Blu-ray/HD-DVD Jagd auf das DVD-Erbe

Die Formate Blu-ray und HD-DVD ringen seit geraumer Zeit um die Nachfolge der DVD - entschieden ist jedoch noch nichts. Vom Preis bis hin zu Zusatzfunktionen: Zwischenstand eines Kopf-an-Kopf-Rennens.

Hamburg - Freunde von hochauflösenden Filmen hoffen in diesem Jahr auf fallende Preise. Der Grund: Zwei unterschiedliche Formate ringen um die Marktführerschaft und die Nachfolge der DVD - eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Während die Computergrößen Microsoft , Toshiba  und NEC  die sogenannte High-Definition-DVD, kurz HD-DVD, unterstützen, wollen allen voran Playstation-Hersteller Sony  und Elektronikfirmen wie Philips  und Panasonic das neue Format Blu-ray-Disc vorantreiben.

Der Preis ist für die Verbraucher eine erste Orientierungsmarke: Sony hat mit seiner neuen Spielkonsole Playstation 3 (knapp 600 Euro), die über ein Blu-ray-Laufwerk verfügt, das derzeit günstigste Blu-ray-Abspielgerät im Angebot und will damit nun den europäischen Markt erobern. Dafür müssen sich die Verbraucher allerdings mit einer Bedienung anfreunden, die nicht für das Filmegucken, sondern für Spiele optimiert ist.

Reine Blu-ray-Abspielgeräte kosten erheblich mehr: die Preisspanne beginnt momentan bei etwa 1000 Euro. Erst im Herbst will Sony ein billigeres Gerät auf den Markt bringen, das in der Preislage der Playstation 3 liegen soll.

Die Abspielgeräte für die HD-DVD kosten hingegen mit Preisen zwischen 500 und 1000 Euro etwas weniger. Das neueste Gerät von Toshiba, das HD-EP10, wird voraussichtlich bei rund 700 Euro liegen. Die Microsoft-Spielkonsole XBox 360 lockt mit einem Laufwerk für rund 200 Euro, das sich über die USB-Schnittstelle auch an den PC anschließen lässt. Auch Sony will im Sommer einen Blu-ray-Spieler namens BDP-S1E auf den Markt bringen. Einen Preis nennt das Unternehmen jedoch noch nicht.

Die jüngsten Verkaufszahlen sprechen für einen Vorsprung des Blu-ray-Formats. In den USA verkauften sich in den ersten beiden Januarwochen doppelt so viele Blu-ray-Discs wie HD-DVDs. Anders in Europa: Mit dem Verkauf der Playstation 3 seit Ende März soll der Vorsprung der HD-DVD eingeholt werden.

Komfortfunktion und Hemmschuh

Komfortfunktion und Hemmschuh

Über die Rivalität der Systeme können sich US-Verbraucher nur freuen. Die Aufholjagd wird den Preis drücken: Laut Berichten in der Fachpresse sollen die Preise für HD-DVD-Geräte in den USA schon bald in den Bereich zwischen 300 und 400 Dollar fallen. Über kurz oder lang könnte dies auch auf dem europäischen Markt spürbar sein.

Aber nicht nur der Preis, auch die Funktionen sollten entscheidend für einen Kauf sein. Generell gilt Blue-ray als die technisch vorteilhaftere Variante, denn sie bietet deutlich mehr Platz auf der Scheibe als HD-DVD.

Doch die HD-Gruppe sucht nach Wegen, neue Funktionen zu liefern. Auf der Computermesse Cebit stellte die HD-DVD-Promotion-Group beispielsweise das neue Interaktivitätsformat HDI vor, das die Filme um interessante Funktionen erweitert. So können Nutzer auf der DVD versteckte Szenen freischalten, indem sie aus dem Internet die entsprechenden Freischaltcodes herunterladen. Praktisch ist auch eine neue Merkfunktion: Per Knopfdruck lassen sich bestimmte Filmstellen markieren und später wieder abrufen.

Während diese Komfortfunktionen von den Verbrauchern rasch angenommen werden dürften, könnte sich ein ganz anderes, wichtiges Feature als Hemmschuh herausstellen: Sowohl die Blu-ray-Disc als auch die HD-DVD ermöglichen es den Herstellern und Filmkonzernen mithilfe des eingebauten Digital-Rights-Managements zu kontrollieren, wie oft die Verbraucher die Filme abspielen können. Sie können sogar die Abspielgeräte sperren, wenn Verbraucher Freischaltcodes verwenden, die sie nicht rechtmäßig erworben haben.

Verbraucher zeigen sich skeptisch

Welches Format sich letztlich durchsetzen wird, ist offen. Blu-ray-Mitglieder wie Hewlett-Packard oder LG unterstützen angesichts des Unentschiedens mittlerweile beide Standards. Die Verbraucher zeigen sich indes weiter skeptisch. Laut einer Umfrage des Duplizier- und Drucksystemeherstellers Primera Technology unter hundert Branchenexperten halten sich viele Konsumenten wegen des Streits über die Formate zurück. "Es war zu erwarten, dass zwei inkompatible Standards sowohl Händler als auch Nutzer zunächst einmal verunsichern - zumal diese bisher über lange Jahre einen Standard gewohnt waren", sagt Andreas Hoffmann, Geschäftsführer von Primera Technology Europe.

Geht es nach dem Preis, präsentiert sich die HD-DVD im Moment besser. Allerdings sitzt bereits ein noch günstigerer Anbieter aus China in den Startlöchern: Das Unternehmen "New Medium Enterprise" hat mit der "Versatile Multilayer Disc" (VMD) ein drittes Format auf den Markt gebracht - unterstützt von sechs indischen Filmvertrieben. Sie legen den rund 250 Dollar günstigen Abspielgeräten jeweils zehn Bollywood-Streifen bei.

Christiane Schulzki-Haddouti, ddp

Fotostrecke: Der Kampf um das Erbe der DVD

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