Windows Mobile 6 Vista wird mobil

Das Ziel ist eindeutig: Mit der neuen Version seines mobilen Betriebssystems will Microsoft dem Blackberry von RIM die Marktführerschaft im Geschäft mit E-Mail-Handys streitig machen. An das Thema Internettelefonie hat sich der Softwarekonzern allerdings immer noch nicht gewagt.

Hamburg - Push-Mail und ein völlig neues Mailprogramm - Kommunikation steht beim neuen Windows für Mobilgeräte im Mittelpunkt. Outlook Mobile wurde derart ausführlich überarbeitet, dass es mittlerweile kaum noch Wünsche offen lässt. Am offenkundigsten zeigt sich das, wenn man eine Mail im HTML-Format verfasst. Solche Nachrichten werden heutzutage immer häufiger verschickt, da HTML etliche Möglichkeiten zur grafischen Gestaltung bietet. Bisher wurden sie auf Windows-basierten Smartphones und Handhelds allerdings nur fragmentarisch dargestellt.

Damit ist jetzt Schluss. Wie am PC werden Texte in HTML-Mails jetzt auch an mobilen Geräten samt sämtlicher Schnörkel und Farbspielereien, also auch gelber Text auf rosa Hintergrund, angezeigt. Auch eingebettete Bilder versucht die Software nach Kräften auf den Bildschirm zu zaubern. Das gelingt auch grundsätzlich, ist je nach Bildschirmgröße aber nicht immer sinnvoll.

Push it

Bedeutend wichtiger für die Attraktivität künftiger Windows-Handys dürfte allerdings die Fähigkeit sein, Push-Mail zu empfangen. Bei dieser Methode werden neue Nachrichten automatisch an das Handy geschickt, eine manuelle Abfrage ist nicht mehr nötig - man ist immer auf dem neuesten Stand. Bisher sind hier die E-Mail-Handys von Research in Motion (RIM) unangefochtene Marktführer. Das würde Microsoft  offenkundig gerne ändern. Kein Wunder, denn nach Analysen der Marktforschungsinstituts Gartner soll der Markt für Push-Mail-Lösungen bis 2010 von derzeit zehn Millionen auf rund 230 Millionen Nutzer anschwellen.

Allerdings funktioniert Microsofts Push-Mail nur im Zusammenspiel mit einem Microsoft Exchange Server, wie er vornehmlich von Unternehmen genutzt wird. Wer nicht über einen solchen verfügt, kann sich jedoch, verspricht Microsoft, ein kostenloses Hotmail-Konto mit Push-Funktion einrichten.

Darüber hinaus kommen private Anwender in den Genuss einer Funktion, auf die Viele schon gewartet haben: Outlook Mobile kann Webmail-Konten jetzt komfortabel abfragen. Die Einrichtung eines Webmail-Kontos geht, dank vielfältiger Voreinstellungen, sehr leicht von der Hand. Microsoft verspricht, dass man nicht mehr als fünf Schritte absolvieren muss, um eine Konto einzurichten.

Fern-Formatierung

Fern-Formatierung

Um mobilen Mailversendern die Möglichkeit zu geben, selbst zu bestimmen, wer welche Teile ihrer Mails lesen, drucken oder weiter versenden darf, wurde ein Informationsrechtemanagement (IRM) eingebaut. Systemadministratoren dürfte dagegen vor allem freuen, dass sie nun auch für die mobilen Geräte bestimmte Sicherheitseinstellungen vorgeben können.

Bedeutend interessanter ist jedoch, dass Geräte mit Windows Mobile auch aus der Ferne in den Auslieferungszustand zurückversetzt werden können. Alle gespeicherten Daten gehen dabei verloren. Auf diese Weise soll man bei Verlust oder Diebstahl des Gerätes sicherstellen können, dass geheime Daten nicht in fremde Hände gelangen. Einzige Voraussetzung: Damit der Funkbefehl zum Löschen gegeben werden kann, muss das Gerät mit dem Internet verbunden sein.

Reichlich Arbeit haben Microsofts Entwickler ganz offensichtlich dem Mobile Office gewidmet. Diese Softwaresammlung, die auf jedem Windows-Mobile-6-Gerät vorinstalliert ist, ermöglicht das Lesen und Bearbeiten von Office-Dokumenten, die am PC erstellt wurden. Zum Paket gehören die Mobilversionen von Outlook, Word, Excel und Powerpoint.

Windows Live inside

Perfekt funktioniert das abgespeckte Mini-Office allerdings noch nicht. Das Hauptproblem: Obwohl die Programme gegenüber ihren Vorläufern einiges dazugelernt haben, kann es immer noch vorkommen, dass sie Dateien beim Abspeichern verändern. Das betrifft vor allem Formatierungsanweisungen. Da nicht alle Fähigkeiten der Desktop-Programme von ihren mobilen Pendants unterstützt werden, kann ein Geschäftsbrief daher durchaus anders aussehen, nachdem man ihn am Handheld überarbeitet hat.

Mit Macht forciert Microsoft  beim neuen Windows Mobile die Nutzung der hauseigenen Internetplattform Windows Live. Sämtliche online verfügbaren Dienste sind direkt vom Smartphone oder PDA abrufbar. So führt beispielsweise die Internet-Suchfunktion direkt auf den Suchdienst von Windows Live. Ebenso kann man die Kontaktverwaltung und sogar das Windows-Live-Bloggerportal Spaces nutzen.

Da wundert es kaum, dass auch der Chatanwendung Windows Live Messenger ein besonderer Platz gewidmet wurde. Künftig soll man darüber mit mehreren Anwendern gleichzeitig Chatten, Dateien austauschen und Sprachnachrichten versenden können. Wohl dem, der unterwegs soviel Zeit hat.

Internettelefonie nur als Option

Internettelefonie nur als Option

Bereits jetzt sind etliche Smartphones zusätzlich zu GSM sowie UMTS- und EDGE-Datenfunk mit W-Lan-Funktionen ausgerüstet. Die werden aber in der Regel nur zu reinem Datenaustausch genutzt und nicht etwa für billige Internettelefonie an Hotspots.

Daran wird sich augenscheinlich auch mit Windows Mobile 6 nichts ändern. Zwar sind Voice-over-IP-Funktionen (VoIP) bereits in das System integriert, werden aber nur auf Wunsch des jeweiligen Providers freigeschaltet. Und eben dieser Wunsch dürfte bei den Netzbetreibern kaum ausgeprägt sein. Schließlich verdienen sie mehr, wenn sie Telefongespräche über ihr herkömmliches GSM-Netz abwickeln. Nach Angaben von Microsoft-Managern ist vorerst nicht damit zu rechnen, dass hierzulande Windows-Smartphones mit VoIP-Funktion angeboten werden. Im Nachbarland Frankreich hingegen schon.

Der Datenabgleich mit dem PC ist unter Windows Vista besonders komfortabel. Anwender, die bereits auf das neue Windows umgestiegen sind, verwöhnt Microsoft  mit dem "Windows Gerätecenter". Das ist zwar nicht im originalen Windows enthalten, kann aber als Update aus dem Netz heruntergeladen werden. Gegenüber seinem Vorgänger, der Abgleichsoftware ActiveSync, geht das "Gerätecenter" stabiler und zuverlässiger zu Werke. Zudem synchronisiert es neben Kontakten und Terminen auch die Bestände an multimedialen Inhalten, also Musik, Fotos und Filme.

Breite Unterstützung

Nutzer älterer Windows-Betriebssysteme müssen sich dagegen weiterhin mit dem alternden ActiveSync begnügen. Ein "Gerätecenter" beispielsweise für Windows XP ist nicht geplant.

Geplant sind dagegen reichlich neue Geräte, die ab Werk mit dem neuen Mobil-Windows ausgestattet sein sollen. Laut Microsoft haben bereits mehr als 50 Hersteller angekündigt, das neue Betriebssystem einsetzen zu wollen. Die ersten Windows-Mobile-6-Gerät kommen bereits dieser Tage in den Handel. Für einige ältere Modelle soll es zudem Updates geben. Das Interesse an solchen Aktualisierungen ist allerdings von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich. Logischerweise wollen die Produzenten lieber Neuware unters Volk bringen.

Ausgerechnet Palm , die mit ihrem eigenen Handheld-Betriebsystem Palm OS erfolgreich Handhelds und Smartphones anbieten und lange Zeit unangefochtener Marktführer waren, geht hier mit gutem Beispiel voran. Für das Palm-Smartphone Treo 750 wird es ein Update auf das neue Mini-Windows geben. Hoffentlich folgen weitere Anbieter diesem Beispiel.

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