Apple TV Der iPod fürs Wohnzimmer

Mit der Settop-Box Apple TV will sich der US-Konzern nun auch Einlass in die Wohnzimmer der Welt verschaffen. Im Test zeigt sich, dass das Gerät nicht nur gut aussieht, sondern auch Spaß bringt. Einige Mängel gibt es aber dennoch.

Hamburg - Die Erstinstallation der knapp 300 Euro teuren Videoflunder ist so simpel wie man es sich für ein derartiges Gerät wünscht. Verglichen mit anderen Netzwerk-Settop-Boxen gehen die Grundeinstellungen hier schnell und einfach von der Hand. Einen Router, egal ob drahtgebunden oder drahtlos, braucht man allerdings schon. Apple  empfiehlt natürlich den hauseigenen W-Lan-Router Airport Extreme. Wer allerdings schon ein vergleichbares Gerät besitzt, muss sich für Apple TV keine neue Hardware anschaffen.

Da Router in Heimnetzwerken die internen Netzwerkadressen üblicherweise über das DHCP-Protokoll verteilen, beschränkt sich die Netzwerkkonfiguration beim Apple TV meist auf wenige Schritte. Zunächst gilt es auszuwählen, mit welchem Netzwerk, drahtlosen W-Lan oder verkabelten Lan, sich das Gerät verbinden soll.

Das ist vor allem dann wichtig, wenn die W-Lans der Nachbarn in die eigene Wohnung einstreuen. Danach muss bei W-Lans das Netzwerkpasswort eingegeben werden. In Ermangelung einer Tastatur behilft sich Apple hier mit einer auf den Bildschirm eingeblendeten Tastatur, auf der man mit der Fernbedienung Buchstaben auswählt. Das geht erstaunlich schnell und einfach und ist ohnehin nur einmal zu erledigen.

Nicht nur auf HD-Fernsehern

Nach Angaben des Herstellers ist Apple TV mit "Breitformat-, ED- oder HD-Fernsehgeräten mit folgenden Auflösungen kompatibel: 1080i, 720p, 576p und 480p." Mit anderen Worten, wer noch einen gewöhnlichen Pal-Röhrenfernseher besitzt, schaut in die Röhre. Einige Anwender berichten jedoch davon, ebensolche Geräte erfolgreich mit dem Apple TV verbunden zu haben . Zusätzlich zur den von Apple offiziell vorgegebenen Bildformaten werden dann noch die Standard-TV-Auflösungen 480i (NTSC) und 576i (Pal) angeboten.

Damit dieser Trick funktioniert, muss das Gerät aber zumindest mit einem sogenannten Komponenteneingang, erkennbar an drei meist mit den Farben Rot, Grün und Blau markierten Anschlussbuchsen, ausgestattet sein. Hierzulande ist dieser Anschlusstyp eher selten zu finden.

Als Notnagel könnten Adapter dienen, die das Komponentensignal auf den bei europäischen Fernsehern üblichen Scart-Anschluss umsetzen. Solche Adapter gibt es für rund 20 Euro. Der funktioniert aber nur, wenn das angeschlossene TV-Gerät mit dem konvertierten Signal etwas anfangen kann. Im Zweifel sollte man sich bei seinem Händler ein Rückgaberecht für den Fall zusichern lassen, dass die Signalkonvertierung nicht von Erfolg gekrönt ist.

Musik, Videos und Diashows

Musik, Videos und Diashows

Dasselbe würde dann allerdings auch für Apple TV gelten. Dieser Weg ist daher nur für experimentierfreudige Naturen geeignet. Zumindest so lange, bis sich jemand die Mühe macht, eine Liste Apple-TV-kompatibler Standard-TV-Geräte zusammenzustellen.

Sind alle Verbindungen hergestellt, sollte man sich als Nächstes daran machen, in iTunes die notwendigen Einstellungen zum Datenaustausch zwischen Rechner und Box vorzunehmen. In iTunes selbst kann man nämlich vorgeben, welche Musiktitel, Abspiellisten, Fotosammlungen, Podcasts und Videos auf die Festplatte von Apple TV übertragen werden sollen.

Dabei sollte man mit Bedacht vorgehen. Wer schon Tausende Musiktitel, etliche Videos und die Digitalfotos der letzten zehn Jahre mit iTunes verwaltet, scheitert ansonsten an der mit 33 Gigabyte doch arg begrenzten Nettokapazität der Apple-TV-Festplatte. Allerdings muss man auch nicht alles auf diese Platte übertragen. Was nicht regelmäßig gebraucht wird, kann sich die Box auch via Netzwerk-Streaming direkt vom Rechner holen.

Nachteil dieser Methode: Der fragliche Mac oder PC muss dazu eingeschaltet sein und verbraucht dabei natürlich Strom, den man sich durch Verwendung einer größeren Festplatte sparen könnte. Bastler haben allerdings auch schon einen Austausch des mitgelieferten Festspeichers gegen größere Modelle geschafft.

TV-Schlappe

Die Steuerung mit der minimalistischen Apple-Fernbedienung geht locker von der Hand. Beim Abspielen von Musik, Videos und bei der Widergabe von Podcasts und Fotos steht der Funktionsumfang dem von iTunes in kaum etwas nach. Und das macht Spaß. Gerade Video-Podcasts kommen auf einem TV-Bildschirm oft besser zur Geltung als auf einem Computerdisplay. Für Digitalfotos gilt dasselbe. Zudem ist eine Diashow im Wohnzimmer einfach gemütlicher als am Schreibtisch. Genau wie am Rechner kann man die Bildervorführung mit Musik nach Wahl unterlegen.

Da im Apple TV kein Fernsehempfänger integriert ist, bleibt man auf TV-Konserven angewiesen. Da es die im deutschen iTunes Store derzeit noch nicht zu kaufen gibt, muss man hier auf eigenes Material aus dem Camcorder oder von der TV-Karte zurückgreifen. Leider aber funktioniert beispielsweise das Zusammenspiel mit der am Mac weit verbreiteten TV-Software eyeTV noch nicht so, wie man es sich wünschen würde. Zwar kann man Filme im iPod-Format exportieren und via iTunes an Apple TV senden, die haben dann aber maximal VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel). Zudem dauert der Export eines einstündigen Films selbst auf einem Dualprozessor-Mac gut eine Stunde. Immerhin, der Hersteller Elgato arbeitet an einer Lösung, die sogar den Transfer hochauflösender TV-Aufzeichnungen ermöglichen soll.

Heiße Kiste mit mangelndem Zubehör

Heiße Kiste mit mangelndem Zubehör

So wie man es sich im Wohnzimmer wünscht, kommt Apple TV ohne einen Lüfter aus. Das schont die Ohren, bedeutet aber auch, dass sich das Gerät im Betrieb ordentlich aufheizen kann. Selbst im Standby-Modus bleibt der Apparat stets warm genug, um eine Tasse Tee auf Trinktemperatur zu halten. Man sollte das kleine Kistchen deshalb lieber nicht auf einem ohnehin zur Aufheizung neigenden Digital-TV-Decoder oder HD-Rekorder platzieren.

Allerdings weist die Wärmeentwicklung auch auf einen Schwachpunkt hin. Offenbar ist es den Entwicklern nicht gelungen, die Stromsparfunktionen der eingebauten Intel-Chips vollständig zu nutzen. Hier scheint noch etwas Feinschliff nötig.

Ausgesprochen knickerig ist Apple mit dem Zubehör. Neben der eigentlichen Settop-Box liegen lediglich ein Netzkabel, die Fernbedienung sowie eine CD und eine Kurzanleitung im Karton. Passende Anschlusskabel für das TV-Gerät und die Audio-Anlage hingegen fehlen. Bestellt man die im Apple Store gleich mit, werden zusätzlich knapp 50 Euro fällig. Im Fachhandel mag man solche Kabel ein wenig billiger bekommen, den Gesamtpreis einer Apple-TV-Anschaffung treiben diese Nebenkosten aber auf jeden Fall in die Höhe.

Ebenso wie der MP3-Player iPod ist auch das Apple TV auf eine Zusammenarbeit mit der Multimediasoftware iTunes ausgerichtet. Ohne iTunes läuft gar nichts.

Allerdings beherrscht die Apple-Box nicht alle Formate, die von iTunes wiedergegeben werden können. Deshalb kann es vorkommen, dass Musikstücke, die auf dem Rechner problemlos abgespielt werden, an der Settop-Box gar nicht erst auftauchen. Immerhin: Die Formate AAC, MP3, AIFF, WAV und Apple Lossless werden problemlos wiedergegeben.

Bei den Bildformaten beherrscht Apple TV mit JPEG, BMP, GIF, TIFF und PNG die populärsten Varianten. Digitalknipser dürften hier kaum auf Probleme stoßen.

Starke Bindung an iTunes

Starke Bindung an iTunes

Videosammlern könnte es da anders ergehen. Außer H.264 und MPEG4 versteht die Apple-TV-Box keine weiteren Videoformate. Hier vermisst man vor allem das im Internet gebräuchliche Divx sowie das von der Windows-Plattform stammende AVI.

Ebenso eingeschränkt sind die Möglichkeiten, sich via Internet mit Inhalten zu versorgen. Ausschließlich Video- und TV-Trailer aus Apples iTunes Store sind direkt von der Box aus abrufbar. Alles andere muss über einen Computer geladen, in ein passendes Format konvertiert und mit iTunes auf die Box übertragen werden.

Ausbaufähig

Keine Frage, mit Apple TV zeigt die Firma um Steve Jobs erneut, wie man ein tolles Produkt entwickelt, das gut aussieht und beim Benutzen einfach Spaß macht. Im Zusammenspiel mit iTunes, einem schnellen drahtlosen Netzwerk, einem HD-Fernseher sowie einer ordentlichen Audioanlage schafft es das kleine Gerät auf wunderbare Weise, digitale Inhalte vollkommen unproblematisch ins Wohnzimmer zu transportieren.

Ein wenig einschränkend wirkt jedoch die enge Bindung an iTunes. Zumindest solange man im deutschen iTunes Store noch keine TV-Inhalte kaufen kann und die Zusammenarbeit mit externen TV-Karten nicht zufriedenstellend gelöst ist, wird das kleine Kästchen seinen großen Fähigkeiten zum Trotz zur Musikbox degradiert, über die man sich zusätzlich mit Kinotrailern berieseln lassen kann.

Aber derzeit handelt es sich bei Apple TV ja auch noch um eine 1.0-Version. Etliche der Wünsche, die im Augenblick unerfüllt bleiben, wird Apple durch Softwareupdates erfüllen können, wenn der Konzern das denn will. Zudem hat sich die Firma fest vorgenommen, in diesem Jahr auch in Europa TV-Serien in den iTunes Store aufzunehmen. Wenn dann noch die externen Anbieter von TV-Adaptern ihre Software so modifizieren, dass man eigene Aufnahmen via iTunes an die Apple-Box schicken kann, steht dem total vernetzten Multimediavergnügen nichts mehr im Weg.