Verdi-Proteste Telekom erhöht Druck

Die Deutsche Telekom schließt im Streit mit Verdi einen Alleingang nicht mehr aus. Der Konzern will die geplante Auslagerung von Arbeitsplätzen in selbstständige Servicegesellschaften zum 1. Juli auch ohne eine Einigung mit der Gewerkschaft durchsetzen.

Bonn - Wenn bis Ende April keine Tarifvereinbarung erzielt sei, werde die Deutschen Telekom  allein handeln, sagte Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, der als kommissarischer Personalvorstand die Verhandlungen führt.

Der Konzern werde den Mitarbeitern in den neuen Unternehmen freiwillige Angebote machen, die sich an Tarifverträgen bei T-Mobile und den T-Punkten orientieren könnten, die früher mit Verdi geschlossen worden seien. Für die rechtliche Verselbstständigung der Bereiche Service und Callcenter sei die Mitwirkung der Gewerkschaft nicht erforderlich, erläuterte Eick.

Er hoffe aber dennoch auf einen Kompromiss, sagte der Vorstand. Die Telekom sei jederzeit verhandlungsbereit, "auch noch diese Woche und wenn nötig auch am Wochenende". Sie habe ein Gesamtpaket vorgelegt, das eine moderate Gehaltsabsenkung auf Konkurrenzniveau in einer sehr sozialverträglichen Form ermögliche, meinte Eick. Der Vorstand sei bereit, sogar die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze "in signifikanter Größe" zu versprechen, da durch die ebenfalls angestrebte Verlängerung der Wochenarbeitszeit die Fremdvergabe von Arbeit deutlich reduziert werden könnte.

Drohungen der Gewerkschaft mit einem sogenannten Erzwingungsstreik begegnete Eick mit dem Hinweis auf mögliche rechtliche Schritte. "Wir werden uns den Rechtsweg offen halten", sagte er, zumal schon die gegenwärtigen Warnstreiks juristisch fragwürdig seien.

Die Telekom will die Wochenarbeitszeit für die 50.000 Beschäftigten im Service und in den Callcentern auf 38 Stunden erhöhen. Außerdem soll ein zusätzliches Arbeitszeitbudget von 100 Stunden pro Jahr dabei helfen, Arbeitsspitzen abzufangen. Zugleich sollen die Gehälter für Neueinstellungen ab 1. Juli um 12 Prozent unter das heutige Niveau gesenkt werden.

Für die vorhandenen Angestellten sollen die Gehälter in Stufen bis 2010 um 12 Prozent sinken, wobei nötigenfalls ein Härtefallfonds Probleme abfedern soll. Im Gegenzug verspricht die Telekom einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und auf einen Verkauf der T-Service-Einheiten bis Ende 2010.

manager-magazin.de mit Material von ap