Mittwoch, 8. April 2020

Mobilfunk Sistema umwirbt die Telekom

Der russische Mischkonzern Sistema lässt nicht locker. Das Unternehmen des Milliardärs Wladimir Jewtuschenkow hat der Deutschen Telekom offenbar ein Tauschgeschäft angeboten, um sich die ungarische Telekom-Tochter Magyar Telekom einzuverleiben.

Hamburg - Sistema habe ein Tauschgeschäft angeregt, berichtete die "Financial Times Deutschland" am Donnerstag unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Das Unternehmen biete seine Anteile an dem größten russischen Mobilfunkanbieter Mobile Tele Systems (MTS) an und wolle im Gegenzug die ungarische Telekom-Tochter Magyar Telekom haben.

Lockvogel: Über MTS will Sistema an die Telekom-Tochter Magyar Telekom herankommen
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Der Bonner Konzern hat aber offenbar kein Interesse, sich von seiner ungarischen Beteiligung zu trennen. Auf einer Anfang März präsentierten Liste zu prüfender Verkäufe tauchte Magyar nicht auf. In Unternehmenskreisen hieß es, das Unternehmen sei ein wichtiger Bestandteil des Konzerns. Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen wollte den Bericht nicht kommentieren.

Auch die Zeitung berichtete, das Sistema-Angebot habe nur geringe Erfolgsaussichten. Telekom-Kenner hätten gesagt, die Konzernspitze beurteile das Angebot skeptisch. Zudem würde ein Verkauf des ungarischen Ex-Telefon-Monopolisten an Russen vermutlich auf erbitterten Widerstand der Budapester Regierung. "Die Sache zeigt, dass Sistema nicht locker lässt, aber die Erfolgschancen gehen gegen null", sagte ein mit dem Vorgang Vertrauter.

Bereits im vergangenen Jahr versuchte Sistema mit der Telekom ins Geschäft zu kommen. Damals soll das Interesse des russischen Konzerns an einem groß angelegten Einstieg bei den Bonnern im Tausch gegen eine MTS-Beteiligung an einem Veto der Bundesregierung gescheitert sein. Der russische Telekommunikationsminister Leonid Reiman hatte erst vor kurzem auf der Cebit in Hannover das Interesse an einer Partnerschaft mit der Telekom bekräftigt.

Telekom-Chef Rene Obermann hat angekündigt, dass der Konzern im Ausland im Mobilfunk weiter wachsen wolle. Auch Zukäufe und eine Expansion in neue Märkte seien denkbar, hatte er gesagt. An der russischen MTS war die Telekom schon einmal mit 40 Prozent beteiligt, war aber 2005 zum Schuldenabbau ausgestiegen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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