Axel Springer Döpfner haut auf die Pauke

Nach einem Umsatzrückgang im vergangenen Jahr rechnet der Medienkonzern Axel Springer für 2007 wieder mit einem Plus. Dieses Ziel will der Verlag durch verstärkte Onlineaktivitäten erreichen. Doch auch der Printbereich soll auf seine Kosten kommen.

Berlin - Der Axel-Springer-Verlag will mit digitalen Medien und Firmenübernahmen im In- und Ausland wachsen. Gleichzeitig will der Konzern das Kerngeschäft im Printbereich stärken. Nach einem leichten Umsatzrückgang auf 2,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr rechne Springer für 2007 wieder mit einem Plus, sagte Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner auf der Hauptversammlung am Donnerstag.

Je nach Höhe der Investitionen werde Springer ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) unter dem bereinigten Volumen von 340 Millionen Euro im Jahr 2006 in Kauf nehmen. Der Vorstand schlug eine Dividende von 3,50 Euro pro Aktie vor, doppelt so hoch wie im Vorjahr. Der Überschuss legte um 29 Prozent auf 291 Millionen Euro zu.

Das Ebita erhöhte sich von 338 Millionen Euro 2005 auf 374 Millionen Euro. Hier schlug jedoch ein Sonderertrag aus der Kirch-Insolvenz zu Buche, ohne den das Ergebnis 2006 bei 340 Millionen Euro gelegen hätte.

Springer bleibe der profitabelste deutsche Großverlag, lobte Döpfner sich selbst. Die Medienbranche stehe aber vor strukturellen Herausforderungen, vor allem auf dem Werbemarkt. "Ganz so rosig" sei die Lage im vergangenen Jahr nicht gewesen.

Aktionärsvertreter nannten die Entwicklung der Springer-Aktie mit einem jährlichen Kurswachstum von durchschnittlich 29 Prozent "hervorragend". Während 2002 der Kurs noch bei 49,20 Euro lag, wurde das Papier Ende 2006 mit 136,45 Euro gehandelt. Allerdings sollte die Ausschüttungsquote von zurzeit 44 Prozent auf 50 Prozent erhöht werden.

Nach der gescheiterten Übernahme von ProSiebenSat1  werde Europas größtes Zeitungshaus die Aktivitäten für das Internetfernsehen (IPTV) deutlich ausbauen, sagte Döpfner. Neben dem digitalen Geschäft gehörten der neue Auftritt von "Welt Online" sowie die E-Commerce-Kooperation mit KarstadtQuelle  zu den Schwerpunkten.

Print "nicht zu Grabe tragen"

Print "nicht zu Grabe tragen"

Zur TV-Strategie Springers zählt auch die Beteiligung an den Regionalsendern Hamburg 1 (27 Prozent) und TV Berlin (22 Prozent) sowie an der führenden türkischen Sendergruppe Dogan TV (25 Prozent). Die Beteiligung an der polnischen TV-Gruppe Polsat (25,1 Prozent) werde zurzeit von den polnischen Kartellbehörden geprüft.

Trotz der verstärkten Onlineaktivitäten sollte man das deutsche Print-Kerngeschäft "nicht zu Grabe tragen", sagte Döpfner. Die 14-tägig erscheinende Programmzeitschrift "TV Guide", die im März erstmals an die Kioske ging, sei ein Beispiel für die anhaltende Bedeutung der Druckprodukte für das Haus.

Die "Bild"-Gruppe habe das Rekordergebnis des Vorjahres übertroffen. "Die Welt" und "Welt Kompakt" hätten im dritten Quartal 2006 mit einer durchschnittlichen Auflage von 270.000 Exemplaren ihr bestes Ergebnis erzielt. Die "Welt"-Gruppe schreibe noch keine schwarzen Zahlen. "Die Chancen dafür sind so groß wie nie zuvor". Wenn es soweit sei, "werden wir das laut herausposaunen", sagte Döpfner.

Nach dem Erfolg mit dem Boulevardblatt "Fakt" in Polen will Springer bis zum Sommer über ein ähnliches Blatt in Frankreich entscheiden.

Vor Beginn der Hauptversammlung hatte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) vor dem Verlagssitz protestiert. Unter dem Motto "Qualität gibt es nicht zum Nulltarif" forderte die Gewerkschaft eine bessere Vergütung für freie Journalisten. Freien Mitarbeitern werde die Existenzgrundlage genommen, während das Unternehmen immer neue Erfolgszahlen vermeldete, erklärte der DJV. Die Gewerkschaft kritisiert insbesondere die umfangreichen Nutzungsrechte, die sich der Verlag an den Beiträgen freier Journalisten sicherte.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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