Bertelsmannn Interesse an kanadischem Verlag

Mit seinem frisch gegründeten Medienfonds macht sich Bertelsmann direkt an die Arbeit: Die erste Akquisition ist offenbar die Lehrbuchsparte des kanadischen Fachverlags- und Informationskonzerns Thomson.

Frankfurt am Main - Bertelsmann habe sich mit drei Finanzinvestoren zusammengetan, um ein Angebot für Thomson Learning zu prüfen, zitierte die "Financial Times" am Donnerstag nicht genannte Insider. Der Preis für die Sparte werde auf fünf Milliarden Dollar (rund 3,7 Milliarden Euro) geschätzt.

Ein Sprecher lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab. Thomson  hatte die Sparte im Herbst zum Verkauf gestellt, da sie nicht mehr zur Strategie passe.

Nach einem Rekordgewinn und großen Schritten beim Schuldenabbau denkt Bertelsmann wieder über Zukäufe nach. Nach Aussagen von Finanzvorstand Thomas Rabe stehen dafür von 2008 an jährlich 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Finanziellen Spielraum auch für größere Akquisitionen will sich der Konzern mit einem Medienfonds schaffen, der zusammen mit Morgan Stanley Principal Investments und Citigroup Private Equity mit bis zu einer Milliarde Euro Eigenkapital aufgelegt wird.

Bertelsmann zielt auf Minderheitsbeteiligungen, will sich aber auch jeweils die Option auf die Übernahme des Unternehmens sichern. Der Fokus liegt auf Europa, den USA und Asien. Rabe hatte auf der Bilanzpressekonferenz gesagt, es würden bereits Investitionen geprüft.

Wachstum durch Medienfonds

Bertelsmann kann mit dem Medienfonds mit einem Eigenkapitaleinsatz von maximal 500 Millionen Euro wesentlich mehr für Beteiligungen ausgeben. Private-Equity-Fonds finanzieren Zukäufe normalerweise nur zum geringen Teil über Eigenkapital. Einen Großteil stemmen sie über Kredite und bürden die Schuldenlast den erworbenen Firmen auf. In den vergangenen zwei Jahren hat die Verschuldungsgrade bei Private-Equity-Transaktionen stetig zugenommen, sodass sich nach Ansicht von Kritikern eine spekulative Blase bildet.

Diese erhöhte Risikobereitschaft, aber auch der Kauf immer größerer Konzerne hat dazu geführt, dass die Fonds Verzinsungen in Rekordhöhe einfuhren. Renditen von über 30 Prozent pro Jahr sind bei den besseren Private-Equity-Häusern keine Seltenheit.

Mit dem neuen Fonds könnte sich Bertelsmann auch mit anderen Finanzinvestoren zusammenschließen und im Rahmen sogenannter "Club Deals" noch weitaus größere Zukäufe stemmen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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