Mobile Auslandsgespräche Kostenfalle austricksen

Die EU will die horrend hohen Preise für mobile Auslandsgespräche deutlich reduzieren. Auf den Rechnungen der Kunden werden sich die Tarifsenkungen aber voraussichtlich erst im kommenden Jahr bemerkbar machen. Wer sich vorher informiert, kann schon im nächsten Urlaub viel Geld sparen.

Hamburg - Wer sein Handy im Ausland genauso nutzt wie zuhause, wurde für sein unbesorgtes Handeln bislang mit enorm hohen Mobilfunkrechnungen abgestraft. Das Problem: im Ausland gelten andere Tarife als im Inland. Zusätzlich zu den normalen Gesprächsgebühren erheben die Netzbetreiber sogenannte Roaminggebühren und fordern damit eine Art Wegzoll für die Nutzung ihrer Netze.

Zimperlich waren sie dabei noch nie und legten teilweise Tarife fest, die um mehrere Größenordnungen über den Inlandstarifen liegen. Für ein Gespräch von den Malediven nach Deutschland, etwa, um den Lieben daheim vom schönen Urlaub vorzuschwärmen, muss man beispielsweise bei E-Plus 2,49 Euro investieren - pro Minute wohlgemerkt.

Das unterschiedliche ausländische Netzbetreiber darüber hinaus auch noch unterschiedliche Gebühren verlangen, je nachdem, mit welchem Provider man zuhause einen Vertrag hat, kommt erschwerend und verwirrend hinzu. Ist das Mobiltelefon auf automatische Wahl des Netzes eingestellt, kann man auf diese Weise unnötig hohe Preise zahlen, auch wenn das günstigere Partnernetz eigentlich verfügbar wäre. Besser ist es daher, das Handy auf manuelle Wahl des Netzbetreibers einzustellen.

Welcher Partner ist am günstigsten?

Manche Geräte bieten auch eine Funktion an, um eine Art Rangliste zu erstellen, die angibt, in welcher Reihenfolge die Kontaktaufnahme mit den Partnernetzen durchprobiert werden soll. Wer diese Einstellungen sinnvoll vornehmen will, sollte sich allerdings vorher genau informieren, mit welchem Auslandsanbieter sein Provider die besten Tarife ausgehandelt hat.

Die Webseiten der vier großen deutschen Anbieter sind da wenig hilfreich. Erstklassige Hilfe findet man dagegen auf der Website GSM Europe . Dort kann man sich für alle europäischen Urlaubsländer die unterschiedlichen Tarife der Vertragspartner von T-Mobile, Vodafone und O2 anzeigen lassen. Der günstigste wird dabei optisch hervorgehoben. Leider fehlen dem Angebot die Daten von E-Plus, was aber nicht weiter schlimm ist. Denn der Provider mit dem grünen Logo hebt sich durch eine übersichtliche Tabelle seiner EU-Partner  löblich hervor.

Schon jetzt sparen

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Als Trend kann man bezeichnen, dass die Provider nur informierten Kunden günstige Tarife anbieten. Bei T-Mobile etwa kostet ein Anruf von Spanien nach Deutschland im ohnehin schon günstigen Relax-Holiday-Tarif 0,67 Euro pro Minute. Bucht man hingegen die Option "T-Mobile weltweit" zu einem beliebigen T-Mobile-Tarif hinzu, reduziert sich der Preis für Roaminggespräche innerhalb der EU auf 0,59 Euro.

Europäische Roaming-Preise (jeweils günstigster Tarif)

T-Mobile Vodafone O2 E-Plus
Aktueller Tarif 0,59 0,75 0,59 0,79
EU-Vorschlag 0,40 0,40 0,40 0,40
Einsparung…
...pro Minute 0,19 0,35 0,19 0,39
...bei 10-Minuten 1,90 3,50 1,90 3,90
...bei 30 Minuten 5,70 10,50 5,70 11,70
...bei 60 Minuten 11,40 21,00 11,40 23,40
Das werden Sie sparen: Das EU-Parlament soll im Mai über eine Obergrenze für Roaming-Gebühren entscheiden. Maximal 0,40 Euro pro Minute sollen die Provider künftig für abgehende Gespräche berechnen dürfen. SPIEGEL ONLINE hat für Sie ausgerechnet, wieviel weniger Sie mit den künftigen EU-Tarifen gegenüber der aktuellen Preisgestaltung bezahlen müssen. (Alle Angaben in Euro pro Gesprächsminute)

Interessant an diesem Preismodell ist, dass die Option ohne Aufpreis zu jedem Mobilfunkvertrag und auch zu Prepaid-Angeboten gebucht werden kann. Bleibt die Frage, warum der günstigere Preis dann nicht gleich allen Kunden generell berechnet wird.

Auslandsoption online buchen

Die Vermutung, dass dieses Prinzip dennoch Erfolg zu haben scheint, bestätigt sich bei einem Blick auf die Preise der Konkurrenten. Auch Vodafone bietet eine kostenlose Roamingoption unter dem Namen "Reise Versprechen" an. Bei O2 heißt das entsprechende Angebot "EU-Option" und ermöglicht immerhin innerhalb von 17 europäischen Ländern das Telefonieren zu günstigeren Preisen.

Für Kunden des vierten großen Mobilfunanbieters, E-Plus, gelten "im Regelfall" die als "E-Plus International" bezeichneten Auslandstarife. Eine Zusatzoption muss man dort also nicht buchen. Obwohl das gerade bei E-Plus attraktiv wäre, da die Roamingpreise dieses Anbieters innerhalb der EU zwischen 0,79 und 0,99 Euro pro Minute liegen - und damit zum Teil deutlich über den Billigoptionen der Konkurrenz.

Wer bei seinem Anbieter also die Möglichkeit hat, sollte flugs dessen Auslandsoption buchen. Das tut man am besten online. Denn beispielsweise O2 verlangt für die Buchung über das Kundencenter eine Gebühr in Höhe von 15 Euro, Online hingegen wird man nur 2,50 Euro los.

Alternativen

Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, beim Telefonieren im Ausland zu sparen. Die einfachste: Man kauft sich im Reiseland eine Prepaidkarte eines dort ansässigen Mobilfunkanbieters. Auf die Weise erspart man sich die Roaminggebühren ganz und zahlt stattdessen normale In- und Auslandtarife. Der Nachteil: Man kann seine gewohnte Rufnummer nicht mitnehmen und muss eventuellen Anrufern erst die neue Auslandsrufnummer mitteilen.

Eine Hightech-Alternative bilden Handys, die sich per Voice over IP als Internettelefone in Funknetzwerke (W-Lan) einloggen. Ist ein günstiges oder gar kostenloses Funknetz am Urlaubsort vorhanden, ist dies die mit Abstand günstigste Alternative zum Handyroaming. Der Nachteil: Entsprechende Handys sind zum Teil noch sehr teuer und W-Lans in den meisten Feriengebieten nur spärlich verteilt.

Aber, wenn die Pläne der EU durchgesetzt werden, muss man sich darüber bald keine Sorgen mehr machen. Vielmehr steht zu erwarten, dass, wenn der maximale Preis pro Gesprächsminute auf 0,40 Euro pro Minute festgelegt wird, sich die Provider sogar mit noch günstigeren Tarifen zu unterbieten versuchen. Und dann wird es auch im Ausland immer häufiger heißen: "Ruf doch mal an."