedoch nicht, im Gegenteil: Russland will sein zwischenzeitlich eingemottetes Glonass-System wieder modernisieren und China plant ebenfalls den Aufbau eines Satellitensystems. Gehen die Streitereien in der EU weiter, könnten die beiden "neuen" Satellitenmächte mit ihren Systemen früher auf den Markt kommen.

Und das ist verstärkt das Problem. Denn die Diskussion um Galileo zeigt auch, keiner weiß, ob es tatsächlich einen Markt gibt, und wie der "Business Case" abzustecken ist. So droht aus dem einstigen Prestigeobjekt der EU ein Flop zu werden.

Letztendlich kann auch weiterhin auf das US-System zurückgegriffen werden, das zudem in einiger Zeit auch noch ein verbessertes GPS-Signal anbieten soll. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die EU das Projekt in Eigenregie weiterführen wird, sollten die Unternehmen aussteigen. Dann müssen die Steuerzahler das politische Projekt bezahlen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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