Web-Apotheke Celesio schluckt DocMorris

Europas größter Pharmahändler Celesio hat rund 90 Prozent der niederländischen Onlineapotheke DocMorris erworben. Die übrigen 10 Prozent der Geschäftsanteile verbleiben bei DocMorris, teilte Celesio mit.

Stuttgart - Das Bundeskartellamt muss der Übernahme noch zustimmen. Finanzielle Details nannte Celesio  zunächst nicht.

Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass der Pharmahändler rund 200 Millionen Euro für DocMorris zahle. Die Internetapotheke werde in diesem Jahr einen Gewinn von weniger als zehn Millionen Euro erwirtschaften, fügte die Person hinzu. Celesio und DocMorris lehnten eine Stellungnahme ab.

Celesio hatte in einer Mitteilung bekannt gegeben, dass sich der MDax-Konzern mit dem Kauf von DocMorris die einzige deutschlandweit bekannte Apothekenmarke sichern wolle. Gleichzeitig setze das Unternehmen damit ein klares Zeichen gegen Discountanbieter und Investoren.

Mit der Übernahme wolle Celesio auch die Position der Kunden ihrer deutschen Tochter im Wettbewerb stärken. DocMorris hat nach eigenen Angaben bundesweit mit inzwischen 20 Apotheken Markenpartnerschaften geschlossen. Celesio hatte erst am Mittwoch die Übernahme von 63 Apotheken in Großbritannien bekannt gegeben.

Der Gründer von DocMorris, Ralf Däinghaus, sagte, mithilfe von Investoren sei in den vergangenen sieben Jahren ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt worden: "Nun brauchen wir für die Zukunft einen strategischen Partner, um weiter in unserem Tempo expandieren zu können." Mit dem größten Pharmahändler Europas an der Seite "können wir unseren Weg konsequent weitergehen". Der Ausbau der Markenpartnerschaften mit Apotheken in Deutschland solle verstärkt vorangetrieben werden.

Däinghaus zufolge gab es mehrere Interessenten für den Kauf. "Eigentlich gab es immer ein latentes Interesse an DocMorris, das ist aber explodiert, als wir uns Anfang des Jahres entschieden haben, eine Apothekenkette aufzubauen." Von da an habe DocMorris viele Anfragen vornehmlich aus dem europäischen Ausland und den USA erhalten.

Schlecker sucht Apotheker

Schlecker sucht Apotheker

Celesio-Chef Fritz Oesterle hatte vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem "Handelsblatt" gesagt, er erwarte einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb auf dem deutschen Apothekenmarkt. Er gehe nicht davon aus, dass das Fremd- und Mehrbesitzverbot in einem Jahr noch steht. Der Fall liege bereits beim Europäischen Gerichtshof, der wahrscheinlich gegen das deutsche Apothekenrecht entscheiden werde.

In Deutschland kann ein Apotheker maximal vier Apotheken betreiben. Außerdem darf nur ein ausgebildeter Apotheker eine Apotheke führen. Damit wird bislang verhindert, dass große Apothekenketten unter Regie eines Konzerns entstehen.

Beim Fall des Verbots sei zu erwarten, dass private Investoren und Drogeriemärkte wie etwa Schlecker im großen Stil in das Apothekengeschäft einsteigen. Schlecker sucht laut "Handelsblatt" per Chiffre-Anzeige bereits Apotheker für den Aufbau einer neuen europäischen Vertriebsstruktur im Pharmaziebereich.

Celesio erzielte eigenen Angaben zufolge 2006 mit 36.000 Mitarbeitern in 16 Ländern einen Umsatz von 21,6 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis stieg von 554,5 Millionen Euro auf 590,1 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr hatte sich Vorstandschef Oesterle optimistisch gezeigt. Beim Vorsteuerergebnis werde 2007 mit einem Anstieg gerechnet, der voraussichtlich über der Wachstumsrate des Vorjahres liegen werde.

DocMorris ist nach eigenen Angaben Europas größte Versandapotheke mit einem Umsatz von 172 Millionen Euro im Jahr 2006. Sitz der Gesellschaft ist Heerlen in den Niederlanden. In den nächsten drei bis fünf Jahren plant DocMorris 500 Apotheken als Kooperationspartner zu gewinnen.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp und reuters

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