Handys Navigation mit Hindernissen

Immer mehr Hersteller bieten Handys mit integrierter Satellitennavigation an. Mit dieser preisgünstigen Alternative zum Navigationsgerät soll die völlige Orientierungslosigkeit der Vergangenheit angehören. Doch die Geräte bieten noch nicht den gewünschten Komfort.

Hamburg - Mittlerweile ermöglichen nicht mehr nur spezielle Geräte die Wegfindung auf unbekanntem Terrain. Immer mehr Hersteller bieten Handys mit integrierter Satellitennavigation an, sodass es inzwischen bereits ein gutes Dutzend verschiedener Programme gibt.

Entscheidend für die Qualität des Dienstes sind vor allem Umfang und Qualität des Kartenmaterials. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, an die Karten zu kommen. Die eine Hälfte der verfügbaren Navigationsprogramme ist als Software auf dem Gerät installiert oder rechnet mit den auf einer Speicherkarte verfügbaren Daten. Bei der anderen Hälfte kontaktiert das Handy für die Abfragen einen Computer im Internet. Dieser rechnet dann die Route aus und überträgt sie samt Kartenausschnitt auf das Handy. Das klappt bereits mit GPRS, das UMTS-Netz ist kein Muss.

Bei der Software auf dem Navigationsrechner profitieren die Nutzer von stets aktuellen Straßendaten und Stauwarnungen. Kostenlose Software stellen etwa Navigon oder Nokia zur Verfügung. Allerdings muss man Datengebühren von ein bis zwei Euro für die Übertragung der Route auf das Handy bezahlen. Hier bieten sich Daten-Flatrates an. T-Mobile bietet mit Navigate ebenfalls eine kostengünstige Variante. In den 99 Cent Entgelt für die Software sind die Datengebühren bereits enthalten.

Voraussetzung für die Nutzung solcher Dienste ist jedoch, dass sie zuverlässig erreichbar sind. Das ist bislang aber keineswegs selbstverständlich - kleinere Mobilfunkanbieter bieten außerhalb der Großstädte keine hundertprozentige Abdeckung. Die auf dem Handy oder einer Speicherkarte laufende Software funktioniert hingegen zuverlässig auch in abgelegenen Gegenden.

Ärgernis mangelnde Lautstärke

Ärgernis mangelnde Lautstärke

Allerdings müssen Nutzer für Software, Straßenkarte und Speicherkarte zwischen 100 und 200 Euro zahlen. Interessant ist eine solche Lösung daher nur für Vielfahrer. Gleichwohl liegen sie aber bereits in der Preisklasse der günstigsten "Personal Navigation Assistants", wie sie bei Discountern erhältlich sind.

"Ein anderes grundsätzliches Ärgernis bei Handys", sagte Peter Röbke-Dörr vom Computermagazin "C't" nach einer eingehenden Untersuchung des aktuellen Angebots, "ist die mangelnde Lautstärke der Navi-Sprachdurchsagen." Je nach Handy und Software sind die diese unterschiedlich gut zu hören. Die Freisprech-Einrichtung funktioniert zudem eher ausnahmsweise.

Ein Softwareproblem, das nun auch bei Handys auftritt, dürfte Computeranwendern bekannt sein: Die Navigationsprogramme funktionieren nur bei der Betriebssystemsoftware, für die sie geschrieben wurden. Beim Kauf muss man also wissen, ob das Handy auf der Basis von Embedded Windows CE, Windows Mobile, Palm OS oder Symbian OS läuft.

Wichtig bei der Handynavigation ist zudem, dass die Batterien mehrere Stunden durchhalten können. Sie müssen nämlich nicht nur den Farbbildschirm, sondern auch die Tonausgabe ständig mit Strom versorgen können.

Im Vergleich zu herkömmlichen Navigationsgeräten bieten Handy-Navigationsdienste also derzeit noch einen geringeren Komfort und sprechen daher noch nicht den Massenmarkt an. Das dürfte sich allerdings rasch ändern, wenn Satellitennavigation standardmäßig in jedes Handy eingebaut wird und das Zusammenspiel von Software und Gerät reibungslos klappt.

Christiane Schulzki-Haddouti, ddp

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