Microsoft-Chef "Die Leute wollen mit ihren PCs sprechen"

Wenn es nach Microsoft-Chef Steve Ballmer geht, gehört der herkömmliche Desktop-Rechner schon bald der Vergangenheit an. In seiner Vision einer digitalen Zukunft können PCs sprechen, Kühlschränke den Wetterbericht anzeigen und das Büro passt bequem in eine Hosentasche.
Von Petra Blum

Hamburg/Berlin - Für den Chef von Microsoft , Steve Ballmer, ist die Zukunft vor allem eins: digital. In Ultraleicht-PCs, sprechenden Computern und dem vernetzten Heim sieht er die wichtigsten technologischen Trends, die den Alltag verändern werden. "Alle Kommunikationsarten, Medien und Unterhaltungsformen werden sich zukünftig in digitaler Form abspielen", erklärt der Konzernchef im Gespräch mit dem Nachrichtensender n-tv.

In der schönen neuen digitalen Welt, die Ballmer ausmalt, soll vor allem die Art, wie Nutzer mit ihrem Computer kommunizieren, bedeutend einfacher und zugänglicher werden. "Die Leute möchten mit ihrem PC sprechen. Sie wollen, dass ihr Computer sie aufweckt, erkennt und sagt: 'Schön, dich zu sehen'", so der Chef von Microsoft.

"Momentan sprechen wir noch in einer seltsamen Sprache mit unserem Rechner - über Ordner und Befehle wie 'Öffnen' oder Ähnliches", so Ballmer. "Die Entwicklung geht aber in Richtung einer höherwertigen Kommunikation mit dem PC, wo man ihm Dinge, die er tun soll, sehr einfach mitteilen kann - ähnlich wie ein Chef seiner Sekretärin - und der PC den Rest eigenständig erledigt."

So soll der Computer der Zukunft konstant auf verbale Zurufe reagieren. Wer beispielsweise gerade etwas Interessantes im Fernsehen gesehen hat und den Tipp spontan einem Freund weitergeben will, müsse nicht mehr zum Telefonhörer greifen.

"Sie sagen einfach nur, 'Hallo Steve, hast du das gesehen?' Dann wird der PC nach der Person suchen, die sie mit 'Steve' meinen könnten und wird die Person finden, wo immer auf der Welt sie gerade ist. Wenn es der Betreffende erlaubt, wird er hören können, dass Sie mit ihm sprechen." Der Microsoft-Chef hofft darauf, dass auf diese Weise eine neue, unkompliziertere Art der sozialen Interaktion möglich wird, die sich mehr an den natürlichen Gewohnheiten der Menschen ausrichtet.

Aber die Rechner der Zukunft sollen nicht nur das Sprechen lernen, auch die mühsame Dateneingabe über Tastatur und Maus soll bald der Vergangenheit angehören. Microsoft hat bereits ein Interface entwickelt, das jede beliebige Oberfläche in einen Touchscreen verwandeln kann. Der Prototyp arbeitet mit einer Kombination aus Projektor, Kamera und Computer und ermöglicht es, per Fingertipp Daten anzusehen und zu bearbeiten.

Der Kühlschrank als Terminplaner

Der Kühlschrank wird zum Terminplaner

"Die Leute wollen mit Informationen interagieren, wie sie es ja teilweise heute schon tun. Unsere Kommunikation mit dem PC besteht ja nicht nur aus Tippen und Klicken, sondern die Nutzer wollen etwas anfassen, fühlen und bewegen", erläutert Ballmer die Technologietrends der Zukunft.

Digitalisierung und Vernetzung - diese Trends werden nach Ballmers Vision den Alltag drastisch verändern, auch zu Hause. Der Kühlschrank ist nicht mehr nur Haushaltsgerät, sondern wird über einen eingebauten Bildschirm gleichzeitig zum Terminplaner, Wetterdienst oder Nachrichtensender. "Wir reden hier über Dinge, die sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln werden", erklärt Ballmer.

Auch für den Arbeitsplatz prophezeit der Microsoft-Chef gravierende Veränderungen: "Innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre wird Papier vollständig ersetzt werden", sagt er zuversichtlich. Stattdessen soll sich alles in eine interaktive Nutzeroberfläche verwandeln lassen - der Flipchart genauso wie der Konferenztisch. Geschäftstreffen sollen auf riesige Wände projiziert und dadurch für Mitarbeiter unterschiedlicher Standorte zugänglich werden.

"Wenn Sie möchten, können Sie Ihr Büro natürlich auch in der Tasche mit sich herumtragen", so Ballmer. Dafür sollen Handys sorgen, die so intelligent sind wie ein Desktop-Rechner und Ultraleicht-PCs, die alle gängigen Funktionen abdecken, wie beispielsweise telefonieren, im Internet surfen, Büroarbeiten und das Abspielen von Filmen oder Musik.

Wie viel ein Exemplar dieser künftigen PC-Generation in etwa kosten wird, wollte der Konzernlenker nicht verraten. Aber für alle, die sich den Einstieg in die neue Microsoft-Welt nicht leisten können, hat Ballmer einen Trost: "Alles, was heute noch teuer aussieht, wird morgen schon nicht mehr so teuer sein. Das ist das fundamentale Prinzip von Mikroelektronik."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.