Netzagentur "Letzte Meile" wird günstiger

Telefongespräche im Festnetz könnten schon bald preiswerter werden. Die Bundesnetzagentur senkte am Freitag die Gebühr, die Wettbewerber der Deutschen Telekom für die "letzte Meile" zum Kunden zahlen müssen, um 15 Cent im Monat. Nicht genug, monieren Verbände.

Bonn - Die Bereitstellung der sogenannten Teilnehmeranschlussleitung (TAL) gilt als wichtigste Vorleistung im Ortsnetzwettbewerb. Die Entgelte, die Wettbewerber dafür an die Deutsche Telekom  zahlen müssen, würden von 10,65 Euro auf 10,50 Euro monatlich gesenkt, teilte die Bundesnetzagentur am Freitag mit.

Alternative Netzbetreiber sind in der Regel auf die "letzte Meile" angewiesen, um mit ihren Breitband- und Telefonangeboten in die Haushalte der Kunden zu gelangen. Bei diesen Anbietern sorgte die Entscheidung für große Enttäuschung. Sie hatten mindestens eine Absenkung auf unter zehn Euro gefordert und befürchten nun, gegenüber reinen Wiederverkäufern von Produkten der Telekom weiter ins Hintertreffen zu gelangen. Aber auch der Ex-Monopolist konnte sich mit seinem Antrag nicht durchsetzen, die Entgelte auf gut zwölf Euro zu erhöhen.

Die Telekom hatte den Antrag mit "besonderen Lasten" für ihren Personalumbau begründet. Sie will erreichen, dass bis 2008 rund 32.000 Beschäftigte das Unternehmen verlassen, und muss dafür mehr als drei Milliarden Euro aufwenden.

Dazu erklärte die Bundesnetzagentur, solche zusätzlichen Kosten hätten nicht anerkannt werden können. Restrukturierungsaufwendungen dienten dazu, mittelfristig die Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern, betonte die Behörde. Ihrer Ansicht nach trägt die auf zwei Jahre festgelegte neue Miete dazu bei, zwischen Infrastruktur- und Dienstewettbewerb weiter eine Balance zu halten.

Der Regulierer unterstrich zudem, dass der Wettbewerb im Breitbandmarkt und im Ortsnetzbereich mit deutlichen Schritten vorankomme. Mit rund fünf Millionen vermieteten Hausanschlüssen liege Deutschland an der Spitze in Europa. Die alternativen Anbieter erklärten ihrerseits, dass diese Zahl einem Marktanteil von erst 14 Prozent entspreche und die Telekom noch mit weitem Abstand dominiere.

"Trippelschritt" und "Schlag ins Gesicht"

"Trippelschritt" und "Schlag ins Gesicht"

Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) bezeichnete die Mietsenkung als viel zu gering und "Schlag ins Gesicht" für die Unternehmen mit eigenen Netzen. Weil in den vergangenen Jahren die Rabatte für die ohne Infrastruktur agierenden Wiederverkäufer sehr stark gestiegen seien, sei eine erhebliche Schieflage im Markt entstanden und drohe eine Entwertung der Investitionen in eigene Infrastruktur. Dies hätte der Regulierer mit einer deutlicheren Preissenkung verhindern müssen.

Auch der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) kritisierte die Entscheidung der Netzagentur. Sie sei ein "Trippelschritt" statt des erhofften "großen Wurfs". Von der Telekom  war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Im Juni steht noch eine Reihe weiterer Entscheidungen zu den Hausanschlüssen an. So muss der Regulierer die Höhe der sogenannten Einmalentgelte neu festlegen, die die Telekom für das Kündigen oder Umschalten der Leitungen nimmt. Vor allem aber wird der Regulierer voraussichtlich ebenfalls im Juni bestimmen, wie die TAL künftig zu definieren ist. Hier sind die alternativen Anbieter in ernster Sorge um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Breitbandmarkt.

Denn die Netzagentur neigt nach Angaben des VATM dazu, die neuen schnellen Glasfaserleitungen der Telekom bei der Neudefinition der "letzten Meile" zunächst auszuklammern. Die Leitungen zu den Haushalten sind bislang überwiegend aus Kupfer. Die Wettbewerber befürchten, künftig kein verbrieftes Recht auf den Zugang zu der gemischten Kupfer-Glasfaser-TAL zu haben. In diesem Falle wären sie bei der Verbreitung von hochbitratigen Angeboten in Deutschland gegenüber der Telekom im Nachteil, warnte der VATM.

manager-magazin.de mit Material von dow jones